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Periodische Ausgleichszahlungen (AGZp)

Erfahrungen aus der Initialisierung in der zahlungsstromorientierten Nachkalkulation (zoK): Viel Licht aber auch Schatten. Im Beitrag wird der Umsetzungsstand periodische Ausgleichszahlungen (AGZp) gezeigt.

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AGZp periodische Ausgleichszahlungen

Ausgangssituation

Variable Geschäfte werden mittels Mischungen von Gleitzinsen (Mischungsverhältnissen) abgebildet und ermöglichen dessen Disponierbarkeit und Messung des Zinsänderungsrisikos. Dieses Modell unterstellt im Zeitablauf hinreichend konstante Volumina. Seit Beginn der Finanzkrise verzeichnen Sparkassen aufgrund des Niedrigzinsniveaus jedoch außergewöhnlich starke Volumenzuwächse vor allem in variabel verzinsten Passivprodukten. Hiervon besonders betroffen sind Sicht- und Spareinlagen. Für die periodische Sicht wurde daher das Replikationsportfolio als Ergänzung des Modells der gleitenden Durchschnitte entwickelt, das oben genannte Herausforderungen aufgrund Volumenänderungen heilt. Die Erweiterung basiert darauf, dass aus Differenzen im Volumen und zwischen historischen und aktuellen Geld- und Kapitalmarktzins Korrekturcashflows erzeugt werden, die die Darstellung des Ergebnisbeitrags korrigieren. Dies erfolgt sowohl für Volumensteigerungen als auch für Volumenrückgänge.

Umfrage in den Sparkassen zeigt gute Basis aber fehlende Sicherheit in der Umsetzung

Im Rahmen einer nicht-repräsentativen Umfrage (Standortbestimmung) haben wir im Juni / Juli 2020 unsere Sparkassenkunden nach ihren Vorkenntnissen und Vorbereitungen im Zusammenhang mit AGZp befragt, die in der Nachkalkulation (zoK) bereits seit April 2020 genutzt werden können. Die Ergebnisse stellen wir im Folgenden aggregiert vor.

Viele Sparkassen finden sich in der Methode der gleitenden Durchschnitte gut zurecht. Alle Sparkassen antworteten, dass sie ein gutes fachliches Verständnis für variable Geschäfte mitbringen, was wir aus unseren Gesprächen mit Kunden bestätigen können. 94% der Teilnehmer gaben an, dass die Überprüfung der Mischungsverhältnisse, die spätestens alle 12 Monate erfolgen sollte, aktuell ist. Mit Blick auf die periodischen Ausgleichszahlungen (AGZp) ergibt sich ein anderes Bild: während noch 78% angaben, die Methodik des Replikationsportfolios durchdrungen zu haben, weiß weniger als ein Drittel der Teilnehmer, was im Rahmen der Initialisierung konkret zu tun ist. Basierend auf dieser Rückmeldung bieten wir ein Online-Seminar an, das unsicheren Instituten Anleitung gibt: Hier konnten wir unseren standardisierten Beratungsansatz und eine pragmatische Vorgehensweise zur Umsetzung vermitteln. Immerhin 17% der an der Umfrage beteiligten Institute haben angegeben, bereits mit der Umstellung der entsprechenden Institutsregeln begonnen zu haben. Aus der Praxis empfehlen wir daher eine vorgelagerte Analyse und Prüfung durchzuführender Aktivitäten in der S-DWH-Administration (Default-Produkte und Konten mit festen Bewertungsvorgaben), da die Institutsregeln i.d.R. nicht zurückgesetzt werden können.

Bei der Verzahnung und ganzheitlichen Betrachtung der AGZp in allen involvierten Systemen bis hin zur Vertriebssteuerung fehlt den Sparkassen noch Erfahrung: In der Standortbestimmung hat keine Sparkasse angegeben, sich mit den methodischen Unterschieden zwischen Vor- und Nachkalkulation zu beschäftigen und Abweichungen analysiert und bewertet zu haben. Auch gab nur eine Sparkasse an, die Auswirkungen auf die Vertriebsberichte (Flexibles Reporting bzw. VKC) untersucht zu haben.

Die Prüfung der Umsetzung ist eine wichtige Ergänzung und muss im Prozess mitberücksichtigt werden. Allerdings haben nur 11% der Rückmeldungen angegeben, die interne Revision involviert und mit den entsprechenden fachlichen Unterlagen versorgt zu haben.

Vorgehen bei der Einführung der periodischen Ausgleichszahlungen (AGZp)

Abbildung: Vorgehen bei der Einführung der periodischen Ausgleichszahlungen (AGZp)

Erkenntnisse aus der operativen Umsetzung in Projekten

Die Erkenntnisse aus der Standortbestimmung können wir aus dem Projektalltag bestätigen. Oft ist ein gutes Methodenwissen und langjährige Erfahrung in der Nutzung der von der Finanz Informatik zur Verfügung gestellten Systemen in den Sparkassen vorhanden. In unseren Beratungen unterstützen wir häufig, indem wir den Instituten eine pragmatische Anleitung zu Umsetzung zu geben. Dies betrifft sowohl die Herkunft der Daten für die Initialisierung als auch den Umgang und die Analyse von Differenzen.

These von msg GillardonBSM

Zur Initialisierung werden Daten aus einer Historien von nicht selten 10 Jahren benötigt, die häufig nicht zur Verfügung stehen. In diesem Fall empfiehlt sich ein grober Ansatz, da Größen im Detail wegen fehlender qualitätsgesicherter Aufzeichnungen ohnehin nicht zu validieren sind und Initialisierungseffekte sich herauswachsen. Bei der Analyse von Abweichungen untersuchen wir im Rahmen der Beratung daher vor allem steuerungsrelevante Abweichungen, für die wir vorher eine Bagatellgrenze definiert haben. Wir beraten Sie gerne in der Planung, Umsetzung und Dokumentation der Initialisierung der periodischen Ausgleichszahlungen und der Verzahnung zur Planung und Vertriebssteuerung.

Andreas Mach

ist Lead Executive Partner und leitet das Business Consulting Fachcluster bei msg GillardonBSM. Er ist seit vielen Jahren als Autor, Referent, Berater und Experte in den Themen Banksteuerung, Risikomanagement, Controlling, Regulatorik sowie Compliance und Analytics beziehungsweise künstliche Intelligenz tätig. In diesen Themen unterstützt er zahlreiche Projekte in Banken und bei Finanzdienstleistern.

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