OCT Inst erklärt (Teil 1 von 4): Was das Scheme für Finanzinstitute bedeutet
Zusammenfassung
Das One-Leg Out Instant Credit Transfer Scheme (OCT Inst) ist eine europäische Initiative für grenzüberschreitende Echtzeitüberweisungen. Dabei wird mindestens ein Teil der Zahlung in Euro abgewickelt und über die Infrastruktur des SCT Inst verarbeitet. Das Scheme ist seit November 2023 live. Zahlungsdienstleister (PSPs) im SEPA-Raum, die Überweisungen anbieten, können freiwillig teilnehmen. Bisher haben vor allem spanische PSPs die Einführung vorangetrieben; seit November 2024 ist die gesamte spanische Bankenlandschaft über Iberpay an OCT Inst angebunden.
OCT Inst erklärt – Blogreihe
Dieser Beitrag ist Teil 1 einer vierteiligen Serie zu OCT Inst. Die weiteren Teile behandeln die technische Funktionsweise des Schemes (Teil 2), konkrete Umsetzungsschritte für Banken und PSPs (Teil 3) sowie eine Bewertung von Nutzen und Grenzen des Schemes (Teil 4). Die weiteren Teile erscheinen in Kürze auf Banking.Vision.
Warum das Scheme wichtig ist
Geschwindigkeit ist im Zahlungsverkehr heute keine Besonderheit mehr, sondern eine grundlegende Erwartung. Mit der Einführung des SEPA Instant Credit Transfer Scheme (SCT Inst) im Jahr 2017 wurde dafür im Euroraum ein neuer Standard gesetzt: Der Anteil von SCT-Inst-Zahlungen am gesamten Volumen der SEPA Credit Transfers (SCT) ist seit dem Start in allen Ländern der Eurozone kontinuierlich gestiegen (siehe Abbildung 1) (Europäische Zentralbank [EZB], o. J.). Das zeigt, dass Zahlungsdienstleister, Unternehmen und Privatkunden Echtzeitüberweisungen zunehmend nutzen.
Grenzüberschreitende Zahlungen haben mit dieser Entwicklung bislang nicht vollständig Schritt gehalten. Der folgende Abschnitt betrachtet, wie nah die Branche inzwischen daran ist, bei internationalen Zahlungen ein vergleichbares Nutzererlebnis wie im Inland zu bieten.
Grenzüberschreitende Zahlungen heute
Bis in die frühen 2010er-Jahre hinein waren grenzüberschreitende Zahlungen in der Regel langsamer, teurer und deutlich weniger transparent als Inlandszahlungen. Die Abwicklung basierte häufig auf komplexen Korrespondenzbank-Netzwerken, bei denen mehrere Intermediäre beteiligt waren und die endgültige Abwicklung mehrere Bankarbeitstage dauern konnte (Bank for International Settlements [BIS], 2019). Heute kaufen Verbraucher regelmäßig Waren und Dienstleistungen bei Händlern rund um den Globus, Freiberufler arbeiten für internationale Kunden, und Unternehmen jeder Größe sind Teil globaler Lieferketten.
Vor diesem Hintergrund verabschiedeten die G20-Staaten im Jahr 2020 die „Cross-Border Payments Roadmap“. Ziel dieser Initiative ist es, die hohen Kosten zu senken, die Abwicklungsgeschwindigkeit zu erhöhen, den Zugang zu verbessern und die Transparenz im internationalen Zahlungsverkehr zu steigern (Financial Stability Board, 2025). Die Roadmap dient weiterhin als Leitlinie für Zentralbanken, Regulierungsbehörden und die Privatwirtschaft, um globale Zahlungsinfrastrukturen zu modernisieren; Europa ist Teil dieser Entwicklung.
Im Jahr 2026 sind internationale Zahlungen insgesamt einfacher zugänglich, schneller und kostengünstiger als noch vor zehn Jahren. Grenzüberschreitende Echtzeitzahlungen haben sich jedoch noch nicht flächendeckend etabliert (Garratt et al., 2024). Viele Nichtbanken-Zahlungsdienstleister bieten Produkte an, die als „sofortige“ internationale Zahlungen vermarktet werden; im Hintergrund können die Transaktionen jedoch weiterhin mit hohen Kosten, begrenzter Transparenz und längeren Bearbeitungszeiten verbunden sein – insbesondere dann, wenn neben der Bank des Zahlers und der Bank des Empfängers weitere Akteure in die Zahlungskette eingebunden sind.
Europas „One-Leg-Out“-Ansatz
Der Begriff „One-Leg Out“ bezeichnet eine Transaktion, bei der mindestens ein Teil der Zahlung in Euro abgewickelt wird. Das One-Leg Out Instant Credit Transfer Scheme (OCT Inst) ist eine Initiative des European Payments Council (EPC) und steht im Einklang mit der G20-Strategie zur Verbesserung grenzüberschreitender Zahlungen. Ziel des Schemes ist es, die bestehende SCT-Inst-Infrastruktur zu nutzen, um den europäischen Teil grenzüberschreitender Transaktionen in Echtzeit abzuwickeln (Europäischer Zahlungsverkehrsrat [EPC], o. J.).
Mit anderen Worten: Wenn eine internationale Zahlung einen Euro-Anteil enthält, soll dieser Teil der Transaktion genauso schnell verarbeitet werden können wie eine SEPA-Echtzeitüberweisung. Dadurch will OCT Inst die Geschwindigkeit und Effizienz grenzüberschreitender Zahlungen erhöhen und gleichzeitig auf bereits bestehende europäische Zahlungsinfrastrukturen aufbauen.
Hinweis: Der PSP des Zahlers und der Euro-Exit-PSP können identisch sein. Der genaue Zahlungsweg hängt von den Korrespondenzbankbeziehungen zwischen den beteiligten Zahlungsdienstleistern ab.
Teilnahme am Scheme
Alle Zahlungsdienstleister (PSPs), die innerhalb des geografischen SEPA-Raums zugelassen sind – und damit nicht nur im Euroraum – sowie Überweisungsdienste anbieten dürfen, können am OCT-Inst-Scheme teilnehmen. Dazu gehören Banken, bestimmte E-Geld-Institute (EMIs) und Zahlungsinstitute (PIs).
Ein Teilnehmer muss mindestens als PSP des Zahlungsempfängers auftreten und sich verpflichten, OCT-Inst-Zahlungen entgegenzunehmen. Nutzt ein Teilnehmer externe Dienstleister zur Unterstützung seiner OCT-Inst-Services, müssen auch diese die Anforderungen des Scheme Rulebooks erfüllen.
Das Scheme ist seit November 2023 live. Die Teilnahme ist freiwillig und bislang noch überschaubar. Zum Stand September 2026 zählt OCT Inst 98 Teilnehmer: 92 aus Spanien, drei aus Andorra sowie jeweils einen aus Luxemburg und dem Vereinigten Königreich. Zypern soll im November 2026 dazukommen (European Payments Council [EPC], 2026).
Spanien hat sich bislang als klarer Vorreiter bei der Einführung des Schemes etabliert. Seit November 2024 ist die gesamte spanische Bankenlandschaft über die gemeinsame Infrastruktur von Iberpay an OCT Inst angeschlossen (Euro Banking Association [EBA], 2025).
EBA Clearing berichtet, dass sich zehn international tätige Banken, darunter auch europäische Institute, verpflichtet haben, die Standards des Schemes bis 2027 einzuführen (EBA Clearing, 2024; EBA Clearing, 2025). Diese Institute bilden eine sogenannte „Frontrunner Group“. Ziel der Gruppe ist es, einen praxisnahen Fahrplan für die Einführung von OCT Inst zu entwickeln und andere Marktteilnehmer bei der Umsetzung zu unterstützen. Die Gruppe steht weiterhin weiteren interessierten Teilnehmern offen.
Zentrale Vorteile
Schnellere internationale Zahlungen
OCT Inst beschleunigt internationale Zahlungen. Voraussetzung ist, dass mindestens ein Teil der Transaktion in Euro abgewickelt wird – entweder auf der Sender- oder auf der Empfängerseite.
Dadurch kann OCT Inst auch dann genutzt werden, wenn beide Konten in Euro geführt werden, beispielsweise bei einer Überweisung von einem französischen Euro-Konto auf ein Euro-Konto in den USA. Wie schnell der nicht-europäische beziehungsweise nicht-SEPA-Teil der Zahlung verarbeitet wird, hängt jedoch weiterhin von der jeweiligen lokalen Zahlungsinfrastruktur ab. Deshalb ist die gesamte Transaktion nicht zwangsläufig durchgehend in Echtzeit.
Höhere Kostentransparenz
OCT Inst wurde entwickelt, um sowohl Zahlern als auch Empfängern einen besseren Überblick über die anfallenden Kosten zu geben. Das betrifft nicht nur den Euro-Anteil der Transaktion, sondern auch Gebühren und Kosten, die außerhalb des europäischen Zahlungswegs entstehen können.
Bessere Nachverfolgbarkeit
Ein weiterer Vorteil des Schemes ist die verbesserte Transparenz über den Status einer Zahlung. Dies wird unter anderem durch die optionale Nutzung der Unique End-to-End Transaction Reference (UETR) unterstützt. Dadurch lässt sich eine Zahlung über den gesamten Prozess hinweg eindeutiger verfolgen und nachvollziehen.
Standardisierte Behandlung von Ausnahmen und Anfragen
OCT Inst hebt sich von vielen anderen Zahlungsverfahren durch eine einheitliche und weitgehend automatisierte Behandlung von Ausnahmen ab. Darüber hinaus standardisiert das Scheme die Bearbeitung von Zahlungsanfragen, Nachforschungen und Untersuchungen rund um eine Transaktion, zumindest für den europäischen Teil des Zahlungswegs.
Fazit
OCT Inst ist ein praxisnaher Schritt hin zu schnelleren, transparenteren und stärker standardisierten grenzüberschreitenden Zahlungen. Durch die Nutzung der bestehenden SCT-Inst-Infrastruktur für den Euro-Anteil einer Transaktion schlägt das Scheme eine Brücke zwischen Europas Echtzeitzahlungsverkehr und internationalen Zahlungsströmen.
Auch wenn sich die Einführung noch in einer frühen Phase befindet, zeigen die vollständige Marktabdeckung in Spanien sowie das Engagement von zehn international tätigen Banken, dass Interesse und Dynamik rund um OCT Inst zunehmen. Für Finanzinstitute und Zahlungsdienstleister ist OCT Inst daher eine Entwicklung, die sie aufmerksam verfolgen und strategisch bewerten sollten.
Bewertung von OCT Inst für Ihr Institut
Quellen
- 1. European Payments Council (EPC). (o. J.). One-Leg Out Instant Credit Transfer.
- 2. European Payments Council (EPC). (2026). Register of Participants – OCT Inst (aktualisiert am 11. September 2026).
- 3. Europäische Zentralbank (EZB). (o. J.).
- 4. Bank for International Settlements (BIS). (2019).
- 5. Financial Stability Board. (2025).
- 6. Garratt, R. et al. (2024).
- 7. Euro Banking Association (EBA). (2025).
- 8. EBA Clearing. (2024, 2025).














