Blogpost

Neuerungen in der Risikomanagementsuite THINC

Unser Hauptrelease für das Jahr 2022 ist fertig und es gibt wieder einige spannende Neuerungen in unserer Gesamtbanksteuerung.

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Wie jedes Jahr haben wir Ende November unser neues Hauptrelease für das Jahr 2022 fertiggestellt. Es gibt wieder einige spannende Neuerungen in unserer Gesamtbanksteuerung, über die wir Sie an dieser Stelle informieren möchten.

Zinsrisikomeldung für unsere Kunden in der Schweiz und in Österreich

Finanzinstitute in der Schweiz sind verpflichtet, regelmäßig eine Zinsrisikomeldung abzugeben. Die Schweizerische Nationalbank erhebt die Daten in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht. Hierfür gibt es ein feststehendes Template, das im Excel- oder XML-Format zu befüllen ist (abrufbar unter https://emi.snb.ch/de/emi/ZIRX).
Die Meldung umfasst Zahlungsströme und Nominalbeträge, Nettobarwertveränderungen und Resultate der Ertragsperspektive (Zinsergebnisse), Durchschnittliche Zinsneusetzungsfristen (Durationsergebnisse) und ggfs. weitere institutsindividuelle Zinsrisikoindikatoren.
All dies kann künftig über unsere neue Anwendung Zinsrisikomeldung auf Basis der Ergebnisse aus THINC erzeugt und für die Meldung an die Schweizerische Nationalbank im vorgegebenen XML- Format aufbereitet werden. Weitere Informationen finden Sie auch im vertiefenden Beitrag „Leasing mit THINC“.

Verbesserte Abbildung von Overnight-Produkten (SARON, OIS,…)

Die Ergebnisvorschaurechnung unterstützt die Planung von Produkten, deren Zinsfixing auf Basis von risk-free rates (RFR) erfolgt:

  • Die Zinsermittlung erfolgt backward-locking.
  • Die Höhe der zu leistenden Zinszahlungen sind erst am Ende der Berechnungsperiode bekannt.
  • Die Ermittlung des Zinssatzes erfolgt gemäß compounded RFR-Methoden auf aufgezinstem („compounded“) Durchschnittswert über eine bestimmte Anzahl an veröffentlichten RFR-Zinssätzen (Overnight Zinssätze).

Außerdem steht in sDIS+ durch die Lizenzierung einer neuen Leistungsstufenoption eine weitere Produktvariante, der Overnight Index Swap, zur Verfügung. Diese Produktvariante zeichnet sich dadurch aus, dass ein Festzinsleg gegen ein OIS-Leg getauscht wird. Dem Anwender steht es hierbei frei, das OIS-Leg als Payer- oder Receiver-Leg festzulegen.

Vertiefende Informationen zur verbesserten Abbildung von Overnight Produkten finden Sie hier.

Verbesserte Abbildung von Leasing-Produkten

Bereits im Mai-Release 2021 haben wir die erste Ausbaustufe von Leasingprodukten in der Planung veröffentlicht (siehe auch Blogbeitrag: Leasing mit THINC). Im Mittelpunkt stand dabei die Ermittlung und Kalkulation von Leasingneugeschäft.

In einer 2. Ausbaustufe haben wir nun folgende Aspekte ergänzt:

  • Die Ertrags- und Aufwandgrößen der kalkulierten Leasingneugeschäfte werden nun in der Gewinn- und Verlustermittlung (Report Erfolgsspannenrechnung) der Ergebnisvorschaurechnung berücksichtigt.
  • Die im Rahmen der Kalkulation der Leasingneugeschäfte ermittelten Rechnungsabgrenzungsposten für Mietsonderzahlung, Forderungsverkauf und Restwertverkauf können künftig in der Bilanz berücksichtigt werden.
  • Die Konfiguration der tilgenden Produktbausteine im Kundenneugeschäft wird um die Vorgabe eines prozentualen Restwertes ergänzt. Dieser kann alternativ zur Tilgung in % geplant werden. Insbesondere bei der Planung von Leasingneugeschäft ist es für Kunden üblicher den Restwert, statt der Tilgung zu planen. Dies wird mit dieser Erweiterung unterstützt.

LSI-Stresstest

Für den LSI-Stresstest haben wir eine Standard-Exportschnittstelle entwickelt, so dass die Daten für die periodische Zinsergebnissicht ausgelesen und mittels zusätzlichem Excel-Template direkt in das passende Format überführt werden. Sollte sich durch die finalen Bögen des Stresstests Anpassungsbedarf ergeben, erhalten Sie von uns aktualisierte Templates, wenn Sie sich für diese Leistungsstufe entscheiden.

Abbildung 1: Neuerungen THINC

Abbildung 1: Template LSI-Stresstest

NSFR-Vorschau und Liquiditätscockpit

Gemeinsam mit unseren Kollegen aus dem Meldewesen mit unserer Lösung BAIS und unter der gemeinsamen Plattform ORRP wurde in diesem Jahr die NSFR-Vorschau implementiert und bei den ersten Kunden live genommen. Zusätzlich erweitern wir die NSFR-Vorschau aktuell zu einem Liquiditätscockpit mit den weiteren Liquiditätssichten LCR und Liquiditätsablaufbilanz. Details hierzu finden Sie in unserem Flyer.

Nachhaltigkeit

Zum Thema Nachhaltigkeit haben wir in diesem Jahr einige Proof-of-Concepts und Dry-Runs durchgeführt. Unter anderem Simulation auf einen Zeitraum von 30 Jahren; Kreditrisikostresstests mit flexiblen ESG-Kriterien,… Es ist sehr erfreulich, dass die aktuell absehbaren Anforderungen bzgl. der Nachhaltigkeitsstresstests auch mit unserem aktuellen System gut abgedeckt werden können. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch u.a. in folgendem Blogbeitrag  „Messung von ESG-Risiken durch Szenarioanalysen“. Übergreifende Informationen zum Thema Nachhaltigkeit finden Sie auch in unserer Studie „Sustainable Banking“ – diese können Sie hier kostenlos herunterladen.

Risikovorsorge nach BFA 7

Mit unserer neuen Leistungsstufe BFA 7 können unsere Kunden die Risikovorsorgeberechnung für alle 3 neuen Verfahren nach BFA 7 einzelgeschäftsbasiert durchführen:

  • HGB Anrechnungsverfahren auf Basis exakter Bonitätsprämien
  • HGB vereinfachter Ansatz: 12-Monats-EL
  • HGB: Übernahme IFRS

Der Daten-In- und -Output erfolgt flexibel ohne zwingende THINC-Anbindung oder mit THINC-Anbindung. Der Ergebnisausweis erfolgt flexibel per Datenbankextrakt, revisionssicherer Web-GUI oder Business Intelligence Report, z.B. Power BI. Flexible Kalkulationsregeln ermöglichen eine teilportfolioweise Ansatzwahl. Für unterschiedliche Produkte (Festzins, Kontokorrent, Avale) stehen entsprechende Bonitätsprämienkalkulationsmethoden zur Verfügung. Die Eingangsparameter in die Berechnung sind szenariofähig für PD und LGD.

Adressrisiko

Avale

In der ökonomischen Sicht der Risikotragfähigkeit sind für die Finanzinstrumente des Instituts ein barwertiges Adress- und Migrationsrisiko zu ermitteln.
Bei Avalen steht die Gebührenzahlung und der mit Credit-Conversion-Faktor bewertet Avalbetrag im Adressrisiko. Bisher war die Avalabbildung nur im Ausfallmodus möglich. Mit Release 22.0 wird eine barwertige Risikoprämie gegen den Ausfall des Avalnehmers ermittelt und für den Modellwert in der Ausfallklasse die entsprechende Bewertung mit dem Credit Conversion Faktor durchgeführt, so dass Avale auch in der barwertigen Sicht verfügbar sind.

Erweiterte Szenariofähigkeit in LGD Sets

Um die Stress-Szenariofähigkeit der ökonomischen Adressrisikomessung noch flexibler zu gestalten, können ab Release 22.0 mehrere einzelgeschäftsbasierte LGD-Sets angeliefert und für die Risikobetrachtung gewählt werden. Die Wahl des LGD-Sets findet sich in der Portfolio-Konfiguration.

Zinsrisiko

Margenbereinigte Cashflows

Künftig kann die Marktpreisrisikosteuerung auch auf margenbereinigten Cashflows, die integriert in THINC ermittelt werden, durchgeführt werden.

Erweiterung „IRRBB-Zinsszenarien-Tool“

Wir haben das Excel-Tool für die IRRBB-Szenarien erweitert, das bei den THINC-Anwendern sehr beliebt ist. Das Tool unterstützt jetzt auch die sieben europäischen Währungen, die die EBA in ihren Leitlinien aufgenommen hat und die der Baseler Ausschuss ursprünglich nicht spezifiziert hatte. Zusätzlich unterstützt das Tool jetzt auch die Berechnung zusätzlicher anwenderspezifischer Zinsszenarien gemäß der EBA-Formel. Auch prozessual bietet das Tool eine Verbesserung: Der Import der berechneten Zinsszenarien nach sDIS+ wird nun direkt unterstützt.

Abbildung 2: Flexibler Produktbaustein in der Planung z.B. Roll-Over-Produkte mit anfänglicher Festzinsphase

Abbildung 2: Flexibler Produktbaustein in der Planung z.B. Roll-Over-Produkte mit anfänglicher Festzinsphase

Für Produkte des Kundengeschäfts, die nicht über die bestehenden Kalkulationsregeln der bisherigen Planung abgebildet werden können, stehen nun die konfigurierbaren flexiblen Produktbausteine zur Verfügung. Konfiguriert wird ein relativer Cashflow-Verlauf aus Tilgungen, Zinszahlungen (fest und floatend) und Gebühren, die in beliebigen Abständen erfolgen können. Dadurch ist es beispielsweise möglich, beliebige Tilgungswechsel, bereits fest vereinbarte Sondertilgungen oder Produkte, die am Anfang ihrer Laufzeit als Festzins und danach als Rollover-Geschäft behandelt werden, abzubilden.

Wenn Sie Fragen zu diesen Themen und Features haben, sprechen Sie uns gerne an.

Mehr erfahren

Weitere Informationen zu unserer Standardsoftwarelösung THINC finden Sie auf unserer Homepage.

Nina Tittes

ist als Lead Business Consultant seit vielen Jahren bei msg GillardonBSM im Produktmanagement, in der fachlichen Weiterentwicklung der Software und als Referentin tätig. Ihre Schwerpunktthemen sind die Planung und Ergebnisvorschaurechnung, sowie die Kalkulation von Neugeschäften und deren Berücksichtigung in den verschiedenen Fragestellungen der Banksteuerung.

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