Blogpost

Merkt euch BNPL – BuyNowPayLater

Es scheint sich um etwas Neues zu handeln, doch im Prinzip ist es nicht mehr als der gute, altbekannte Rechnungskauf von früher. Was sich trotzdem geändert hat.

69
8 Minuten Lesezeit

Totgeglaubte leben länger und der Hype nimmt jetzt erst Fahrt auf.

Die Situation während des Checkout-Vorgangs beim Onlineshopping kennt jeder: Die Logos aller Paymentsgrößen werden angezeigt, eine Vielzahl an Bezahlmöglichkeiten stehen zur Verfügung. „Wollen Sie per Kreditkarte bezahlen?“ „Lieber mit Visa oder Mastercard?“

Ach nein, durch die Single-Sign-On-Möglichkeit wählen Sie dann doch Ihren Paypal Account, wo die Abbuchung direkt von Ihrem Bankkonto erfolgt. In Zukunft werden sich hier mehr und mehr die Produktvarianten von BuyNowPayLater kurz BNPL etablieren. Denn BNPL ist einer der heißesten Trends in der Paymentbranche und hat bereits jetzt tiefgreifende Veränderungen bewirkt.

Wir werfen einen Blick auf die Historie, das Konzept, die aktuellen Marktentwicklungen und die Auswirkungen sowie Vorteile für Kunden und Händler durch BNPL-Lösungen.

Die Ursprünge von BNPL: Was genau ist diese Bezahlmöglichkeit eigentlich?

Es scheint sich um etwas Neues zu handeln, doch im Prinzip ist es nicht mehr als der gute, altbekannte Rechnungskauf von früher – also eine Option, Produkte oder Dienstleistungen über einen gewissen Zeitraum in festgesetzten Raten abzubezahlen. Die aktuellen Produktlösungen der BNPL-Anbieter bieten oftmals eine zinsfreie Aufteilung des Kaufbetrages in meist drei oder vier Raten an. Dem Kunden selbst entstehen für diese Bezahlmethode keine zusätzlichen Kosten, denn der Händler zahlt in den meisten Fällen eine Provision an den BNPL-Anbieter.

Das bereits schnelle Wachstum von BNPL hat sich während der Corona-Pandemie, bedingt durch den florierenden E-Commerce-Markt sowie den massiven Veränderungen der Verbrauchergewohnheiten, noch einmal beschleunigt. Jedoch ist das erst der Anfang – denn auch im stationären Handel, wie beispielsweise an POS-Stationen, gewinnen die BNPL-Lösungen zunehmend an Bedeutung. Zudem wird BNPL in beiden Sektoren auch in Zukunft enorm wachsen, da die Kunden weiterhin nach alternativen Methoden zur Finanzierung Ausschau halten werden. So wickelte bisher insbesondere die jüngere Zielgruppe Käufe über die Bezahlmethode BNPL ab. Doch aufgrund wachsender Verbreitung und steigender Akzeptanz bei den Händlern werden in Zukunft weitere Zielgruppen BNPL verstärkt nutzen.

Wie groß ist der Markt?

In den letzten Jahren hat der BNPL-Markt enorm expandiert und ist zu einem wichtigen Bestandteil für Händler sowie Kunden geworden. Deutschland ist sogar einer der größten Märkte, hier wurden im Jahr 2020 bereits circa 19 Prozent aller E-Commerce-Transaktionen mit einer BNPL-Bezahlmöglichkeit durchgeführt. Im aktuellen FIS Global Payments Report aus dem Jahr 2021 wird das enorme Wachstum ebenfalls deutlich: der globale Marktanteil von BNPL wird sich bis ins Jahr 2024 verdoppeln. Und auch ein Blick nach Großbritannien zeigt ein Wachstum des BNPL-Marktes im Jahr 2020 um das Dreifache. Zudem wird prognostiziert, dass bis zum Ende von 2023 10 Prozent aller Online-Käufe über eine BNPL-Lösung bezahlt werden.

Die oben aufgeführten Zahlen verdeutlichen das großartige Potenzial. Jedoch ist der Markt aktuell schon sehr umkämpft, denn kaum ein Unternehmen will nicht auf den BNPL-Zug mit aufspringen. Neben FinTechs platzieren sich auch die Card Schemes, Banken und Technologieunternehmen mit ihren Produkten.

Welche Entwicklungen zeichnen sich ab?

Werfen wir doch mal einen Blick auf die aktuellen Entwicklungen im BNPL-Markt, denn in den letzten Wochen haben sich die Meldungen bezüglich Übernahmen und Kooperationen überschlagen:

  • Übernahme des japanischen BNPL-Unternehmens „Paidy“ durch „Paypal“ für 2,7 Milliarden US-Dollar
  • Übernahme des australischen BNPL-Unternehmens „Afterpay“ durch „Square“ für 29 Milliarden US-Dollar
  • Eine Kooperation zwischen „Amazon“ und „Affirm“ sowie eine zwischen „Apple Pay“ und „Goldman Sachs“

Und wie agieren die Card Schemes? Denn als einen Ersatz für Kreditkarten wird BNPL bei den Kunden nicht gesehen. Das ist wohl auch der Grund, warum Visa und Mastercard den Schritt in das BNPL-Geschäft gewagt haben.

So hat zum Beispiel Mastercard den Start des Programmes Mastercard Installments für das erste Quartal 2022 angekündigt. Es wird zunächst in den USA, Großbritannien und Australien verfügbar sein, wo Verbraucher dann ihre Rechnungen in monatliche meist zinsfreie Raten aufteilen können. Wie im klassischen Kreditkartengeschäft wird Mastercard nicht direkt mit dem Endkunden in Kontakt treten, sondern ihre weltweite Payment-Infrastruktur für Banken und Händler zur Verfügung stellen. Visa hat seine netzwerkbasierte Ratenzahlungslösung schon auf dem Markt platziert und agiert hier ebenfalls im Hintergrund. Die Visa-Technologie wird bereits von einer Vielzahl an Banken und FinTechs genutzt, dazu gehört beispielsweise auch Klarna, Afterpay oder HSBC.

Und ein weiteres FinTech-Schwergewicht, Revolut aus Großbritannien, hat verkündet, seinen Nutzern Online sowie In-Store die Möglichkeit von BNPL anzubieten. Es wird allen Karteninhabern zeitnah eine Funktion bereitgestellt, bei der nicht wie gewohnt eine sofortige Abbuchung der gesamten Rechnung erfolgt, sondern der Kunde die Kosten für den Einkauf auf mehrere Raten verteilen kann. In der Pilotphase wird vorgesehen, dass ein Drittel des Kaufpreises sofort abgebucht wird und die zwei weiteren Raten in einem Abstand von jeweils zwei Wochen. Das BNPL-Produkt soll 2022 in den ersten europäischen Ländern auf den Markt gehen.

Welche Vorteile ergeben sich für die Kunden und Händler durch die BNPL-Lösungen?

Für die Kunden

Durch BNPL wird die Konsumentenfinanzierung zu einem integralen Bestandteil des Checkouts und somit des Kaufprozesses. In früheren Zeiten hat es sich hierbei um einen komplett separaten Prozess gehandelt. Der Kunde hat ein Produkt entdeckt, musste dann zur Bank, um einen Ratenkredit abzuschließen, und konnte dann das Produkt erwerben.

Und heute? Eine reibungslose Integration in den Kaufprozess, eine sofortige Zusage und durch die flexiblen Bezahl- und Finanzierungslösungen ganz auf die jeweiligen Kundenbedürfnisse zugeschnitten. Der Kunde kann somit direkt im Checkout beim Händler die individuelle BNPL-Option auswählen, ohne eine Unterbrechung der Customer User Journey.

Laut einer US-Umfrage ist einer der häufigsten Gründe, warum die Kunden BNPL-Lösungen nutzen, die Vermeidung von Zinsen bei Kreditkarten. Denn für den Kunden ist es die kostengünstigere Finanzierungsoption – im Vergleich zur Kreditkarte, wo er für die Zinsen aufkommen muss. Bei BNPL wird lediglich eine Provision fällig, doch die muss der Händler an den BNPL-Anbieter zahlen. Ein weiterer Grund, der oft genannt wird, ist die Möglichkeit, Produkte zu erwerben, die sich die Kunden sonst nicht leisten könnten. Und auch Kunden, die keine Kreditkarte beantragen können, haben durch BNPL die Möglichkeit, ihre Zahlungen über mehrere Monate in Raten zu bezahlen.

Die Gefahr hier ist offensichtlich: Für den Kunden erhöhen sich für den Moment die finanziellen Möglichkeiten, während sich jedoch durch die anstehenden monatlichen Raten das verfügbare und verbleibende Monatsbudget deutlich verringert. Es besteht somit wenigstens für einen Teil der Kunden die Gefahr, dass BNPL sie ermutigt Schulden aufzunehmen. Und das können sie sich möglicherweise gar nicht leisten.

Für den Händler

Für die Händler ergeben sich durch BNPL entscheidende Mehrwerte. Zum einen wurde festgestellt, dass die Abbruchquote während des Checkouts um bis zu 35 Prozent gesenkt wird. Dies bedeutet eine Steigerung des tatsächlichen Geschäftsabschlusses und weniger Kunden die kurz vor der Bezahlung abspringen. Zum anderen ist ein Anstieg der Umsätze, um bis zu 45 Prozent zu verzeichnen – denn die Kunden sind durch den Rechnungskauf getriggert mehr und teurere Waren in ihren Warenkorb zu legen. Dadurch erhöht sich der durchschnittliche Bestellwert deutlich.

Darüber hinaus ergeben sich auch auf der administrativen Seite für die Händler Vorteile durch BNPL. Denn viele der BNPL-Anbieter übernehmen den kompletten Rechnungskauf und sorgen sowohl für die Rechnungsabwicklung und das Mahnwesen, aber haften auch für das Risiko bei einem möglichen Zahlungsausfall durch den Kunden.

Weitere wesentliche Vorteile sind sowohl der Zugang zu neuen Kundensegmenten (insbesondere jüngere Verbraucher) als auch die Sicherstellung eines seriöseren Eindrucks beim Kunden.

Was lässt sich zusammenfassend sagen?

Mit Sicherheit wird der aktuelle BNPL-Hype durch die Corona-Pandemie und das starke Wachstum im E-Commerce-Bereich verstärkt. Diese Bezahlmöglichkeit ist sowohl bei Kunden als auch bei Händlern schon jetzt nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil, es gibt immer mehr Player, die dem BNPL-Markt betreten, von FinTechs über Technologieunternehmen bis zu Banken. Zudem wird sich durch die steigende Akzeptanz der Händler sowie die wiederholte Nutzung durch die Kunden diese Dynamik weiterhin fortsetzen. Und wie bereits erwähnt, etablieren sich die BNPL-Lösungen nun auch verstärkt im Offline-Handel, beispielsweise an den POS-Terminals.

Man muss jedoch auch kritisch auf BNPL schauen, denn der Kunde wird mehr und mehr zu Käufen über seinen finanziellen Verhältnissen hin verführt. Die Gefahr, dass sich vor allem die BNPL-Zielgruppe der jüngeren Leute verschuldet, ist enorm. Das haben mittlerweile auch Verbraucherschützer und Behörden verschiedener Länder erkannt. Die Forderungen nach Gesetzen für BNPL werden lauter. So hat die britische Regierung erst Ende Oktober 2021 verkündet, dass es striktere Regulierungen geben wird. Denn neueste Daten haben gezeigt, dass sich dort im BNPL-Bereich Schulden in Höhe von 4,1 Billion Pounds angehäuft haben. Diese Diskussion wird in Deutschland sicherlich ebenfalls aufkommen, aber auch hierfür werden sich Lösungen finden und entsprechende Regulierungen eingeführt werden.

In der Payments-Welt von morgen sehen wir die BNPL-Lösungen als unabdingbar und das Wachstumspotenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Die aufgezeigten Entwicklungen, sowohl auf der Produktseite aber auch bei den Kooperationen und Übernahmen, verdeutlichen dies stark. Allerdings wird der Markt weiterhin hart umkämpft sein. Denn die BNPL-Provider können zwar über ein großes Wachstum berichten, die Gewinne blieben aber bei einigen bisher dennoch aus. Traditionelle Banken haben den Trend zum Teil verschlafen und laufen hierbei Gefahr, die Schnittstelle zum Kunden und somit die wichtigen Nutzerdaten zu verlieren. Denn bisher wird der Markt von FinTechs dominiert. Daher sind noch einige Verschiebungen bei den Key Playern wahrscheinlich.

Nichtsdestotrotz ist der gute alte Rechnungskauf in Form von BNPL wiederauferstanden und wird in den nächsten Jahren weltweit eine prägende Rolle spielen.

Quellen
Jan Haas

Jan Haas

berät als Senior Business Consultant bei msg GillardonBSM Kreditinstitute und Zahlungsdienstleister im Bereich Payments. Er ist Experte In den Themengebieten Digital Money, CBDCs und Crypto Assets und ist ein erfahrener Referent sowie Autor von Fachpublikationen und Blogbeiträgen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Sie müssen sich anmelden, um einen Kommentar zu schreiben.