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Sind Daten das Öl der Finanzwirtschaft?

„Daten sind das neue Öl“. Diese Aussage ist auf den britischen Mathematiker Clive Humby zurückzuführen, der diese im Rahmen der Entwicklung einer Kundenkarte für die Supermarktkette Tesco im Jahre 2006 getroffen haben soll.

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Sind Daten das Öl der Finanzwirtschaft

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„Daten sind das neue Öl“. Diese Aussage ist auf den britischen Mathematiker Clive Humby zurückzuführen, der diese im Rahmen der Entwicklung einer Kundenkarte für die Supermarktkette Tesco im Jahre 2006 getroffen haben soll. Auf den ersten Blick lassen sich jedoch keine größeren Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Ressourcen feststellen.

Öl ist ein fossiler Rohstoff und weist eine physische Beschaffenheit auf. Daten sind hingegen immateriell und nicht greifbar. Zudem ist die Gewinnung von Öl auf der Erde limitiert. Daten stehen allerdings theoretisch unbegrenzt zur Verfügung. Die Aussage fußt auf der Tatsache, dass beide Ressourcen mächtige Energieträger sind. Wird diese freigesetzt und zielgerichtet bereitgestellt, so kann das darin schlummernde Nutzenpotenzial vollständig abgeschöpft werden. Beide Energiequellen können allerdings nicht unmittelbar verwendet werden und müssen zunächst aufbereitet werden. Rohöl muss gefördert, transportiert, gelagert und anschließend raffiniert werden.

Der Transformationsprozess von Rohdaten ist diesem Vorgang sehr ähnlich. Die erhobenen Daten müssen ebenfalls aufbereitet und gespeichert werden. Der Raffinationsprozess entspricht hier der weiterführenden Analyse der Daten und der abgeleiteten Business Entscheidungen.

In Abbildung 1 werden die einzelnen Schritte von den Rohdaten bis hin zur Integration datengestützter Entscheidungen visualisiert. Die anfängliche Sammlung, die weiterführende Aufbereitung, sowie die anschließende Analyse und Visualisierung der Daten erfordert vermehrt technisches Knowhow. Für die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen, der zielführenden Strategieentwicklung sowie der Überführung in das Unternehmen wird vermehrt fachliche Expertise benötigt. Für jeden einzelnen Abschnitt dieser Data Roadmap stehen Werkzeuge zur Verfügung mit denen der Energiegehalt der Daten freigesetzt werden kann.

Data Roadmap

Abbildung 1: Data Roadmap

Auch die Finanzbranche profitiert zunehmend vom Energiegehalt der Daten. Umfangreiche Datenmengen in den Banken bergen enorme Schätze, die mit Hilfe der Data Roadmap zu heben sind. In einem Beispiel wird die Bedeutung der Daten als Energiequelle für Banken veranschaulicht.
Essenziell für die fortwährende Existenz einer Bank ist die Bindung von Bestandskunden sowie die Akquise neuer Kunden. Banken sollten daher in die Pflege ihrer Kundenbeziehungen investieren, indem sie ihre Kunden in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns stellen und ihr Beratungsangebot dahingehend abstimmen. Wird dies nicht konsequent umgesetzt, so schmilzt der eigene Kundenstamm kontinuierlich.

Abbildung 2 zeigt die Veränderung der Kundenbasis nach fünf Jahren im Do-Nothing-Fall. Das bedeutet, weder neue Kundenbeziehungen wurden aufgebaut noch bestehende gefestigt. Das führt dazu, dass die Minderung des Kundenbestands, bedingt durch Kündigungen, nicht durch neu aufgebaute Beziehungen abgefangen werden kann. Durch einen überalterten Kundenstamm wird dieser Effekt zunehmend verstärkt. Banken müssen aktiv gegensteuern, um am Markt konkurrenzfähig zu bleiben.

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Hier finden Sie unsere Studie "Sind Daten wirklich das neue Öl? – Datenquantität und -qualität im DACH Banking".

Da Daten einen tiefen Einblick in die Bedürfnisse und Anliegen der Kunden geben, sollten diese für Gegenmaßnahmen verwendet werden. Mittels adäquater Segmentierungen des vorhandenen Kundenbestands können besonders abwanderungswillige Kunden identifiziert werden. Darauf aufsetzend werden spezifische Beratungsleistungen unter der Bestimmung eines Next Best Offers angeboten und diese Kunden vom Verbleib überzeugt (Churn Prevention). Der Next Best Offer Ansatz lässt sich zudem ohne weiteres auf alle Kunden ausdehnen. Durch regelmäßige Analysen kundenbezogener Daten lassen sich zudem aktuelle Trends erkennen und auf die allgemeine Bevölkerung überführen. Die Bank befindet sich dadurch stets am Zahn der Zeit und sich Wettbewerbsvorteile bei der Neukundenakquise sichern. Datenanalysen können zudem gezielt gesteuert werden, um jüngere Kunden zu generieren und somit einen breiteren Kundenstamm zu erzielen.

Entwicklung des Kundenstamms im Do-Nothing-Fall

Abbildung 2: Entwicklung des Kundenstamms im Do-Nothing-Fall

Abschließend bleibt noch die Frage zu klären, ob Daten nun als das Öl der Finanzwirtschaft gelten? Beide Ressourcen sind mächtige Energieträger und müssen vor ihrer Verwendung noch aufbereitet werden. Im Falle des Öls, wird das aufbereitete Produkt verwendet, um den Motor zu betreiben, der der die Maschine in Bewegung bringt. Entscheidend ist schlussendlich aber die Transmission, welche die Kraft des Motors auf die Maschine überträgt.

Analog dazu beleben Daten den Maschinenraum des zugrunde liegenden Datenprojekts. Essenziell ist hierbei wiederum, den Energiegehalt der Daten in einen betriebswirtschaftlichen Kontext zu überführen und zielgerichtet in Banken einzusetzen. Die Übersetzung wird dabei durch ausreichend vorhandene technische sowie fachliche Expertise gewährleistet. Daten gelten als das Öl der Finanzwirtschaft, wenn schlussendlich alle Zahnräder vom Anfang bis zum Ende ineinandergreifen und echte Mehrwerte generiert werden.

Fazit: Für das Banking der Zukunft ermöglichen gut aufbereitete Daten die Basis für nachhaltigen Erfolg. Die Steigerung von Erträgen, sowie Bindung und Gewinnung von Kunden tritt allerdings erst vollumfänglich ein, wenn alle Schritte von der Datenbeschaffung bis hin zur Unternehmensintegration von den Banken lückenlos realisiert werden können.

Lesen Sie die neuesten Erkenntnisse zu diesem Thema in unsere Studie Sind Daten wirklich das neue Öl?.

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Johannes Stockbauer

ist bei msg GillardonBSM AG als Analyst im IT-Consulting tätig und berät Kunden zu den Themen Business Intelligence und Data Analytics.

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