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KI-Governance und Risikomanagement aus Sicht der Banken- und Finanzaufsicht

Eine KI-Governance ist ein übergreifendes Rahmenwerk, das die Zuständigkeiten für den Einsatz von künstlicher Intelligenz in einem Unternehmen definiert und für eine sichere, ethische, transparente und gesetzeskonforme Nutzung von KI sorgt. Die neue BaFin-Orientierungshilfe ordnet künstliche Intelligenz klar als IKT-Risiko nach DORA ein. Mit Hilfe des Drei-Säulen-Modells und einer robusten KI-Governance sind Banken in der Lage, die strategischen und operativen Anforderungen zu erfüllen.

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Hallway

Was die neue BaFin-Orientierungshilfe zu IKT-Risiken beim Einsatz von KI für Banken wirklich bedeutet

Das Thema KI-Governance rückt in den Fokus der Banken. Denn mit der Veröffentlichung der BaFin-Orientierungshilfe zu IKT-Risiken beim Einsatz von KI im Dezember 2025 hat die Aufsicht einen klaren Akzent gesetzt: Künstliche Intelligenz wird nicht länger primär als Innovations- oder Ethikthema betrachtet, sondern ausdrücklich als Teil des IKT-Risikomanagements nach DORA. Damit rückt KI endgültig in den Kern der bankaufsichtlichen Steuerung.

Für Banken ist diese Einordnung von zentraler Bedeutung, denn sie erhöht damit den Anspruch an Governance, Transparenz und Verantwortlichkeit erheblich. Die BaFin macht deutlich: Wer KI einsetzt, muss sie wie jedes andere IKT-System verstehen, steuern, kontrollieren und dabei zusätzlichen die KI-spezifischen Risikodimensionen berücksichtigen.

Gerade vor diesem Hintergrund lässt sich ein konsistentes Drei-Säulen-Modell der KI-Governance ableiten, das sich eng an den Erwartungen der Aufsicht orientiert. Die strategische Verankerung, eine klare organisatorische Einbettung und ein kontrollierter Umgang mit KI entlang ihres gesamten Lebenszyklus sind dabei unerlässlich.

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KI als IKT-System: der entscheidende Perspektivwechsel

Eine der wichtigsten Klarstellungen der BaFin-Orientierungshilfe ist die Definition von KI-Systemen als Kombination aus IKT-Assets und IKT-Infrastruktur.

KI-Systeme bestehen aus Modellen, Software, Daten, Hardware, Netzwerken und Schnittstellen und sind damit aufsichtlich nichts anderes als ein komplexes IKT-System mit besonderen Eigenschaften. Autonomiegrade oder Lernfähigkeit mögen technisch relevant sein, stehen für die Aufsicht jedoch nicht im Vordergrund. Entscheidend ist vielmehr, wie ein KI-System in die bestehende IKT-Landschaft eingebunden ist und welche Risiken daraus entstehen.

Diese Sichtweise hat weitreichende Konsequenzen für die Governance. Sie bedeutet, dass KI nicht isoliert reguliert oder in separaten „KI-Frameworks“ behandelt werden sollte. Stattdessen erwartet die Aufsicht, dass KI-Systeme vollständig in den bestehenden IKT-Risikomanagementrahmen inklusive Identifikation, Schutz, Erkennung, Reaktion und Wiederherstellung nach DORA integriert werden.

KI-Governance wird damit zur konsequenten Erweiterung bestehender Steuerungsmechanismen, nicht zu deren Ersatz.

Das Drei-Säulen-Modell für eine robuste KI-Governance

EU AI Act und DORA: zwei Regime, ein Governance-Ansatz

Die Orientierungshilfe macht implizit deutlich, wie sich EU AI Act und DORA zueinander verhalten. Während der EU AI Act vor allem Zweck, Risikoklassifizierung, Transparenz und menschliche Aufsicht adressiert, fokussiert DORA auf Resilienz, Betriebssicherheit und IKT-Risiken. Für Banken bedeutet dies keine Doppelregulierung, sondern eine komplementäre Anforderungslage.

Eine wirksame KI-Governance muss daher beide Perspektiven zusammenführen: Sie muss sicherstellen, dass KI-Anwendungen rechtlich zulässig und ethisch vertretbar sind und zugleich technisch stabil, sicher und beherrschbar betrieben werden. Das Drei-Säulen-Modell bietet hierfür einen geeigneten Rahmen, weil es strategische, organisatorische und operative Aspekte miteinander verzahnt und so beiden Regimen gerecht wird.

Fazit: Die BaFin macht KI-Governance zur Führungsaufgabe

Mit der neuen Orientierungshilfe hat die BaFin unmissverständlich klargestellt, dass der Einsatz von KI in Finanzunternehmen keine Grauzone mehr ist. KI ist Teil des IKT-Risikomanagements, unterliegt DORA und muss entsprechend gesteuert werden. Für Banken bedeutet dies einen klaren Auftrag: KI-Governance ist kein Innovationsprojekt, sondern ein dauerhafter Betriebszustand, der strategisch geführt, organisatorisch verankert und operativ gelebt werden muss.

Institute, die diesen Anspruch ernst nehmen, gewinnen mehr als regulatorische Sicherheit. Sie schaffen Transparenz, erhöhen ihre digitale Resilienz und legen die Grundlage für einen verantwortungsvollen und skalierbaren Einsatz von KI.

Lisa Weinert

Lisa Weinert

ist als Managerin im Bereich Business Development AI bei der msg for banking tätig. Sie berät Banken und Finanzdienstleister in regulatorischen und prozessualen Fragestellungen rund um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Im Fokus ihrer Arbeit steht die sichere und regelkonforme Integration innovativer Technologien in bestehende Strukturen. Besonders wichtig ist ihr dabei, Automatisierung und KI nicht als Selbstzweck zu verstehen, sondern als konkrete Hebel zur Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung im Bankenumfeld.

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