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banKIng³ – Folge 21: Der Intelligenzfluch: KI zwischen Produktivität, Macht und Geldwäscheprävention

KI verändert Banking in Rekordtempo – von der Automatisierung ganzer Arbeitsprozesse bis hin zur Geldwäscheprävention. In Folge 21 sprechen wir über den Intelligenzfluch, neue Tools und die Rolle von KI als Helfer in stark regulierten Bereichen. Ein Blick auf Effizienz, Risiko und Verantwortung in Banken.

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banKIng3 – Drei Generationen, eine Vision

Die Finanzbranche steht vor einem Generationenwechsel – nicht nur in der Führung, sondern auch in der Technologie. banKIng³ zeigt, wie künstliche Intelligenz das Banking neu definiert und welche Rolle verschiedene Generationen in dieser Transformation spielen. Experten diskutieren über innovative KI-Anwendungen, regulatorische Herausforderungen und den Balanceakt zwischen Erfahrung und technologischer Disruption.

Unabhängig davon, ob Sie Teil der jungen Generation im Banking sind oder auf bewährtes Wissen setzen – banKIng³ liefert Ihnen die Insights, mit denen Sie die Zukunft aktiv mitgestalten können.

Der Intelligenzfluch: KI zwischen Produktivität, Macht und Geldwäscheprävention

Prozesse werden schneller, Kosten sinken, regulatorische Anforderungen lassen sich strukturierter erfüllen. Gerade in stark regulierten Bereichen, wie dem Banking, wirkt KI wie ein logischer nächster Schritt – fast wie eine Erlösung von endlosen manuellen Tätigkeiten. Doch genau an diesem Punkt kippt die Diskussion. Denn was passiert, wenn KI nicht nur unterstützt, sondern ganze Tätigkeiten ersetzt? Wenn Vorarbeit, Analyse und Aufbereitung nicht mehr menschliche Kernaufgaben sind? Diese Folge steigt genau hier ein – dort, wo Produktivität zur Systemfrage wird.

Zu Gast in dieser Folge:

Martin Wagner

Martin Wagner
Bereichsleiter & Consultant bei msg Rethink Compliance

Martin Wagner ist Bereichsleiter und Consultant bei msg Rethink Compliance. Er verfügt über mehr als zehn Jahre Erfahrung in den Bereich Anti-Financial Crime Compliance (AFC). Sein Fokus liegt auf der Umsetzung technischer Lösungen in internationalen AFC-Projekten.

Der Intelligenzfluch – eine unbequeme Analogie

Der Begriff „Intelligenzfluch“ beschreibt eine mögliche Kehrseite hochentwickelter künstlicher Intelligenz: Je besser und skalierbarer sie wird, desto stärker gerät der Wert menschlicher Arbeit unter Druck. Die zugrunde liegende Idee stammt aus der Volkswirtschaftslehre und ist dort als Ressourcenfluch bekannt.

Übertragen auf KI bedeutet das: Wenn Intelligenz durch Technologie beliebig verfügbar wird, verliert menschliche Arbeitskraft an relativer Bedeutung. Besonders wissensintensive Branchen wie Banking, Finance oder Beratung stehen damit im Zentrum der Veränderung. Was das für Karrierewege, Einstiegsjobs und den klassischen Leistungsgedanken bedeutet, bleibt offen. Klar ist: Die bisher vertraute Pyramidenlogik beginnt zu wackeln.

Warum KI mehr ist als nur ein besseres Werkzeug

Der Vergleich mit früheren Technologien greift zu kurz. Ein Laptop hat Arbeit beschleunigt, E-Mails haben Kommunikation vereinfacht, PowerPoint-Präsentationen standardisiert. Der Mensch blieb aber immer der zentrale Akteur. Mit KI ändert sich genau das. Ganze Tätigkeiten werden end-to-end übernommen – vom Konzept über die Struktur bis zum Ergebnis. Der Mensch agiert zunehmend als Kontrollinstanz, nicht mehr als Produzent. Diese Verschiebung ist fundamental. Sie betrifft nicht nur einzelne Aufgaben, sondern komplette Rollenbilder, insbesondere in serviceorientierten Organisationen wie Banken.

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Agenten, Slides und ein neuer Arbeitsmodus

Besonders greifbar wird der Wandel bei den neuen Tools. Agenten bündeln Informationen aus unterschiedlichen Quellen, erstellen Reports, bereiten Kundentermine vor oder generieren Inhalte automatisiert. Präsentationen entstehen nicht mehr Folie für Folie, sondern als fertige Story in Sekunden.

Das verändert den Arbeitsalltag spürbar. Nicht nur Berater profitieren davon, sondern auch Fachbereiche in Banken, die Inhalte heute adressatengerecht, strukturiert und visuell aufbereitet benötigen. Der eigentliche Mehrwert liegt dabei weniger im „schönen Ergebnis“, sondern darin, dass sich Menschen stärker auf Bewertung, Kontext und Entscheidung konzentrieren können.

Geldwäscheprävention: KI trifft Regulierung

Ein weiterer Schwerpunkt der Folge liegt auf der Geldwäscheprävention. Kaum ein Bereich ist so stark reguliert, so prozesslastig und gleichzeitig so teuer. Viele Abläufe sind bis heute manuell, regelbasiert und fehleranfällig.

Geldwäsche bedeutet, illegal erwirtschaftetes Geld in den legalen Wirtschaftskreislauf zu bringen. Banken stehen dabei unter massivem regulatorischem Druck.

Martin Wagner Bereichsleiter | msg Rethink Compliance

KI verspricht hier zwar Entlastung jedoch nicht ohne Einschränkungen. Governance, Nachvollziehbarkeit und persönliche Haftung setzen klare Grenzen. Vollautonome Systeme sind aktuell kaum vorstellbar.

Stattdessen zeichnet sich ein anderes Bild ab: KI als intelligenter Assistent. Sie strukturiert Informationen, erkennt Muster und bereitet Entscheidungen vor. Die finale Verantwortung bleibt beim Menschen.

Ein offener Blick nach vorn

Künstliche Intelligenz verändert das Banking nicht schrittweise, sondern strukturell. Sie greift in Wertschöpfung, Rollenbilder und Verantwortlichkeiten ein und stellt gewohnte Annahmen infrage. Effizienzgewinne sind dabei nur die sichtbare Oberfläche einer deutlich tiefergehenden Transformation.

Entscheidend wird sein, wie bewusst diese Entwicklung gestaltet wird. Zwischen Automatisierung, Regulierung und menschlicher Verantwortung entsteht ein neues Gleichgewicht, das noch nicht ausdefiniert ist.

Jens Heilmann

Jens Heilmann

leitet bei msg for banking den Geschäftsbereich "Artificial Intelligence" und berät Kundinnen und Kunden zu den Themen Prozessdigitalisierung und künstliche Intelligenz in der Finanzbranche.

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