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Was Investoren in FinTech Due Diligence wirklich prüfen und warum Compliance oft der Dealbreaker ist

Viele FinTechs verlieren Investoren nicht wegen Produkt, Team oder Markt, sondern wegen Schwächen in Compliance und regulatorischer Aufstellung. Entscheidend ist eine belastbare, skalierbare Compliance-Postur, die in der Due Diligence Vertrauen schafft statt Risiken offenzulegen.

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Investor Due Diligence, Compliance & FinTechs

Fundraising-Gespräche verlaufen oft nach demselben Muster: Das Pitch-Deck überzeugt, die Produktdemonstration begeistert, die Marktopportunität ist klar. Und dann beginnt die Due Diligence, und plötzlich verlangsamt sich alles. Fragen häufen sich, Antworten fehlen, Dokumente werden nachgereicht. Im schlimmsten Fall zieht sich der Investor zurück, ohne den eigentlichen Grund klar zu benennen.

In vielen Fällen liegt der Grund nicht im Produkt, nicht im Team und nicht im Markt. Er liegt in der regulatorischen und Compliance-Postur des Unternehmens.

Warum Investoren Compliance ernst nehmen – ernster als viele Gründer

Investoren, insbesondere institutionelle VCs, Family Offices und strategische Investoren, tragen nach einem Investment Mitverantwortung für das Unternehmen. Ein regulatorisches Problem, das nach dem Closing sichtbar wird, ist nicht nur ein operatives Problem des FinTechs. Es ist ein Reputations- und Haftungsrisiko für den Investor selbst. Das erklärt, warum Due-Diligence-Prozesse in der FinTech-Branche zunehmend tiefergehende Compliance- und Regulatorik-Prüfungen enthalten, oft durchgeführt von spezialisierten externen Beratern.

Was konkret geprüft wird

Der erste Prüfbereich ist die Lizenzierungssituation. Ist das Unternehmen korrekt lizenziert für alle Aktivitäten, die es betreibt? Gibt es ungeklärte regulatorische Grauzonen? Ist die Lizenzstrategie für geplante neue Produkte oder Märkte bereits durchdacht? Unlizenziertes Betreiben lizenzpflichtiger Aktivitäten ist ein sofortiger Red Flag, unabhängig davon, ob es bewusst oder aus Unwissenheit geschieht.

Der zweite Bereich ist das AML/KYC-Framework. Investoren, und ihre Berater, prüfen, ob ein dokumentiertes, funktionierendes Framework existiert, das dem regulatorischen Standard entspricht. Fehlende Dokumentation, unklare Verantwortlichkeiten oder ein Framework, das offensichtlich nur auf dem Papier existiert, signalisieren erhöhtes regulatorisches Risiko.

Der dritte Bereich ist die Governance-Struktur. Wer trägt Verantwortung für Compliance, Risiko und AML? Sind die Funktionen klar definiert und besetzt? Ist der MLRO unabhängig und erreichbar? Gibt es ein funktionierendes Reporting an die Geschäftsführung? Governance-Lücken sind für Investoren ein Indikator dafür, dass das Unternehmen bei Wachstum oder regulatorischen Prüfungen unter Druck geraten könnte.

Der vierte Bereich ist die regulatorische Geschichte. Gab es Anfragen von Aufsichtsbehörden? Beschwerden von Kunden, die eskaliert wurden? Ablehnungen bei Bank-Onboardings oder Partnerbeziehungen? Auch hier gilt: Nicht das Vorhandensein solcher Ereignisse ist automatisch ein Problem, sondern der Umgang damit. Ein FinTech, das regulatorische Herausforderungen professionell dokumentiert und gelöst hat, zeigt Reife. Eines, das sie verdrängt hat, zeigt Unprofessionalität und daraus resultiert ein Risiko.

Der fünfte und oft unterschätzte Bereich ist die Skalierbarkeit der gesamten Organisation, hierbei insbesondere der Governance und der Compliance-Struktur. Investor-Due-Diligence fragt nicht nur, wie das Unternehmen heute aufgestellt ist, sondern ob die Strukturen für das geplante Wachstum tragfähig sind. Ein KYC-Prozess, der bei 1.000 Kunden funktioniert, aber bei 100.000 zusammenbricht, ist kein Asset, sondern ein latentes Risiko.

 

Was Investoren nicht akzeptieren

Compliance-Dokumente existieren, aber niemand arbeitet danach. Lizenzen decken das tatsächliche Geschäftsmodell nicht ab. Der Geldwäschebeauftragte steht im Organigramm, hat aber keine echte Funktion. Und Dienstleister erledigen kritische Aufgaben, ohne dass jemand dokumentiert steuert, was sie tun. Das sind keine Randthemen. Das sind die häufigsten Gründe, warum Investoren oder Aufseher eine Prüfung abbrechen.

Keiner dieser Punkte ist per se unlösbar, aber alle werden zum Problem, wenn sie erst im Due-Diligence-Prozess sichtbar werden, statt vorher adressiert zu sein.

 

Investor-Readiness als strategische Vorbereitung

Der wirksamste Zeitpunkt, sich auf Investor-Due-Diligence vorzubereiten, ist nicht, wenn der Term Sheet auf dem Tisch liegt, sondern sechs bis zwölf Monate vorher. Das schafft die Möglichkeit, identifizierte Lücken zu schließen, die Dokumentation zu vervollständigen und die Compliance-Postur so aufzustellen, dass sie im Due-Diligence-Prozess als Stärke wahrgenommen wird, nicht als Risiko.

Ein strukturierter Investor-Readiness-Pack, der regulatorische Einordnung, AML/KYC-Framework, Governance-Dokumentation und eine klare Darstellung der Lizenzstrategie zusammenführt, ist dabei kein bürokratisches Dokument. Er ist ein Vertrauenssignal. Und in einem Markt, in dem Investoren zunehmend selektiv sind und Compliance-Risiken ernst nehmen, kann dieses Signal den Unterschied zwischen einem abgeschlossenen Deal und einem abgebrochenen Prozess ausmachen.

 

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msg for banking unterstützt FinTechs bei der Vorbereitung auf Investor-Due-Diligence – von der regulatorischen Einordnung bis zur vollständigen Dokumentation.

Emanuel Gedeon

Emanuel Gedeon

bringt langjährige Erfahrung in Compliance, regulatorischer Beratung und der Optimierung von Steuerungsprozessen für Finanzinstitute mit. Als Executive Partner bei msg for banking leitet er den Bereich Governance & Regulatory Advisory. Zuvor war er in leitenden Positionen bei internationalen Beratungsunternehmen tätig.

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