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Privates Kapital wird digital: Strategische Abwägungen zwischen Stablecoins und tokenisierten Einlagen

Digitales Geld kommt und Banken stehen vor der Entscheidung, auf welche Technologie sie setzen: Stablecoins oder tokenisierte Einlagen. Denn trotz vieler Gemeinsamkeiten sind es dennoch zwei grundverschiedene Instrumente.
15.09.26
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Banking der Zukunft, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz
Privates Kapital wird digital: Strategische Abwägungen zwischen Stablecoins und tokenisierten Einlagen
Inhalt

Einführung

Geschäftsbankengeld (auch Buchgeld oder Giralgeld) wird zunehmend digitalisiert, und Banken stehen vor der entscheidenden Frage, auf welche Variante sie setzen möchten. Sowohl Stablecoins als auch tokenisierte Einlagen versprechen eine programmierbare, rund um die Uhr verfügbare Abwicklung, und beide entwickeln sich schneller von der Pilotphase zur Produktionsreife, als es die internen Roadmaps der meisten Institute vorsahen.

Der Unterschied zwischen beiden neuen Geldformen ist eklatant: Während Stablecoins außerhalb des regulierten Einlagengeschäfts zwischen Bank und Kunde stehen, bleiben tokenisierte Einlagen stets Teil dieses Geschäfts.

Die Differenzierung bestimmt alles andere: wer sie emittieren darf, was den Token absichert, ob er mit der eigenen Bilanz der Bank konkurriert oder diese erweitert, und für welche Anwendungsfälle die jeweilige Variante geeignet ist.

Insbesondere für Banken und Zahlungsverkehrsteams im deutschsprachigen Raum ist dies keine abstrakte Debatte. Mit MiCAR, der Verordnung über Märkte für Kryptowerte, sind bereits die regulatorischen Rahmenbedingungen für Stablecoins in Europa festgelegt, während deutsche, österreichische und schweizerische Institute gleichzeitig durch Initiativen wie den Giralgeldtoken (Commercial Bank Money Token, CBMT) und Project Helvetia eine Infrastruktur für tokenisierte Einlagen aufbauen.

Die Frage, die dieser Artikel beantworten will, ist nicht, welche der beiden Technologien sich durchsetzt, sondern welches Instrument sich für welchen Anwendungsfall eignet – angefangen bei demjenigen, das bislang die größte Aufmerksamkeit der Regulierungsbehörden auf sich gezogen hat: dem Stablecoin.

Was ist ein Stablecoin? Eine regulatorische Perspektive

Gemäß der europäischen Verordnung über Märkte für Kryptowerte (MiCAR) lassen sich Stablecoins in zwei Kategorien einteilen:

  • E-Geld-Token (EMTs), deren Wert an eine einzige offizielle Währung gekoppelt ist, und
  • wertreferenzierte Token (ARTs), die sich statt auf eine einzelne Währung auf einen anderen Wert oder ein Recht oder eine Kombination daraus beziehen.

Nur E-Geld-Institute und Kreditinstitute dürfen EMTs ausgeben – eine Beschränkung, die darauf abzielt, die Ausgabe auf regulierte und beaufsichtigte Einrichtungen zu limitieren. Wenn von „Stablecoins“ die Rede ist, sind in der Regel EMTs gemeint.

Bilanzielle und rechtliche Stellung

Das charakteristische Merkmal eines Stablecoins und das, was ihn am deutlichsten von einer tokenisierten Einlage unterscheidet, ist seine rechtliche Einordnung: Er stellt eine Forderung gegenüber dem Emittenten dar, keine Bankeinlage. Inhaber genießen keinen Schutz durch  Einlagensicherungssysteme. Dafür unterliegen Emittenten Reserve- und Liquiditätsanforderungen, die sich erheblich von denen für traditionelle Einlagen unterscheiden.

MiCAR verstärkt diese Trennung zusätzlich, indem es Zinszahlungen auf Stablecoins verbietet – gerade um zu verhindern, dass diese zu einem Ersatz für Einlagen werden.

Wo sich Stablecoins als nützlich erweisen

Zu den typischen Anwendungsfällen für Stablecoins zählen

  • grenzüberschreitende Zahlungen,
  • krypto-nativer Handel und Abwicklung,
  • programmierbare Zahlungen, die unabhängig von traditionellen Bankensystemen funktionieren, sowie
  • die Interoperabilität mit dezentralem Finanzwesen (DeFi) und institutioneller DLT-Infrastruktur.

Grenzüberschreitende Überweisungen werden häufig als stärkstes Argument für die Einführung von Stablecoins angeführt, da traditionelle Kanäle insbesondere für Schwellen- und Entwicklungsländer nach wie vor teuer und langsam sind. Von dem jährlichen Transaktionsvolumen von Stablecoins auf der Blockchain in Höhe von rund 35 Billionen US-Dollar entfallen jedoch nur etwa 390 Milliarden US-Dollar, also 0,02 % des globalen Zahlungsvolumens, auf tatsächliche Zahlungsnutzung, wobei Business-to-Business-Transaktionen mit 226 Milliarden US-Dollar den größten Anteil ausmachen, was etwa 58 %1 dieses Zahlungsvolumens entspricht.

Tatsächlich verkomplizieren aktuelle empirische Erkenntnisse dieses Bild erheblich. Eine sogenannte Mystery-Shopping-Untersuchung der Banca d’Italia2, bei der Echtzeitüberweisungen von 200 USDC – dem zweitgrößten von Circle ausgegebenen Stablecoin – über zehn Korridore zwischen Italien und Argentinien, Brasilien, Südafrika, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Japan getestet wurden, ergab keinen systematischen Kostenvorteil gegenüber herkömmlichen Überweisungskanälen. Die Gesamtkosten reichten, abhängig vom jeweiligen Korridor, von nur 0,30 % bis zu fast 9 % des überwiesenen Betrags.

Entscheidend war, dass die On-Chain-Überweisung selbst durchweg der günstigste und schnellste Bestandteil des Prozesses war: Sie machte im Durchschnitt nur 0,4 % des Transaktionswerts aus und wurde in den meisten Fällen in weniger als fünfzehn Minuten abgewickelt. Die tatsächlichen Kosten und Verzögerungen entstanden an anderer Stelle: bei der Umwandlung von Fiat-Währung in Stablecoins auf der Senderseite und von Stablecoins zurück in Fiat-Währung auf der Empfängerseite – ein Muster, das in der Fachliteratur als „Stablecoin-Sandwich“ bezeichnet wird.

Die Ausführungsgeschwindigkeit folgte derselben Logik. Verfügte das Zielland über ein gut funktionierendes Echtzeichzahlungssystem wie Brasiliens PIX oder Europas TIPS, wurde die gesamte Überweisung in weniger als zwanzig Minuten abgewickelt. War der Empfänger hingegen auf Standard-Banküberweisungen angewiesen, wie beispielsweise in Südafrika, zog sich die Abwicklung auf ein bis zwei Werktage hin – was dem Zeitrahmen herkömmlicher Überweisungen entsprach und jeglichen Geschwindigkeitsvorteil zunichte machte, den die Blockchain-Ebene möglicherweise geboten hätte.

Die klare Implikation lautet: Die Effizienz von Stablecoins selbst mag hoch sein, wird beim On- und Off-Ramping auf die Blockchain aber durch die Qualität der umgebenden inländischen Zahlungsinfrastruktur begrenzt.

Strategische Optionen für Banken

Vor diesem Hintergrund stehen Banken vor einer echten Bandbreite an Handlungsmöglichkeiten und nicht vor einer binären Entscheidung. Sie können eigenständig Stablecoins emittieren und dabei die vollen Reserve- und Compliance-Anforderungen gemäß MiCAR übernehmen; sich als Zahlungsinfrastruktur oder Wallet-Anbieter integrieren, ohne selbst etwas zu emittieren; oder sich bewusst zurückziehen und ihre Ressourcen anderweitig einsetzen.

Zunehmend entscheiden sich Banken auch für einen vierten Weg: die Bündelung von Ressourcen in einem Konsortium, anstatt alles alleine zu bewältigen. Das beste Beispiel dafür ist Qivalis: Das in Amsterdam ansässiges Joint Venture wurde im September 2025 von neun europäischen Banken gegründet, darunter Danske Bank, ING, KBC und Raiffeisen Bank International. Es wird mittlerweile von 37 Instituten (Stand: September 2026) unterstützt, darunter ABN AMRO, Rabobank, Nordea, BBVA, Banca Sella, BNP Paribas, CaixaBank, DekaBank, DZ Bank, SEB und UniCredit. Derzeit beantragt es bei der niederländischen Zentralbank eine Lizenz als E-Geld-Institut, um in der zweiten Jahreshälfte 2026 einen MiCAR-konformen Euro-Stablecoin auf den Markt zu bringen3.

Für die einzelnen Banken bewirkt dieser Ansatz eine Streuung sowohl des Kapitalengagements als auch des aufsichtsrechtlichen Risikos, während die kritische Masse gebündelt wird, die erforderlich ist, um ein glaubwürdiges europäisches Gegengewicht zu auf US-Dollar lautenden Stablecoins wie USDC oder USDT zu bilden.

Welche dieser Optionen die richtige ist, hängt von einer Handvoll konkreter Kriterien ab: dem Zielkundenstamm, dem Zeitdruck bis zur Markteinführung, dem Umfang der erforderlichen Investitionen in Regulierung und Compliance sowie der Frage, wie viel Kapital das Institut bereit ist, für Reservebestände bereitzustellen – sei es allein oder als Teil eines Konsortiums.

Was ist eine tokenisierte Einlage? Eine bilanzielle Betrachtung

Wenn ein Stablecoin eine Forderung gegenüber seinem Emittenten ist, die außerhalb des Einlagengeschäfts zwischen Bank und Kunde steht, ist eine tokenisierte Einlage das Spiegelbild davon: Sie verlässt diese Beziehung überhaupt nicht. Es handelt sich nicht um ein neues Finanzinstrument, das mit der Einlage konkurriert, sondern um die Einlage selbst, die eine digitale, programmierbare Form angenommen hat.

Eine tokenisierte Einlage ist eine Einlage bei einer Geschäftsbank, die als übertragbarer Token auf einer Blockchain- oder DLT-Plattform dargestellt wird. Jeder Token stellt eine direkte, bilanzwirksame Forderung gegenüber einer Bank dar, nicht gegenüber einem separaten Reservepool. Eine Bank prägt einen Token gegen eine Einlage, die ein Kunde bereits hält, und sperrt dabei seinen zugrunde liegenden Kontostand. Bei Einlösung wird der Token vernichtet und der entsprechende Betrag dem Konto gutgeschrieben, wobei das Hauptbuch der Bank und der Eintrag auf der Blockchain durchgehend abgeglichen werden.

Die Konsequenz ergibt sich direkt aus der Funktionsweise: Das Geld verlässt niemals die Bücher der ausstellenden Bank. Es bleibt eine Verbindlichkeit eines regulierten, beaufsichtigten Instituts, die in der Regel denselben Einlagensicherungs- und Regulierungsschutz genießt wie ein normales Konto, und – was für die Bank entscheidend ist – die Mittel stehen weiterhin für die Kreditvergabe zur Verfügung.

Das ist das strukturelle Gegenstück zum oben beschriebenen Stablecoin-Szenario: Während MiCAR E-Geld-Token bewusst von der Einlagentätigkeit trennt und ihnen die Verzinsung untersagt, um genau diese Substitution zu verhindern, bestand bei einer tokenisierten Einlage nie die Gefahr, zu einem Einlagenersatz zu werden – denn sie ist bereits eine Einlage. Der JPM Coin (JPMD) von JPMorgan, der im November 2025 im Base-Netzwerk von Coinbase institutionell eingeführt wurde, bleibt das weltweit anschaulichste Beispiel für dieses Konzept in der Praxis.

Wo der Markt steht und inwieweit sich dies im deutschsprachigen Raum (DACH) abspielt

Die weltweite Verbreitung steckt noch in den Kinderschuhen. Stand Mitte 2026 verfügen nur rund 3,4 % der 290 größten globalen Banken über einsatzbereite Funktionen für tokenisierte Einlagen, wobei erwartet wird, dass diese Zahl bis Mitte 2027 auf etwa 21 % ansteigen wird.4 Dennoch gibt es Marktführer, die sehr viel weiter sind: Die Kinexys-Plattform von JPMorgan wickelt bereits täglich mehr als 5 Milliarden US-Dollar im bankinternen Verkehr ab, und Citi Token Services sowie das wachsende Angebot der HSBC an tokenisierten Einlagen zeigen eine ähnliche Dynamik. In den USA strebt „The Clearing House“, das von JPMorgan, der Bank of America, Citi und Wells Fargo unterstützt wird, die Einrichtung eines gemeinsamen Netzwerks für das erste Halbjahr 2027 an, während ein separates Konsortium aus fünf Regionalbanken ein eigenes Pilotprojekt durchführt, das für das dritte Quartal 2026 geplant ist.

Am 9. Juli 2026 gab Swift bekannt, dass sein blockchainbasiertes gemeinsames Hauptbuch in Betrieb ist und 17 Banken auf sechs Kontinenten, darunter UBS, HSBC, Citi, BNP Paribas, DBS und Standard Chartered, mit echten Pilottransaktionen beginnen. Swift gibt selbst keine tokenisierten Einlagen aus; das Unternehmen hat aber eine gemeinsame Koordinierungsebene geschaffen, die es Banken ermöglicht, ihre eigenen tokenisierten Einlagen rund um die Uhr grenzüberschreitend zu bewegen, während die endgültige Abwicklung weiterhin über bestehende Korrespondenzbankkanäle erfolgt.5,6 Da die Lösung auf einer Nachrichteninfrastruktur aufbaut, die bereits von mehr als 11.500 Instituten genutzt wird, können Banken deutlich leichter andocken als bei einem rein US- oder UK-geprägten Konsortium, und dass die UBS zu den Pilotbanken zählt, macht das Projekt für Schweizer Institute unmittelbar relevant.

Für deutsche, österreichische und schweizerische Institute liegt der Schwerpunkt bislang eher im Groß- und Industriegeschäft als im Privatkundengeschäft, und die Entwicklung verläuft auf einem eigenständigen und in mancher Hinsicht sogar ausgereifteren Weg als die oben genannten angloamerikanischen Initiativen. In Deutschland hat die „Commercial Bank Money Token“-Initiative der Deutschen Kreditwirtschaft, hierzulande als „Giralgeldtoken“ oder „CBMT“ bekannt, seit Ende 2025 die Deutsche Bank, die Commerzbank, die DZ Bank und die Helaba mit Industrieunternehmen wie Siemens, BASF und Mercedes-Benz zusammengebracht, um Anwendungsfälle wie „Delivery-versus-Payment“ in Lieferketten und Machine-to-Machine-Zahlungen zu testen. Die Deutsche Bank baut separat ihre eigene Layer-2-Infrastruktur, DAMA 2, auf, während die Pontes- und Appia-Initiativen der EZB die öffentlichen Grundlagen schaffen, die private Projekte wie CBMT letztendlich benötigen werden. Die Schweiz verfügt wohl über die ausgereifteste öffentlich-private Struktur der drei Länder: Im Rahmen des „Project Helvetia“ der SNB und der SIX werden seit 2024 echte tokenisierte Anleiheemissionen gegen eine digitale Zentralbankwährung für den Großhandel (Wholesale-CBDC) in Schweizer Franken abgewickelt, darunter eine Weltbank-Anleihe im Wert von 200 Millionen CHF mit der Commerzbank als Lead Manager.7

Die regulatorische Behandlung hinkt der Technologie fast überall hinterher: Selbst in den USA sind Fragen zur Einlagensicherung, zur Eigenkapitalunterlegung und zu den Vorgaben zur Geldwäschebekämpfung (AML) für tokenisierte Einlagennetzwerke noch offen, und auch in der EU gibt es noch kein spezielles Regelwerk. Auch hinsichtlich des Umfangs ist Präzision geboten: Die Prognose von Citi, wonach die jährlichen tokenisierten Einlagenströme bis 2030 100 bis 140 Billionen US-Dollar erreichen werden, beschreibt das Potenzial, nicht die aktuellen Volumina.8

Anwendungsfälle und wo Banken tatsächlich setzen sollten

Die konkreten Anwendungsfälle konzentrieren sich auf eine Handvoll Aufgabenbereiche. Im Echtzeit-Treasury- und Liquiditätsmanagement bewegt sich heute das Geld: Multinationale Konzerne wollen Guthaben zwischen Unternehmenseinheiten und Rechtsräumen sofort und rund um die Uhr verschieben, anstatt auf Cut-off-Zeiten und die Abwicklung über Korrespondenzbanken zu warten – und genau das ist der Anwendungsfall, der sowohl hinter Kinexys als auch hinter Citi Token Services steht. Dicht dahinter folgt die Abwicklung auf tokenisierten Kapitalmärkten, wo eine tokenisierte Einlage als Baranteil eines Geschäfts dienen kann, das genau im selben Moment abgewickelt wird wie das Wertpapier selbst, wodurch das Risiko entfällt, dass eine Seite zahlt, bevor die andere liefert.

Grenzüberschreitende Zahlungen, die die Korrespondenzbankenkette umgehen, werden derzeit von institutionellen Projekten wie Partior und Cari Network sowie nun auch vom Shared Ledger von Swift getestet.8,9 Für DACH-Banken ist die Lieferketten- und Handelsfinanzierung der natürliche Einstiegspunkt; sie baut direkt auf dem oben beschriebenen CBMT-Pilotprojekt sowie auf dem industriellen, exportorientierten Kundenstamm auf, den deutsche, österreichische und schweizerische Banken bereits bedienen.

Unternehmens-Wallets, die Zahlungen automatisieren und Gelder erst freigeben, wenn vereinbarte Bedingungen erfüllt sind, bleiben der bislang am wenigsten ausgereifte Anwendungsfall und beschränken sich nach wie vor weitgehend auf Pilotprojekte. Anwendungsfälle im Privatkundenbereich existieren dagegen meist nur als Forschungsansätze; die Dynamik im Jahr 2026 geht von institutioneller Seite aus, und die eher verbraucherorientierten Pilotprojekte im Vereinigten Königreich rund um Marktplatzzahlungen und Anschlussfinanzierungen für Hypotheken bleiben eher die Ausnahme als die Regel.

Dies deutet auf eine recht klare Prioritätenliste hin. Die Anbindung an bestehende Infrastrukturen wie die CBMT-Sandbox oder das Shared Ledger von Swift ist ein aufwandsärmerer Einstiegspunkt als der Aufbau eigener Systeme von Grund auf. Treasury und Handelsfinanzierung, wo DACH-Banken bereits starke Beziehungen zu Industrie- und exportorientierten Kunden unterhalten, sind ein naheliegenderer Geschäftsvorfall als Zahlungsverkehr für Privatkunden. Und regulatorische Unklarheiten sollten eher als Planungsfaktor betrachtet werden denn als Grund zum Abwarten, da sich Vorschriften zur Eigenkapitalunterlegung, Einlagensicherung und Geldwäschebekämpfung (AML) unabhängig davon weiterentwickeln werden, wann eine Bank mit der Einführung von tokenisierten Einlagen beginnt.

Die Rolle der UBS im Swift-Pilotprojekt und das „Project Helvetia“ der SNB sind genau aus diesem Grund interessant: Beide verbinden tokenisierte Einlagen mit einer Infrastruktur, der der Markt bereits vertraut, anstatt von ihm zu verlangen, etwas Neuem zu vertrauen. Das dringlichere Wettbewerbsrisiko im Jahr 2026 besteht nicht darin, Privatkundeneinlagen an Stablecoins zu verlieren, sondern Unternehmenskunden im Treasury-Bereich an Banken zu verlieren, die ihre Abwicklungswege bereits modernisiert haben.

Stablecoins und tokenisierte Einlagen beantworten unterschiedliche Fragen, anstatt um dieselbe Aufgabe zu konkurrieren: Die einen erweitern den Geldumlauf über das regulierte Einlagengeschäft hinaus für grenzüberschreitende und DeFi-spezifische Anwendungsfälle, während die anderen die Einlage selbst digitalisieren und die Mittel für Treasury- und Handelsfinanzierungszwecke in der Bilanz der Bank belassen.

Welche der beiden Optionen wichtiger ist, hängt vom Kundenstamm und den strategischen Prioritäten einer Bank ab – nicht davon, welche Technologie vertrauter erscheint oder dem aktuellen Hype folgt.

Für die meisten Institute ist es kurzfristig sinnvoller, auf bereits bestehenden, vertrauenswürdigen Beziehungen und Infrastrukturen aufzubauen, anstatt bei Null anzufangen. Banken, die gezielt auf das Instrument setzen, das zu ihren Kunden passt, werden das Tempo für zögernde Wettbewerber vorgeben.

Fazit

Stablecoins und tokenisierte Einlagen beantworten unterschiedliche Fragen, anstatt um dieselbe Aufgabe zu konkurrieren: Die einen erweitern den Geldumlauf über das regulierte Einlagengeschäft hinaus für grenzüberschreitende und DeFi-spezifische Anwendungsfälle, während die anderen die Einlage selbst digitalisieren und die Mittel für Treasury- und Handelsfinanzierungszwecke in der Bilanz der Bank belassen.

Welche der beiden Optionen wichtiger ist, hängt vom Kundenstamm und den strategischen Prioritäten einer Bank ab – nicht davon, welche Technologie vertrauter erscheint oder dem aktuellen Hype folgt.

Für die meisten Institute ist es kurzfristig sinnvoller, auf bereits bestehenden, vertrauenswürdigen Beziehungen und Infrastrukturen aufzubauen, anstatt bei Null anzufangen. Banken, die gezielt auf das Instrument setzen, das zu ihren Kunden passt, werden das Tempo für zögernde Wettbewerber vorgeben.

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