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Payments Trendradar für Versicherungen 2021

Mit unserem Trendradar beobachten wir aktuelle Payments-Entwicklungen auf dem Versicherungsmarkt. Hieraus lässt sich ableiten, welche Trends zu neuen Standards werden könnten.

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Zwei Frauen mit Bogen

Aktuelle Entwicklungen im Zahlungsverkehr in der Versicherungsbranche

Was heute futuristisch erscheinen mag, kann morgen schon zu einem festen Bestandteil unserer Realität sein. Mit unserem Trendradar beobachten wir aktuelle Payments-Entwicklungen auf dem Versicherungsmarkt. Hieraus lässt sich ableiten, welche Trends zu neuen Standards werden könnten, dem New Normal also. Neben dem für uns zentralen Thema – aktuelle Entwicklungen im Zahlungsverkehr – gehen wir auf Trends in tangierenden Bereichen ein. Kern unserer Betrachtungen sind dabei die drei Megatrends Digitale Ökosysteme, Artificial Intelligence und Enabling Technologien sowie digitale Zahlungsmethoden in der Versicherungsbranche.

Payments für Versicherungen

Weitere Informationen zu Payment-Lösungen mit besonderem Fokus auf Versicherungen finden Sie auf unserer Homepage.

Digitale Ökosysteme

Die Überführung von Geschäftsmodellen in digitale Ökosysteme und Plattformen ist nicht neu und wird auch in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen. Die Corona-Pandemie beschleunigt und verstärkt diese Entwicklung weiter, da immer mehr Menschen ihre Aktivitäten und Tätigkeiten in digitale Umgebungen und Ökosysteme verlagern.

Kunden erwarten also zunehmend ein breites and aufeinander abgestimmtes Angebot inklusive reibungsloser digitaler Prozesse. Aus Perspektive der Anbieter rücken die digitalen Anforderungen der Kunden immer mehr in den Mittelpunkt aller Geschäftsüberlegungen.

Ein Paradebeispiel für eine Versicherung, die sich derartige Ökosysteme zu Nutze macht, findet sich in China mit dem Versicherungsriesen Ping An, dessen Portfolio sich in den vergangenen Jahren über das Nutzen von Plattformlösungen massiv erweitert hat.1 So bietet Ping An neben dem klassischen Versicherungskerngeschäft durch eine eigene Bank und einem eigenen Technologieunternehmen im Bereich der Künstlichen Intelligenz viele weitere Geschäfte, die Ping An auf Basis einer Plattform eine Diversifikation von Produkten ermöglichen.

Doch auch im deutschsprachigen Raum folgen immer mehr Versicherungen wie die Schweizer Baloise dem InsurTech-Trend, sich über digitale Plattformen und Ökosysteme besser aufzustellen.2 Auch die Allianz mit heymoney eine eigene Lösung.3 R+V hat zusammen mit dem Insurtech-Startup Friendsurance eine digitale Vertriebsplattform entwickelt.4

Auch in Zukunft ist durch das Aufbauen von Kooperationen mit weiteren Unternehmen der Finanzbranche wie Banken (Stichwort Bancassurance) ein weiterer Ausbau neuer Geschäftsfelder sowie neuer Möglichkeiten für die Versicherungsbranche zu erwarten.

Die korrekte Einschätzung von Risiken und somit das Vorhersagen von Ereignissen ist die Basis des Versicherungsgeschäfts. Die Harmonisierung und Nutzung großer Datenmengen mit intelligenten Analysen aus den Bereichen Data Analytics und AI bergen weiter ein ungemeines Potenzial für Versicherungen.

Während Open Banking bereits nicht mehr wegzudenken ist, steht Open Insurance noch in den Anfängen. Nicht nur im Banking, sondern auch im Versicherungskontext wird die neue Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 (Payment Services Directive 2) seit September 2019 eingesetzt. Diese ermöglicht die Nutzung der Bankdaten durch Drittanbieter über offene standardisierte Schnittstellen (kurz Open APIs) und soll den Wettbewerb ankurbeln und den Markt mit den neuen Ideen beleben.

Artificial Intelligence und Enabling Technologien

Der Megatrend von Verfahren der Artificial Intelligence (AI) und zugehöriger Enabling Technologien setzt sich aus einer Vielzahl von Komponenten zusammen. Im Folgenden wollen wir auf einige Beispiele für den Bereich der Versicherungsdienstleistungen eingehen.

Ähnlich eines Personalausweises oder anderer Identitätsdokumente wird mit einer digitalen Identität (Digital Identity) allgemein eine Kombination bestätigter Attribute beschrieben, mit der sich eine Person im digitalen Raum identifizieren kann. Zu den Attributen können der Name, eindeutige Identifikationsnummern, aber auch biometrische Daten gehören. Bereits heute gibt es in Spanien5 oder Finnland6 etablierte eID-Systeme. Auch in Indien ermöglicht eine eindeutige persönliche Identifikationsnummer7 eine digitale Identität. Zusätzlich zu nationalen Anstrengungen gibt es Initiativen wie ID4D8 der Weltbank oder ID20209 von Unternehmen wie Microsoft, alle mit dem Ziel digitale Identitäten voranzutreiben.

Eine zunehmende Verbreitung verlässlicher digitaler Identitäten vereinfacht den Abschluss von Dienstleistungen über digitale Kanäle. Durch die Möglichkeit auf Identifikationsverfahren wie Post-/ Video-Ident zu verzichten, werden Prozesse zudem kostengünstiger, was das Angebot weiter erhöhen kann und Auswirkungen auf bestehende Legitimationsprozesse der Versicherungen haben wird.

Automatisierte Entscheidungen oder Machine-driven Decisions sind in der Praxis der Versicherungswirtschaft längst angekommen. Ihre Verbreitung nimmt weiter zu, aber auch die einbezogenen Daten und die Tragweite der jeweiligen Entscheidung. Diese Verfahren gewinnen somit auch an Prominenz in der Öffentlichkeit, was die Anforderung von Nachvollziehbarkeit und Transparenz dieser Entscheidungen erhöht. Die Skepsis gegenüber derartigen Entscheidungen ist hoch und so muss neben einer zweifelsfreien technischen Umsetzung besonders in das Vertrauen investiert werden. Nicht nur der Kunde muss die Entscheidung akzeptieren, sondern auch der Versicherungsmitarbeiter muss sich auf die Richtigkeit der so getroffenen Entscheidung verlassen können.

Digitale Zahlungsverfahren

Wenn man den Komfort, die Schnelligkeit und die ständige Verfügbarkeit des Online Shoppings für sich entdeckt hat, möchte man diese nicht mehr missen. Für viele Kunden stellt sich daher die Frage, warum nicht alle anderen Tätigkeiten ebenfalls nur einen Klick entfernt sind und sich so reibungslos erledigen lassen. Diese Kundenerwartung dehnt sich auch auf die Versicherungsbranche aus. Dabei steht der Wunsch nach Einfachheit und Zufriedenheit naturgemäß im Vordergrund.

Im Online-Handel sind verschiedene Zahlungsverfahren längst etabliert. Nach einer Studie von ibi Resarch10 haben rund dreiviertel der Online Shopper ein bevorzugtes Zahlungsverfahren. 95 Prozent der Kunden bevorzugen PayPal, Rechnung, Kreditkarte oder Lastschrift. 72 Prozent haben ein Zahlungsverfahren, welches sie anderen vorziehen und 11 Prozent wollen sogar ausschließlich ihr Lieblingsverfahren nutzen.

Laut der Studie kann es zudem zum Kaufabbruch kommen, sofern diese Lieblingszahlungsmethoden nicht angeboten werden. Ganze 42 Prozent der Befragten würden in diesem Fall den Kaufprozess sogar abbrechen.

In der Versicherungsbranche dagegen gibt es beim Angebot unterschiedlicher Zahlungsverfahren einen großen Nachholbedarf. Nach einer von MSG-Gillardon durchgeführten Analyse von 15 deutschen Versicherungen bieten lediglich 20 Prozent die Möglichkeit einer Bezahlung via PayPal oder Kreditkarte an. Das Potenzial Kunden über das fehlende Angebot von Zahlungsverfahren zu verlieren ist also immens.

Versicherungen müssen auf die Kundenerwartung eingehen und ihr Zahlungsmethodenportfolio zusammen mit einem verbesserten Kundenservice, neuen Optionen der variablen Produktgestaltung sowie zusätzlichen Vertriebswegen (z.B. Vertragsabschluss über Mobile-App-Lösungen), erweitern.

Über Kryptowährungen wie Bitcoin und die deren zugrundeliegende Technologie der Blockchain ist das Konzept des Distributed Ledger bekannt geworden. Mit der Distributed Ledger Technology (DLT) wird vereinfacht eine in einem Netzwerk verteilte und kontinuierliche synchronisierte Transaktionsdatenbank bezeichnet. Umsetzungsspezifische Konsensverfahren sorgen dafür, dass neue Einträge in dieser Datenbank korrekt sind. Die Bitcoin Blockchain ist eine Version einer DLT.

Die Axa hat mit ihrem Produkt „Fizzy“ zwischen 2017 und 2019 eine Versicherung gegen Flugverspätungen angeboten. Der Kauf der Versicherung wurde in einem Distributed Ledger vermerkt und eine Anbindung an die globale Flugverkehrsdatenbank ermöglichte eine automatisierte Auszahlung im Fall von Verspätungen. Basis für die Umsetzung war die Ethereum Blockchain, die zugehörige Kryptowährung Ether und sogenannte Smart Contracts, also Software, die einen Vertrag abbilden und ausführen kann.11 Da die Versicherung keinen Anklang am Markt fand, wurde sie 2019 eingestellt.12

Ein weiterer Anwendungsfall für DLT findet sich im Bereich der Mikroversicherungen. In diesem Kontext finden sich Versicherungen, die einkommensschwache Haushalte in Entwicklungsländern gegen elementare Risiken absichern. So wurde 2018 durch den Versicherungskonzern Aon, die Hilfsorganisation Oxfam und das InsurTech-Start-up Etherisc in Sri Lanka eine Mikroversicherung gegen Ernteausfälle von Kleinbauern gestartet.13 Neben einer DLT ist die automatisierte Auszahlung von Versicherungsprämien ein Bestandteil der vielversprechenden Lösung. Die ersten Prämien wurden Ende 2019 ausgezahlt.14

Abschließend sei noch der allgemeine Trend, Instant Payments genannt. Darunter werden Sofortzahlungsdienste verstanden, die eine Zahlung praktisch in Echtzeit ermöglichen. In Europa besteht die Möglichkeit eines Instant Payments über den SEPA Instant Credit Transfer (SCT Inst) bereits seit 2017.

In der Versicherungsbranche lässt das Wunschszenario „Compensation in a day“ im Schadensfall jedoch auf sich warten. Die Erhöhung des Sofortzahlungsbetrags auf 100.000 € ab 1. Juli 2020 sollte zumindest zu einer Flexibilisierung der Produktgestaltung beitragen.

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Versicherungsbranche durch eine Vielzahl von technischen und plattformökonomischen Trends beeinflusst wird. Unser Trendradar bietet eine gute Übersicht, ordnet Markttrends und ihre potenzielle Entwicklung ein und zeigt, welche Themen weiter an Relevanz gewinnen und besonders beobachtet werden sollten. Dazu prüft unser Team kontinuierlich aktuelle Entwicklungen sowie Technologien und ordnet diese in unserem Trendradar ein.

Payments Trendradar für Versicherungen 2021

Abbildung: Payments Trendradar für Versicherungen 2021

Quellen

Jelisaweta Rödder

ist als Business Consultant im Payments-Team von msg GillardonBSM tätig und berät Zahlungsverkehrsdienstleiter im Bereich Anforderungsmanagement und Prozessoptimierung.

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