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Warum Europas Banken geopolitische Risiken neu bewerten müssen

Geopolitische Risiken treffen den Euroraum stärker als die USA. Für Banken steigen dadurch Inflations-, Markt- und Kreditrisiken. Geopolitik wird damit zum dauerhaften Steuerungsfaktor in Risiko-, Szenario- und Frühwarnsystemen.

geopolitische Risiken

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Geopolitische Risiken neu denken: Warum Europas Banken ein eigenes Risikoverständnis brauchen

Die vergangenen Jahre haben gezeigt: Geopolitik ist eines der prägendsten Themen für Banken und Sparkassen. Der Krieg in der Ukraine, die Konflikte im Nahen Osten, Sanktionen, Energieabhängigkeiten und Lieferengpässe wirken direkt auf Inflation, Wachstum, Kapitalmärkte und Kreditrisiken.

Ein aktuelles Working Paper der Bank for International Settlements (BIS)1 liefert hierzu eine bemerkenswerte Erkenntnis:

Europa bewertet und erlebt geopolitische Risiken fundamental anders als die USA. Genau das führt bislang zu erheblichen Fehleinschätzungen in wirtschaftlichen Analysen und Risikomodellen.

Europas Perspektive auf geopolitische Risiken

Bisher basieren viele etablierte geopolitische Risikoindikatoren auf angelsächsischen Medienquellen, die bekannten Indizes2 messen geopolitische Spannungen überwiegend anhand US-amerikanischer und britischer Zeitungen.

Das Problem:

Diese Perspektive unterschätzt die wirtschaftliche Betroffenheit Europas deutlich.

Die BIS-Autoren entwickeln deshalb erstmals einen europäischen geopolitischen Risikoindex („EA-GPR“), der auf Medienquellen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und den Niederlanden basiert. Das Ergebnis ist eindeutig: Seit dem Beginn des Ukraine-Krieges liegt das wahrgenommene geopolitische Risiko im Euroraum dauerhaft deutlich höher als in den USA.

Insbesondere Konflikte in geografischer Nähe wirken sich wesentlich stärker auf europäische Volkswirtschaften aus. Die Studie spricht hier implizit von einer „Proximity Penalty“: Nähe erzeugt höhere wirtschaftliche Verwundbarkeit.

Geopolitische Risiken wirken wie Angebotsschocks

Besonders relevant für Banken ist die makroökonomische Wirkung geopolitischer Ereignisse.

Die BIS zeigt:

  • geopolitische Schocks senken die Wirtschaftsleistung,
  • gleichzeitig erhöhen sie die Inflation,
  • Zentralbanken reagieren darauf mit restriktiverer Geldpolitik.

Damit ähneln geopolitische Schocks klassischen Angebotsschocks.

Die Studie quantifiziert die Auswirkungen des Ukraine-Krieges konkret:

  • Industrieproduktion im Euroraum etwa 1 % niedriger,
  • Preisniveau etwa 0,6 % höher bis Mitte 2022.3

Gerade für Banken mit großvolumigen Kreditportfolios, Treasury-Beständen oder langfristigen Zinspositionen sind solche makroökonomischen Verschiebungen hochrelevant.

Lieferengpässe wichtiger als Sanktionen

Eine weitere interessante Erkenntnis der Studie:

Nicht Sanktionen sind der wichtigste wirtschaftliche Übertragungsmechanismus geopolitischer Krisen, sondern Lieferengpässe.

Die Autoren analysieren dafür eigene Indikatoren für Sanktionsintensität, Lieferkettenstörungen und Knappheiten.

Das Ergebnis:

Lieferengpässe erklären einen erheblichen Teil der inflationären Wirkung geopolitischer Krisen, während Sanktionen selbst nur begrenzte direkte Effekte zeigen. Für Banken ergibt sich daraus eine wichtige Konsequenz:

Die eigentlichen Risiken liegen weniger in politischen Entscheidungen selbst, sondern in deren Auswirkungen auf Lieferketten, Energieversorgung, Produktionskapazitäten, Rohstoffpreise und Unternehmensliquidität.

Was Banken und Sparkassen jetzt tun sollten

Die Studie liefert klare Implikationen für die Gesamtbanksteuerung.

Die BIS-Studie markiert einen wichtigen Perspektivwechsel:

Geopolitische Risiken sind keine externen Sondersituationen mehr, sondern ein struktureller Bestandteil des europäischen Wirtschafts- und Finanzsystems.

Für Banken und Sparkassen bedeutet das:

Geopolitik wird zu einem dauerhaften Steuerungsfaktor – vergleichbar mit Zins-, Kredit- oder Liquiditätsrisiken.

Deswegen begleiten wir als msg for banking unsere Kunden nicht nur bei der ganzheitlichen Integration geopolitischer Risiken in den Risikomanagementprozess, sondern bieten mit msg.GEO ebenfalls ein Tool zur Szenario-Generierung an, sodass unsere Kunden resilient und entscheidungsfähig durch die kommenden Jahre navigieren können.

Quellen
Sebastian Bader

Sebastian Bader

ist Master of Accounting and Finance und verfügt über langjährige Berufserfahrung in verschiedenen Rollen und Positionen in der Branche Banking. Bei msg for banking verantwortet er die Themen Non-Financial Risk & Sustainable Finance. In enger Zusammenarbeit mit seinem hochqualifizierten Team bietet er — von der strategischen Fragestellung, der ESG-Datenbeschaffung, über die Einbettung ins Risikomanagement bis hin zum Reporting (MaRisk/EU-Taxonomie/CSRD) — umfassende Lösungsangebote für Banken und Finanzdienstleister an. Durch die Kombination aus tiefgreifendem Wissen über aufsichtsrechtliche Anforderungen und umfassender Beratungserfahrung, insbesondere an der Schnittstelle zwischen IT und Fachbereichen, bieten wir unseren Kunden passgenaue End-to-End-Lösungen an.

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