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Kryptowährungen und Nachhaltigkeit – Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Wusstest Du, dass der jährlich geschätzte Stromverbrauch von der Kryptowährung Bitcoin größer ist als der gesamte Jahresstromverbrauch von den Niederlanden?1 (Stand Juni 2021) Eine Blockchain verbraucht so viel Strom wie ein gesamtes Land mit über 17 Millionen Einwohnern.2

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Tokenisierung - von der Blockchain ins Bank-Depot

Woher kommt der hohe Stromverbrauch?

Der Stromverbrauch ist vor allem auf das Mining zurückzuführen. Mining ist einfach gesagt der Prozess, bei dem die Kryptowährung quasi hergestellt wird. Hört sich einfacher an, als es ist.3 In Realität ist dies ein sehr komplexer Prozess, bei dem der Computer anspruchsvolle Rechenaufgaben lösen muss.4 Das gängigste Verfahren wird Proof-of-Work genannt, welches beispielsweise für Bitcoin verwendet wird. Um Bitcoins „schürfen“ zu können, ist dementsprechend eine unglaublich hohe Rechenleistung notwendig, was wiederum der Teil ist, der zu dem hohen Stromverbrauch führt.3

Dieser Stromverbrauch beim Mining wird hauptsächlich durch zwei Aspekte stark beeinflusst. Zum einen der Hype, den Kryptowährungen aktuell erfahren. Je größer das Interesse, desto mehr Währung wird „geschürft“, desto höher der Energieverbrauch. Zum anderen ist die gewünschte Sicherheit dieses Vermögenswertes eine zentrale Einflussgröße. Um eine größere Sicherheit gewährleisten zu können, braucht es mehr Rechenleistung. Dies bedeutet grob gesagt, je größer der Energieverbrauch, desto sicherer ist das System.4

Strom wird allerdings nicht nur durch das Mining verbraucht, sondern zusätzlich durch jede einzelne Transaktion. Diese Höhe ist beachtlich. Schätzungen zufolge verbraucht die Transaktion von einem einzigen Bitcoin so viel Strom wie 695.000 Zahlungen mit der Visakarte.5

Kein Wunder, dass Kryptowährungen so umstritten sind. Gerade jetzt wo das Thema Nachhaltigkeit so immens an Bedeutung gewinnt.

Nachhaltigkeit ist in den Medien so präsent wie noch nie und wird in allen Bereichen rauf und runter diskutiert. Auch vor der Finanzbranche macht der Megatrend keinen Halt. Banken stehen nicht nur vor steigenden regulatorischen Anforderungen, sondern dürfen auch die Chance, die sich durch das Thema ergibt, nicht außen vor lassen. Die Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen und Services in der Finanzbranche steigt, was einen großen potenziellen Wettbewerbsvorteil mit sich bringt.6

Passen Nachhaltigkeit und Kryptowährungen überhaupt zusammen?

Es gibt verschiedene Ansätze Kryptowährungen nachhaltiger zu machen. Experten sagen, dass auch Bitcoins nachhaltig produziert und betrieben werden können. Die Untersuchungen der „3rd Global Cryptoasset Benchmarking Study“ von dem „Cambridge Centre for Alternative Finance“ (CCAF) zeigten, dass 76% der Miner bereits erneuerbare Energien in ihrem Strommix verwenden.7

Einige Miner geben an, vor allem „überschüssigen Strom“ für das Mining zu verwenden. Beispielsweise wird in der chinesische Region Sichuan in der Regenzeit von den Wasserkraftwerken mehr Strom erzeugt als verbraucht werden kann. Dies kann dann wiederrum für das „Schürfen“ von Kryptowährungen verwendet werden. Laut der o.g. Studie werden jedoch schätzungsweise nur 36% des verwendeten Stroms für Bitcoins aus erneuerbaren Energien bezogen.7

Eine Möglichkeit, wie Kryptowährungen grüner werden können, zeigt das Unternehmen „Genesis Mining“. Sie haben ein Pilotprojekt in Schweden gestartet, wodurch die erzeugte Wärme der Server, die beim Krypto-Mining entsteht, zum Beispiel zum Beheizen von Gewächshäusern verwendet wird.

Nichts desto trotz bleibt das Dilemma, dass die Nutzung erneuerbarer Energien selbst im besten Fall nicht so nachhaltig ist, wie gar nicht erst Energie zu verbrauchen. Aufgrund dessen arbeiten umweltbewusste Tech-Freaks an konkurrierende Kryptowährungen unter der Verwendung alternativen Konsensverfahren mit weitaus geringerem Energiebedarf.8

Nachhaltige Alternativen zum klassischen Mining

Die wahrscheinlich bekannteste Alternative, um Rechenleistung einzusparen, ist das Proof-of-Stake (Pos)-Verfahren. Anstatt sich auf Computer zu verlassen, die um die Wette laufen um den passenden Hash zu generieren, erzeugt PoS Wachstum indem es die Anreizstruktur umkehrt. Die Idee ist, dass die Teilnahme durch den Besitz eines Münz-Vorrats bestimmt wird, anstatt der reinen Rechenpower. Große Miner werden dadurch ermutigt, das System effizienter anstatt bewusst ineffizienter zu machen. Kryptowährungen wie beispielsweise Cardano und Polkadot setzen bereits auf dieses Konzept. Auch Ethereum, als eine der wichtigsten Kryptowährungen, soll mit Ethereum 2.0 vor Ende 2021 auf PoS umgestellt werden und damit den Energieverbrauch um 99% verringern.

Ein weiteres Beispiel ist Signum, welches auf dem dezentralen Proof of Commitment (PoC+) basiert. Dieser innovative Konsens bietet eine neue Möglichkeit für Miner, ihre effektive Speicherkapazität zu erhöhen, indem sie ein Signa-Guthaben (Einsatz) auf ihr Konto einzahlen. Dies hilft, das Netzwerk zu sichern und ihre Chancen auf Mining-Belohnungen zu verbessern. PoC+ ist somit eine umweltfreundlichere Option, da die effektive Kapazität erhöht werden kann, ohne mehr Ausrüstung zu kaufen.9 Dadurch verbraucht Signum weniger als 0,002 % der Energie von Bitcoin, um die Blockchain und seine Währung Signa zu betreiben und wird als erste wirklich nachhaltige Blockchain der Welt bezeichnet.10 Neben Etherium, Cardano, Signum und Polkadot arbeiten zahlreiche weitere Initiativen an nachhaltigen Alternativen zum klassischen Mining. Beispiele hierfür sind unter anderem Solarcoin, Nano und Chia.

Nachhaltigkeit ist die Zukunft – auch bei Kryptowährungen?

Die Zukunft von Kryptowährungen ist noch sehr umstritten. Wo die einen grenzenloses Potenzial sehen, sehen die anderen nichts als Risiken.11 Man weiß also einfach noch nicht, was die Zukunft mit sich bringt. Das spiegelt sich in allen Bereichen, die mit Kryptowährungen einhergehen, eben auch der Nachhaltigkeit, wider. Da allein die Zukunft von Kryptowährungen per se ungewiss ist, kann auch noch nicht konkret gesagt werden, wie sich das Thema Nachhaltigkeit hier entwickeln wird. Es gibt Tendenzen und Trends, aber wie nachhaltig Kryptowährungen letztendlich wirklich sein werden, steht noch in den Sternen. Wir können also gespannt sein und uns auf die Entwicklungen freuen. Es ist sicherlich ein Thema, was in nächster Zeit nicht so schnell an Bedeutung verlieren wird und was viele Überraschungen bereithält.

Quellen
Felicia Singer

Felicia Singer

ist Wirtschaftswissenschaftlerin und als Business Consultant im Bereich Payments bei msg GillardonBSM tätig.

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