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Die European Payments Initiative (EPI) – Teil 1

Die European Payments Initiative, kurz EPI, ist seit Monaten in aller Munde. Das Ziel besteht darin den internationalen Schemes wie Visa und Mastercard Paroli zu bieten und ein digitales, sowie innovatives Standardzahlungsmittel für ganz Europa zu schaffen. 

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Hello EPI, Ciao Visa und Mastercard. Die neue europäische Zahlungslösung

EPI wird gemeinsam mit Banken und Payment Service Providern die Payments Welt von morgen neugestalten und prägen.

Doch was ist eigentlich der Ansatz von EPI und wie ist der aktuelle Stand?
Eine neue Zahlungslösung auf dem Markt zu platzieren, bringt viele Herausforderungen mit sich. Wir zeigen euch den Hintergrund, das Ziel und die technologische Grundlage von EPI. Darüber hinaus werfen wir einen Blick auf mögliche erfolgsentscheidende Faktoren wie Kreditkarten, Request to Pay sowie Instant Payment.

Was ist EPI?

EPI ist ein Zusammenschluss von europäischen Banken und Zahlungsdienstleistern und wurde Anfang Juli 2020 von 16 Gründungsmitgliedern ins Leben gerufen. Es können sich weiterhin neue Mitglieder der Initiative anschließen – aktuell sind es 33 Shareholder aus 7 europäischen Ländern. Aus Deutschland sind bereits ING, Commerzbank, Deutsche Bank, Sparkasse und die DZ Bank dabei. Zudem sind europäische Größen wie die UniCredit, Santander oder auch die Société Générale vertreten. Neben den aufgezählten Banken haben sich mit Worldline und Nets auch zwei Payment Service Provider EPI angeschlossen. Das Ziel besteht darin, aus möglichst vielen europäischen Ländern Mitglieder für die Initiative zu gewinnen. Bis zum Ende dieses Jahres ist es noch möglich beizutreten.

Im Moment ist EPI noch eine Interim Company mit Sitz in Brüssel, die zukünftige Governance befindet sich noch in der Finalisierung. Nach aktuellem Zeitplan soll die neue Zahlungslösung von EPI im ersten Quartal 2022 in den Betrieb gehen.

Der Support für EPI ist immens. Es gibt politische Unterstützung sowohl von der Europäischen Zentralbank als auch von der Europäischen Kommission. In der EU Retail Payments Strategy (Blogbeitrag Retail Payments Strategy) wird auf eine fehlende europäische Zahlungslösung hingewiesen und es sind eine Vielzahl an Key Actions verankert, welche den Ansatz und das Ziel von EPI stärken. Zum einen soll Instant Payment bei den Händlern und Verbrauchern als „the new normal“ etabliert werden und gegebenfalls SEPA Instant Credit Transfer (SCTInst) gesetzlich verpflichtend werden. Zum anderen will man die Akzeptanz von digitalen Payments überprüfen lassen und, falls notwendig, auch hier regulatorisch entgegenwirken. Eine weitere Key Action in der EU Retail Payments Strategy sieht vor ein Gütezeichen inklusive Logo für eine europäische Zahlungslösung zu entwickeln.

Das Ziel und die technologische Grundlage

Das Ziel von EPI ist eine einheitliche Zahlungslösung für ganz Europa zu schaffen und im europäischen Kartengeschäft eine der treibenden Kräfte zu werden. Die Forderung nach einer gesamteuropäischen Zahlungslösung gibt es schon länger, denn aktuell wird der Markt von einigen internationalen Akteuren dominiert. Darüber hinaus herrscht in Europa eine fragmentierte Payments Landschaft vor, da z.B. eine Vielzahl von nationalen Bezahlverfahren existieren, welche nur in wenigen Ländern verfügbar sind. Ein europäischer Ansatz ist bis dato aber nicht vorhanden.

Zudem haben bei den Kreditkartenzahlungen die Schemes aus den USA, wie Visa und Mastercard, eine Vormachtstellung. Über beide zusammen werden mehr als zwei Drittel der europäischen Kartentransaktionen abgewickelt. In einigen europäischen Ländern basieren darüber hinaus die nationalen Kartenzahlsysteme auf der Technik der Schemes. Mit der europaweiten Zahlungslösung von EPI will man gegen diese etablierten Kartennetzwerke konkurrieren. Des Weiteren ist es in Europa immer noch nicht gewährleistet bei jedem Händler auf digitalem Wege zu bezahlen. Durch die aktuelle Covid-19 Situation, wurde die Notwendigkeit einer digitalen Zahlungslösung für ganz Europa noch einmal verstärkt.

Hierzu will EPI den Händlern und Verbrauchern eine innovative End-to-End Zahlungslösung zur Verfügung stellen. Dieses neue Standardzahlungsmittel soll als technologische Grundlage sowohl Instant Payments SEPA Instant Credit Transfer (SCTInst) als auch Karten nutzen.

Damit will EPI der neue Standard für europäische Verbraucher und Händler werden und beabsichtigt alle Zahlarten abzudecken. Als Einsatz sind neben Zahlungen im Einzelhandel (inklusive In-Store und Online Bezahlungen), POS-Terminals und Bargeldabhebungen auch „Peer-to-Peer“ (P2P) Zahlungen vorgesehen. Den Händlern und Verbrauchern in ganz Europa soll hierzu sowohl eine Zahlungskarte als auch eine digitale Geldbörse angeboten werden.

Erfolgsfaktoren für EPI

Wir haben die Punkte „Kreditkarten“, „Instant Payments“ und „Request to Pay“ im Zusammenhang mit EPI gestellt und analysiert, welchen Einfluss sie auf den Erfolg von EPI haben könnten.

In diesem Artikel gehen wir auf „Kreditkarten“ ein, die anderen beiden Themen werden im 2. Teil behandelt.

Kreditkarten

Ein wichtiger Bestandteil von EPI sind Kartenzahlungen und hier will man im speziellen den Schemes wie Mastercard und Visa Konkurrenz machen. Eine Kreditkarte aus Europa für Europa?

Es ist sicherlich gewagt, mit diesen etablierten internationalen Paymentgrößen in den Ring zu steigen. Doch wenn nicht jetzt, wann dann?

Verstärkt durch die aktuelle Covid-19 Krise werden Kartenzahlungen mehr und mehr genutzt und dieser Trend wird sich in den nächsten Jahren mit Sicherheit noch weiter verstärken.

Des Weiteren stellen Instant Payments einen der wichtigsten Bestandteile in der Zukunft dar. In den USA haben sich die beiden Schemes, mit den Produkten „Visa Direct“ und „Mastercard Send“ bereits stark auf dem Markt ausgebreitet. Die Auszahlung eines Uber Fahrers? Kann instantly am Abend auf sein Kreditkartenkonto erfolgen. Earned Wages? In Europa noch kaum verbreitet, ist es in den USA bereits gängige Praxis, dass sich Mitarbeiter den anteiligen Anspruch ihres Gehaltes bereits vor dem Monatsende on-demand auszahlen lassen. Versicherungen bieten ihren Kunden ebenfalls bereits die Möglichkeit im Schadensfall und nach erfolgreicher Überprüfung, eine Instant Auszahlung durchzuführen.

Es ist ersichtlich, dass wir in Europa hier noch am Anfang stehen und sich zudem noch weitere interessante Use Cases ableiten lassen werden.

Neben den technologischen Aspekt, nimmt auch der Faktor der Kreditkartengebühren einen immer wichtigeren Standpunkt ein:

  • Durch den Anstieg an digitalen Zahlungen, müssen immer mehr Händler ihren Kunden die Bezahlung per Kreditkarte anbieten. Es wird ihnen jetzt erst ersichtlich welche Gebühren die Schemes hier veranschlagen.
  • In den letzten Jahren sind die Kosten pro Transaktion stetig gestiegen. Es wurde zwar in 2015 die Interchange Fee Verordnung eingeführt, welche eine Teildeckelung der Gebühren für Kreditkarten und Debitkarten mit sich bringt. Die dadurch entstandenen Einsparungen hätten auch an die Kunden weitergegeben werden sollen. Doch durch neue Gebühren wie die „Scheme Fees“ wurde die Regulatorik umgangen. Letztendlich sind über die letzten Jahre die Kosten für eine Kreditkartenzahlung gestiegen.
  • Durch den Austritt der UK aus der EU ist den letzten Monaten auch die Diskussion aufgekommen, was in Zukunft eine Transaktion zwischen EU und UK kostet. Denn auch hier veranschlagen die Schemes nun zum Teil wesentlich höhere Gebühren.

Die oben aufgeführten Punkte, zeigen deutlich auf, dass es bei Kartenzahlungen eine Vielzahl an Gebühren gibt. Durch ein gezieltes Pricing, was den europäischen Händlern und Verbrauchern zu Gute kommt, kann EPI die neue Zahlungslösung geschickt auf dem Markt platzieren.

Als letzter Punkt ist der Wandel des Payment Service Providers Marktes zu erwähnen. Vor allem in Europa hat sich im letzten Jahr einiges verändert – ein großer Player ist komplett verschwunden. Dafür drängen zahlreiche aufstrebende Payment Service Provider, aus Europa aber auch aus den USA, in den Markt. Zudem erweitern etablierte Payment Service Provider stetig ihr Leistungsspektrum durch Übernahmen und Zukäufe.

EPI kann diesen Wandel nutzen um sich geschickt bei den PSP’s zu platzieren. Denn als neues Scheme ist es erfolgskritisch auf den Acquirer-Plattformen vorhanden zu sein und das Acceptance Netzwerk schnellstmöglich europaweit auszubauen. Denn der Erfolg von EPI hängt stark davon ab, wie viele Händler die neue Karte akzeptieren werden. Die Zusammenarbeit mit Worldline und Nets ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, jedoch wird es essentiell sein, Kooperationen mit weiteren PSP’s einzugehen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass aktuell im Kartengeschäft eine Menge an Bewegung vorhanden ist. Zum einen an der Technologie und den Use Cases, aber zum anderen auch auf der Pricing Seite sowie bei den Payment Service Providern. EPI könnte somit zum richtigen Zeitpunkt den Markt betreten und das Momentum zu seinem Gunsten nutzen.

In unserem zweiten Teil des EPI Blogs wird unter anderem ein Blick auf Request to Pay und Instant Payment geworfen.

Quellen
Blitz auf schwarz

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Veronika Kisková

hat Masterabschlüsse in Mathematik und in International Management und berät bei msg GillardonBSM als Senior Business Consultant Kreditinstitute in der Produktentwicklung im Thema Zahlungsverkehr.

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