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EZB publiziert Ergebnisse aus SREP 2020 und Prioritäten für 2021 mit Fokus auf Kreditrisiko

Zusammenfassung der Ergebnisse aus dem SREP 2020 sowie Vorstellung der Aufsichtsprioritäten 2021

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EZB Aufsichtsprioritäten 2021 mit Fokus auf Kreditrisiko

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 28.01.2021 die Ergebnisse aus dem SREP für 2020 und zudem die aufsichtlichen Prioritäten für 2021 bekannt gegeben. Natürlich spielen in allen Aktivitäten und Erkenntnissen derzeit die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Institute eine große Rolle, was insbesondere für 2021 nochmal zu erhöhter Aufmerksamkeit führen wird. Obwohl die EZB auf pragmatisches Vorgehen hinweist, ist dennoch zu erkennen, dass die Befürchtung erheblicher Auswirkungen auf die Finanzbranche aufgrund steigender Kreditrisiken weiter hoch bleibt (Vergleich hierzu beispielsweise der Blogbeitrag von Anfang Dezember 2020).

Zusammenfassung der Ergebnisse aus dem SREP 2020

Aufgrund des krisenbedingt bewusst gewählten pragmatischen Vorgehens im Rahmen des SREP 2020 hatte die EZB festgelegt, dass Säule-2-Anforderungen und -Empfehlungen sowie die SREP-Scores nicht angepasst, sondern stattdessen Auffälligkeiten und Bedenken auf Basis von Empfehlungen anstatt in Form von aufsichtlichen Maßnahmen den Instituten mitgegeben werden. Hierdurch sollte für die Institute die Möglichkeit geschaffen werden, flexibel auf die Herausforderungen für Risiko-, Kapital- und Liquiditätsmanagement zu reagieren. Aus diesem Grund gab es bei den quantitativen Zahlen, wie z.B. die Kapitalanforderungen aus dem SREP, keine wesentlichen Änderungen gegenüber 2019, d.h. diese blieben durchschnittlich bei ca. 14%.

Der Großteil der qualitativen Empfehlungen bezogen sich auf das Kreditrisiko, die Kapitalausstattung, die Tragfähigkeit des Geschäftsmodells und die interne Governance, wobei einige Feststellungen (insbesondere im Kontext interne Governance) im Jahr 2020 nicht beseitigt werden konnten. Anbei die wesentlichen Aussagen (weitere Details finden Sie hier):

  1. Kreditrisiko: Viele Empfehlungen beschäftigen sich mit dem Thema im Hinblick auf die Einführung angemessener Steuerung sowie Bildung ausreichend hoher Risikovorsorge, um die noch folgenden Auswirkungen aus der Corona-Pandemie abfedern zu können.
  2. Kapitalausstattung: Die Kapitalplanungen im Rahmen des ICAAP gestalten sich nicht immer ausreichend zuverlässig bzw. wurden an vielen Stellen bereits Puffer in Anspruch genommen bzw. ausgereizt.
  3. Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle: Durch den Margendruck hervorgerufene strategische Anpassungen werden genau beobachtet. Gerade Kostensenkungsmaßnahmen sollen weiter vorangetrieben werden, Digitalisierungsmaßnahmen sind jedoch häufig verspätet bzw. noch unzureichend.
  4. Interne Governance: Grundsätzlich waren Steuerungsmaßnahmen in der Krise adäquat, allerdings gibt es im Reporting, in der Datenaggregation, in der Überwachung von Kontrolleinheiten sowie der Steuerung von Kreditrisiken weiter Optimierungsbedarf.

Insbesondere im Kontext der potenziell notleidenden Kredite bestehen weiterhin Unsicherheiten im Hinblick auf das Ausmaß eventueller Auswirkungen im Jahr 2021, sodass dieser Aspekt sicherlich weiter stark im Fokus bleibt.

Aufsichtsprioritäten 2021

Die Prioritäten 2021 werden durch die Erkenntnisse aus 2020 stark dominiert, d.h. die Hauptaktivitäten werden sich auch dieses Jahr auf die vier zuvor bereits angesprochenen Bereiche konzentrieren (Details dazu finden Sie hier):

  1. Kreditrisiko: Es müssen angemessene Verfahren zur Risikosteuerung existieren, um die Auswirkungen von Kreditrisiken frühzeitig zu erkennen, zu messen und abzufedern und die operativen Kapazitäten für Maßnahmen verfügbar sein. Dies wird generell geprüft und im Zuge von gezielten Einzelprüfungen (Deep Dives) verifiziert.
  2. Kapitalausstattung: Der Fokus wird vor allem auf der Angemessenheit der Kapitalplanung inklusive der Projektionen liegen, wobei auch Dividendenausschüttungen etc. hinterfragt werden. In dem Kontext wird 2021 wieder ein EU-weiter Stresstest durchgeführt.
  3. Tragfähigkeit der Geschäftsmodelle: Gerade strategische Maßnahmen im Hinblick auf Kosteneffizienz, Digitalisierung oder Konsolidierungsmaßnahmen werden eingehend geprüft.
  4. Interne Governance: Gerade die angemessene Steuerung in Krisenzeiten wird hier im Fokus stehen, insbesondere inwiefern Kapazitäten zu Berichterstattung und Datenaggregation vorliegen. Dabei spielen sowohl finanzielle (z.B. Kreditrisiko, Risikovorsorge) als auch nicht-finanzielle Risiken (Compliance, Geldwäsche, IT-Risiken) eine große Rolle.

Aufsicht legt Schwerpunkt auch auf Nachhaltigkeit

Ergänzend dazu rückt jedoch das Thema Nachhaltigkeit weiter verstärkt in den Fokus, um die Erwartungen aus dem finalisierten und publizierten EZB-Leitfaden zu Klima- und Umweltrisiken erfüllen zu können. Hinzu kommen die Bewältigung von Risiken im Zusammenhang mit Geldwäsche, Cyber- und Digitalisierungsrisiken sowie die Vorbereitungen auf die Umsetzung der nächsten Schritte aus dem Basel-III-Rahmenwerk.

Unterstützung durch die msg GillardonBSM

In allen Themengebieten unterstützen wir Sie weiterhin gerne bei Ihren Überlegungen und Fragestellungen mit unseren unterschiedlichen Beratungs- und Softwarelösungen.

Quellen

Andreas Mach

ist Lead Executive Partner und leitet das Business Consulting Fachcluster bei msg GillardonBSM. Er ist seit vielen Jahren als Autor, Referent, Berater und Experte in den Themen Banksteuerung, Risikomanagement, Controlling, Regulatorik sowie Compliance und Analytics beziehungsweise künstliche Intelligenz tätig. In diesen Themen unterstützt er zahlreiche Projekte in Banken und bei Finanzdienstleistern.

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