Das Identity & Access Management (IAM) ist ein zentraler Baustein für Sicherheit und Compliance. Entsprechende IAM-Software ist aus der IT-Landschaft von Banken nicht mehr wegzudenken. Eine Eigenentwicklung verspricht hierbei maximale Flexibilität und strategische Vorteile. Die Kosten für Entwicklung, Betrieb und Wartung im Vergleich zu einer etablierten Marktlösung werden allerdings oft unterschätzt. Doch wann genau lohnt sich ein eigenes System und wann ist ein Standardprodukt die bessere Wahl?
Warum überhaupt eine eigene Lösung entwickeln?
IAM gehört heute zu den wesentlichen Bestandteilen einer modernen IT-Landschaft. Unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße ist die korrekte, automatisierte Verteilung und Überwachung von Zugriffsrechten entscheidend geworden, um die immer höheren rechtlichen Anforderungen an Sicherheit und Compliance einzuhalten.
Der Markt liefert hierfür bereits eine Vielzahl etablierter IAM-Lösungen. Dennoch überlegen viele Unternehmen, insbesondere bei der erstmaligen Einführung einer IAM-Software, ob eine Eigenentwicklung sinnvoll sein könnte. Die Gründe hierfür sind vielfältig:
- Schwierigkeiten bei der Abbildung individueller Geschäftsprozesse
- historisch gewachsene Systemlandschaften mit besonderen Integrationsanforderungen
- spezielle regulatorische Vorgaben
- Wunsch nach mehr Flexibilität bei der Gestaltung von Identitäts- und Berechtigungsprozessen
Doch angesichts der wachsenden Komplexität von IAM-Software sowie der regelmäßigen Verschärfung rechtlicher Vorgaben wird die Entwicklung einer eigenen Lösung zu einer immer größeren Herausforderung.
Mehrwert und Risiken einer Eigenentwicklung
In hochspezialisierten Umgebungen kann die Eigenentwicklung einer IAM-Software einen klaren Wettbewerbsvorteil schaffen. Das gilt insbesondere für digitale Plattformen, SaaS-Anbieter oder Unternehmen mit sehr individuellen Berechtigungsmodellen. Eine maßgeschneiderte Lösung ermöglicht die passgenaue Abbildung von Geschäftsprozessen und kann Wettbewerbsvorteile schaffen. Standardlösungen stoßen hier teilweise an ihre Grenzen oder erfordern einen hohen Anpassungsaufwand.
Gleichzeitig stellt die Entscheidung für eine Eigenentwicklung eine langfristige Verpflichtung dar. Denn der Aufbau einer IAM-Software umfasst mehr als nur den initialen Entwicklungsaufwand. Die stetig wachsenden regulatorischen Anforderungen sowie die fortlaufende Weiterentwicklung wichtiger, zugehöriger Technologien (OAuth 2.0, OpenID Connect) oder Funktionen (SSO, MFA, Passwordless Authentication) erfordert eine regelmäßige Anpassung der IAM-Software.
Auch Sicherheit und Stabilität spielen eine zentrale Rolle. Fehler im Identitäts- und Berechtigungsmanagement können unmittelbare Auswirkungen auf Datenschutz, Compliance und die gesamte Unternehmenssicherheit haben. Unternehmen müssen daher nicht nur die Entwicklung finanzieren, sondern auch den langfristigen Betrieb, regelmäßige Sicherheitsupdates, Audits sowie die Anpassung an neue gesetzliche und technische Anforderungen.
Insbesondere die langfristigen Kosten werden häufig unterschätzt. Eine zunächst passgenaue Lösung kann über Jahre hinweg erhebliche Ressourcen binden. Deshalb sollte eine Eigenentwicklung nur dann in Betracht gezogen werden, wenn ein klarer geschäftlicher Mehrwert besteht und die notwendigen personellen sowie finanziellen Ressourcen dauerhaft verfügbar sind.
Vorteile einer Standardlösung für IAM-Software
Für die Mehrheit der Unternehmen ist eine etablierte IAM-Lösung vom Markt die wirtschaftlichere und risikoärmere Option. Moderne IAM-Plattformen bieten bereits einen breiten Funktionsumfang, darunter Benutzer- und Rollenmanagement, SSO, MFA, Provisionierung, Rezertifizierungen und Compliance-Funktionen. Gleichzeitig profitieren Unternehmen von regelmäßigen Updates, Hersteller-Support und einer kontinuierlichen Anpassung an neue Sicherheitsstandards.
Ein weiterer Vorteil liegt in der schnelleren Implementierung. Statt grundlegende Funktionen selbst zu entwickeln, können Unternehmen bewährte Prozesse übernehmen und ihre Ressourcen auf die eigentlichen Geschäftsanforderungen konzentrieren. Dadurch sinken sowohl das Projektrisiko als auch die Gesamtbetriebskosten über den Lebenszyklus der Lösung hinweg.
Build-or-buy-Checkliste für IAM-Systeme
Zusammengefasst lässt sich die Entscheidung für oder gegen eine Eigenentwicklung anhand folgender Kriterien abschätzen:
- Strategische Bedeutung des IAM: Ist IAM lediglich eine unterstützende Funktion oder Teil des Kerngeschäfts?
- Grad der Individualisierung: Lassen sich die Anforderungen mit einer Standardlösung und deren Erweiterungsmöglichkeiten abbilden?
- Verfügbare Kompetenzen: Stehen langfristig ausreichend Entwicklungs-, Security- und Betriebsressourcen zur Verfügung?
- Total Cost of Ownership (TCO): Welche Kosten entstehen nicht nur bei der Entwicklung, sondern auch über den gesamten Lebenszyklus?
- Sicherheits- und Compliance-Anforderungen: Wer trägt die Verantwortung für Updates, Audits und regulatorische Änderungen?
- Time-to-Market: Wie schnell muss die Lösung produktiv verfügbar sein?
Fazit
In den meisten Fällen überwiegen die Vorteile einer professionellen Marktlösung. Eine Eigenentwicklung lohnt sich vor allem dort, wo außergewöhnliche Anforderungen bestehen oder die Identitätsverwaltung selbst einen geschäftskritischen Bestandteil des Unternehmens darstellt. Für alle anderen Szenarien bietet Standardsoftware in der Regel die bessere Kombination aus Funktionalität, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Zukunftsfähigkeit.



