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Die neue Ära der Banken-Compliance: Chancen und Risiken von Data und KI

Noch nie war das Datenvolumen in der Compliance so hoch – und noch nie war es so schwierig, Risiken rechtzeitig, konsistent und prüffest zu steuern. Datenbasierte Analysen und KI-gestützte Verfahren versprechen Entlastung. Aber nicht alles, was effizient ist, ist auch compliant. Wie können KI-Tools regelkonform eingesetzt werden?

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Banken stehen heute vor einer paradoxen Situation: Noch nie war Compliance so datenreich – und noch nie war es so schwierig, Risiken rechtzeitig, konsistent und prüffest zu steuern.

WpHG-Compliance, MaRisk-Compliance und Geldwäscheprävention (AML) sind oft geprägt von:

  • hohen Transaktionsvolumina,
  • komplexen Prozessketten,
  • steigenden Dokumentationspflichten und
  • wachsendem Erwartungsdruck von Aufsicht und Prüfern.

Datenbasierte Analysen und KI-gestützte Verfahren versprechen Entlastung: eine bessere Risikoerkennung, weniger manuelle Prüfungen, gezieltere Überwachung. Und oft bieten sie das alles auch. Doch gerade im regulatorischen Umfeld gilt mehr denn je: Nicht alles, was effizient ist, ist auch compliant.

Eine Betrachtung sollte pro IT, aber bewusst kritisch hinterfragt sein, denn bankaufsichtliche Compliance verfolgt ein klares Ziel: Risiken früh erkennen – und Entscheidungen jederzeit nachvollziehbar begründen können.

Der Wandel im Compliance-Modell: Von Regeln und Listen zu Risikosignalen

Klassische Bank-Compliance ist stark regelbasiert:

  • Vorgaben aus WpHG, MaRisk und GwG werden in Policies übersetzt,
  • Kontrollen prüfen die Einhaltung,
  • Abweichungen werden dokumentiert und adressiert.

Doch dieses Modell stößt zunehmend an Grenzen. Viele Risiken entstehen heute nicht durch einen einzelnen Verstoß, sondern durch Muster über Zeit, wie

  • ungewöhnliche Handelsabfolgen,
  • systematische Umgehung von Limit- oder Genehmigungslogiken,
  • atypische Kunden- oder Zahlungsprofile,
  • Kombinationen für sich genommen unauffälliger Sachverhalte.

Datengetriebene Compliance setzt hier an – mit einem klaren Perspektivwechsel:

  • Daten liefern Hinweise, keine Feststellungen
  • Systeme helfen bei der Priorisierung, nicht bei der finalen Bewertung
  • Compliance bleibt Entscheidungsträger – nicht Ausführungsgehilfe der Technik

Damit wird Compliance beweglicher, schneller, effizienter. Aber auch angreifbarer, wenn Steuerung, Dokumentation und Verantwortlichkeiten nicht sauber geregelt oder nachvollziehbar sind.

Konkrete Mehrwerte in WpHG-, MaRisk- und AML-Compliance

WpHG-Compliance: Marktverhalten verstehen, nicht nur überwachen

Compliance in Banken

Im Umfeld von Marktmissbrauch, Interessenkonflikten und Wohlverhaltenspflichten liegen enorme Datenmengen vor:

  • Handels- und Orderdaten,
  • Kommunikationsdaten,
  • Informationen zu Mitarbeitern, Kunden und verbundenen Parteien.

Analytische Verfahren können helfen, ungewöhnliche Muster sichtbar zu machen, wie zum Beispiel:

  • zeitliche Häufungen bestimmter Handelsaktivitäten,
  • Abweichungen vom typischen Handelsverhalten einzelner Akteure oder
  • Auffälligkeiten rund um Research-Veröffentlichungen oder sensible Informationen.

Der Mehrwert liegt nicht in automatisierten Vorwürfen, sondern in einer gezielteren Fallauswahl. Denn klar ist: Ein System erkennt Auffälligkeiten – keinen Marktmissbrauchstatbestand. Die rechtliche Würdigung bleibt (soweit aufsichtsrechtlich zulässig) menschlich und muss belastbar dokumentiert werden.

MaRisk-Compliance: Prozessrealität und Regulatory Monitoring zusammendenken

MaRisk-Compliance-Verstöße entstehen selten durch offene Regelmissachtung. Häufig sind es schleichende Entwicklungen, wie:

  • dauerhaft genehmigte Ausnahmen,
  • manuelle Übersteuerungen,
  • unklare Zuständigkeiten oder
  • historisch gewachsene Prozessumgehungen.

Datenbasierte Analysen können hier Transparenz schaffen, indem sie hinterfragen:

  • Wo werden Limits regelmäßig übersteuert?
  • Welche Prozesse weichen systematisch vom definierten Soll ab?
  • Wo kumulieren Funktionen entgegen dem Trennungsprinzip?

Hinzu kommt ein zweiter, oft unterschätzter Aspekt: Das Regulatory Monitoring.

Regulatorische Anforderungen ändern sich laufend – durch Rundschreiben, Auslegungshilfen, Leitlinien oder Prüfungsschwerpunkte der Aufsicht. Hier können daten- und textbasierte Auswertungen helfen,

  • regulatorische Änderungen frühzeitig zu identifizieren,
  • ihre Relevanz für bestehende Prozesse zu bewerten und
  • Umsetzungsbedarfe strukturiert nachzuhalten.

Der Nutzen ist insbesondere im Bereich der Dokumentation hoch – aber nur, wenn klar bleibt: Auch hier ersetzt Technik keine fachliche Interpretation. Ohne klare Definitionen, belastbare Datenquellen und eindeutige Verantwortlichkeiten wird aus Transparenz schnell Erklärungsbedarf gegenüber der Aufsicht.

AML, PSD3 und Betrugsprävention: Mehr Klarheit im Massengeschäft

Geldwäscheprävention und Betrugsbekämpfung sind durch:

  • Transaktionsmonitoring,
  • Kundenverhalten über Zeit,
  • Netzwerk- und Beziehungsanalysen,
  • dynamische Risikoprofile

besonders datenintensiv.

Mit PSD3 und dem wachsenden Fokus auf Zahlungsbetrug rückt zudem die Verzahnung von AML und Fraud stärker in den Vordergrund. Auffällige Zahlungsströme, Social-Engineering-Muster oder Kontoübernahmen lassen sich häufig nur erkennen, wenn Daten ganzheitlich betrachtet werden.

Moderne Ansätze können:

  • Fehlalarme reduzieren,
  • neue Typologien schneller sichtbar machen und
  • Risiken früher eskalieren.

Gleichzeitig ist AML der Bereich mit der höchsten aufsichtsrechtlichen Sensibilität. Erwartet werden:

  • vollständige Nachvollziehbarkeit der Alert-Logik,
  • klare Dokumentation von Parametern und Schwellen und
  • die Reproduzierbarkeit von Entscheidungen – auch rückwirkend.

Ein System, das „lernt“, ohne erklärbar zu sein, ist aufsichtsrechtlich kaum haltbar – unabhängig von seiner Trefferquote.

Reporting, Dokumentation und Kommunikation mit der Aufsicht

Technische Unterstützung kann bei Berichten, Sachverhaltsdarstellungen und Maßnahmenplänen ganz deutlich helfen – etwa bei Struktur, Konsistenz und Sprache. Das spart Zeit – und birgt Risiken.

Denn gut formulierte Texte ersetzen keine saubere Herleitung. Gerade im Dialog mit Aufsicht und Prüfern gilt: Was gut klingt, muss belegbar sein. Daher braucht es klare Leitplanken:

Governance entscheidet: Technik ist kein Freifahrtschein

Wer datengetriebene Verfahren in der Bank-Compliance einsetzt, ohne Governance vorzuschalten, schafft neue Risiken – oft genau dort, wo eigentlich entlastet werden soll.

Ein pragmatischer Einstieg: aufsichtsnah statt ambitioniert

Ein tragfähiger Einstieg in datengetriebene Bank-Compliance braucht nicht immer einen Big Bang – insbesondere nicht in kleinen und mittelgroßen Instituten:

  • Ein klar abgegrenzter Use Case (zum Beispiel AML-Alerts, Betrugsmuster oder WpHG-Handelsauffälligkeiten)
  • Transparente Datenbasis mit klaren Verantwortlichkeiten
  • Dokumentierte Logik, Schwellenwerte und Grenzen
  • Klare Trennung von Hinweis, Bewertung und Entscheidung
  • Qualitätssicherung, Logging und Reproduzierbarkeit
  • Skalierung erst nach erfolgreicher aufsichtsnaher Erprobung

So entsteht zwar nicht direkt eine „smarte“ Compliance. Aber meist eine aufsichtsfeste, wirksame und zukunftsfähige Bank-Compliance.

Veranstaltungstipp

INSIDE FinAI: KI in der Compliance von Banken – aber sicher | 10. Juni 2026 | Berlin

Adela Kujovic

Adela Kujovic

ist als Wirtschaftsjuristin auf regulatorische Fragestellungen mit Schwerpunkt Compliance (MaRisk & WpHG) spezialisiert. Sie verfügt über tiefgreifende Erfahrung im Bereich Sustainable Finance und ESG und hat hier bereits komplexe Projekte sowie Berichterstattungsprozesse sowohl im Financial- als auch im Industrial-Sektor, inklusive der Anforderungen an nachhaltige Lieferketten begleitet.

Sandra Leicht

Sandra Leicht

ist Head of Regulatory Compliance bei msg for banking und verfügt über umfassende Compliance-Erfahrung und -Expertise im Finanzdienstleistungssektor. Selbst seit vielen Jahren als Beauftragte tätig, berät und schult sie außerdem rund um die Compliance-Funktionen. Außerdem hat sie umfassende Expertise in der erfolgreichen Leitung von Unternehmen sowie in der Beratung von Finanzinstituten in Themen wie WpHG-Compliance, MaRisk-Compliance, Geldwäscheprävention und Datenschutz.

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