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Digitalisierung im Banking – im Gespräch mit SAP

In unserem Whitepaper "Digitale Roadmap – der Weg zur vollständigen Digitalisierung im Banking" haben wir ein kühnes Zukunftszenario gezeichnet: Im Jahr 2030 wird eine Bank vollständig digital sein. Und eine neue Bank kann innerhalb von 48 Stunden den Betrieb aufnehmen. Im Jahr 2023 klingt das (noch) revolutionär. Zwar sind Projekte zur digitalen Transformation (scheinbar) omnipräsent, doch die Vielfalt der Teilaspekte gleicht immer noch eher vielen kleinen Schritten, als einem stringenten Weg. In unserer Interviewreihe schauen wir in den Markt und sprechen mit unseren Partnern, wie sie diese Entwicklung sehen, was heute schon möglich ist und wo noch Hürden zu überwinden sind.

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Digitalisierung im Banking

Auf den Weg gemacht …

In unserem Whitepaper „Digitale Roadmap – der Weg zur vollständigen Digitalisierung im Banking“ haben wir ein kühnes Zukunftszenario gezeichnet: Im Jahr 2030 wird eine Bank vollständig digital sein. Und eine neue Bank kann innerhalb von 48 Stunden den Betrieb aufnehmen. Im Jahr 2023 klingt das (noch) revolutionär. Zwar sind Projekte zur digitalen Transformation (scheinbar) omnipräsent, doch die Vielfalt der Teilaspekte gleicht immer noch eher vielen kleinen Schritten, als einem stringenten Weg.

In unserer Interviewreihe schauen wir in den Markt und sprechen mit unseren Partnern, wie sie diese Entwicklung sehen, was heute schon möglich ist und wo noch Hürden zu überwinden sind. Das erste Gespräch haben wir mit SAP geführt. Hierin gehen wir von einem Greenfield Approach aus, einer ganz neuen Bank also, die keine „Altbestände“ migrieren muss. Es geht um fertige Referenzprojekte, vorkonfigurierte SAP-Module, den Umzug in die Cloud und vieles mehr.

Die Interviewpartner

Jens Heilmann, Executive Partner Digitale Transformation, msg for banking, und Ivan Monahov, Executive Partner Digitale Transformation, msg for banking, im Gespräch mit Heiko Benisch, Principal Solution Architect, Customer Advisory Service Industries, SAP Deutschland, Thomas Buizinga, Global Head of Corporate Banking, SAP SE und Peter Mortensen, Head of Customer Advisory for Financial Services Industry, SAP Deutschland.

Jens Heilmann: Unsere Story „Onboarding einer Bank in 48 Stunden“ im Jahr 2030 war ja mit Absicht ein bisschen überzogen. Was ist denn heute, also 2023, bei SAP dafür schon vorhanden?

Thomas Buizinga: Banken haben in der Umsetzung von Transformationsprojekten im Vergleich zu anderen Industrien aufgeholt und sind agiler geworden. Wir sollten bei diesen Transformationsmodellen aber nicht vergessen, dass es Unterschiede gibt und geben wird, je nachdem, ob wir über einen „Greenfield Approach“ oder über ein Transformations- beziehungsweise Migrationsprojekt sprechen. Wir alle wissen, wo Mehraufwände entstehen. Dass Banken im Vergleich zu FinTechs oder Non-Banks und Nischenanbietern die gesetzlichen und aufsichtsrechtlichen Anforderungen viel umfänglicher zu berücksichtigen haben, wird bei solchen Vergleichen oft außen vor gelassen.

Banken haben in der Umsetzung von Transformationsprojekten im Vergleich zu anderen Industrien aufgeholt und sind agiler geworden.

Thomas Buizinga Global Head of Corporate Banking, SAP SE

Aber ja – wir haben in den letzten Jahren sehr viel Erfahrungen aus den Kundenprojekten in unsere Lösungen und Technologie einfließen lassen, die unseren Kunden in der Umsetzung schnellerer Projekte helfen. Die Vorteile aus den Cloud-Möglichkeiten kommen im Hinblick auf eine „schnellere Nutzung von Applikationen“ unterstützend hinzu. SAPs klare Cloud-Strategie und mit den damit verbundenen Investitionen – auch auf der Seite unsere Partner im Banking Ecosystem – führt schon heute zu einem einzigartigen Angebot von Cloud-Lösungen für den Bankenbereich.

Das Lösungsportfolio reicht von verschiedenen Cloud-Applikationen im Bereich Bankensteuerung/Backoffice (zum Beispiel SAP S/4HANA), wo SAP ein führender Anbieter ist, über Lösungen für das Bankgeschäft bis hin zu kompletten End-to-end-Banking-Systemen in der Cloud. Dort sind schon heute Lösungen, wie zum Beispiel Cloud for Banking von unserem Partner SAP Fioneer, zu finden.

Das hat bereits verschiedenen FinTechs und Neobanken global geholfen, innerhalb von Wochen ihr Retail-Geschäft komplett zu aktivieren. Vordefinierte Datenmodelle, Integration und vordefinierte Prozesse und Produkt-Templates unterstützen diese Agilität.

Jens Heilmann: Welche Projektbeschleuniger (wie zum Beispiel fertige Referenzprozesse oder vorkonfigurierte SAP-Module) gibt es denn heute schon?

Peter Mortensen: Es gab schon immer Bestrebungen, Projekte zu beschleunigen – auch im reinen On-Premise-Zeitalter. SAP bietet heute zum Beispiel Best Practices im Kontext SAP S/4HANA an. Diese unterstützen Kunden bei der schnelleren Nutzung unserer Produkte. An dieser Stelle kommt aber insbesondere auch unser Partner-Ökosystem zum Tragen. Viele Partner bringen industriespezifische Inhalte, in diesem Fall bankingspezifische, mit ein. Diese Inhalte prägen unsere eigenen, teilweise generischen Lösungen entsprechend branchen- beziehungsweise kundenspezifisch aus. Heißt konkret: Banken können neben den zuvor genannten Produkten im Baukastenprinzip auch Services aus dem Ökosystem verwenden. Das wirkt deutlich projektbeschleunigend, da fertige vorgedachte Standardservices zur Verfügung stehen.

Jens Heilmann: Was ist das für Content?

Peter Mortensen: Hierbei handelt es sich beispielsweise um Datenmodelle, Produkt- und Reporting-Templates, aber auch um vordefinierte Geschäftsprozesse bis hin zu RPA-Bots. Diese Inhalte sind zwar standardisiert, können aber selbstverständlich angepasst werden.

Jens Heilmann: Welche Technologie nutzen Sie?

Thomas Buizinga: Die Kunden haben immer gefordert, die Integrationen mit SAP-Lösungen, Partnerlösungen und Eigenentwicklungen einfacher und schneller zu machen. Das ist, neben vielen anderen, ein Grund, warum SAP sich entschieden hat, die SAP Business Technology Platform (BTP) zu entwickeln. Mit ihrer Hilfe wird die Integration deutlich vereinfacht und darüber hinaus können Innovationen in die Geschäftsprozesse – innerbetrieblich, in übergreifende Wertschöpfungsketten und in Ökosystemen – direkt eingebunden werden (zum Beispiel Machine Learning, RPA-Bots etc.).

Whitepaper "Digitale Roadmap - der Weg zur vollständigen Digitalisierung im Banking"

Eine Bank im Jahre 2030 wird serviceorientiert agieren, ihren Betrieb in die Cloud verlegt haben, regulatorisch sicher sein und dank jederzeitiger Realtime-Informationen für das Management transparent gesteuert werden können. Wie das gehen soll? Das zeigen unsere Experten in unserem Whitepaper.

Jens Heilmann: Was ist Ihr USP beziehungsweise, was hat SAP, was andere Anbieter nicht haben?

Thomas Buizinga: Wir sind in der Lage, die Backoffice-Prozesse end-to-end zu unterstützen, zu optimieren, zu automatisieren und intelligenter zu machen. Und das in 25 Industrien global. Zusätzlich realisieren wir – also SAP-Banking und unsere Partner – gemeinsam mit unseren Kunden Innovationen in speziellen Bankgeschäften und auch holistisch über Geschäftsprozesse. Und zwar auch Prozesse über Unternehmensgrenzen hinaus.

Ich nenne Ihnen mal ein USP-Beispiel aus dem Corporate Banking:

Die Kunden der Banken sind meist auch unsere SAP-Kunden – jeweils in den genannten Industrien. Diese Unternehmen, die sich in einem permanenten Prozess der Finanzierungs- und Liquiditäts-Optimierung in agilen Märkten befinden, benötigen einen engen, effizienten Austausch mit den Banken. Also: SAP im Hause der Bankkunden, mit den relevanten Daten und der Integrationstechnologie zum einen, und SAP in der Bank mit der SAP-Technologie-Plattform für Integration, Datenanalyse, Automatisierung und Innovation zum anderen.

Dieses Beispiel eines USP haben auch unsere Bankkunden global mittlerweile gut erkannt, und sehen die Chancen, die dahinterstehen – nämlich das Bankgeschäft zu verbessern und auszuweiten.

Die SAP-Cloud mit ihren Standardmodulen kann über die SAP Industry Cloud erweitert werden. Zum Beispiel können Anforderungen im Transactional Banking durch das Angebot Cloud4Banking abgedeckt werden.

Jens Heilmann: Bei welchen SAP-Modulen im Kontext Banking sind Sie denn schon sehr weit und bei welchen müssen Sie noch nachlegen?

Heiko Benisch: Gemeinsam mit unserem Partner-Ökosystem sind wir mit führend in Backend-Anwendungen. SAP hat eine klare Cloud Strategie und damit den Fokus auf die Entwicklung von konfigurierbarer Standardsoftware gelegt, verbunden mit der Bereitstellung und Verwendung von marktüblichen Standardschnittstellen.

Mit dem Konzept „Keep the Core Clean“ wird darüber hinaus eine skalierbare „Business Technology Platform“ (BTP) für Erweiterungen beziehungsweise Ergänzungen bereitgestellt. Damit können alle Beteiligten von einer niedrigen TCO profitieren. LOB-Lösungen, in unserem konkreten Fall Bankanwendungen, werden in unserer Industrie-Cloud konzentriert. Alle Partner sind herzlich eingeladen, diese mit Inhalten zu füllen. So stellt unser Partner Fioneer zum Beispiel eine komplette Lösung für das „Transaktionale Banking“ bereit. Die Industry Cloud wächst stetig.

SAP hat eine klare Cloud Strategie und damit den Fokus auf die Entwicklung von konfigurierbarer Standardsoftware gelegt [...]

Heiko Benisch Principal Solution Architect, Customer Advisory Service Industries, SAP Deutschland

Jens Heilmann: Wieviel Prozent einer Bank kann SAP heute abdecken und was ist noch geplant?

Thomas Buizinga, SAP: Schon heute decken wir, gemeinsam mit unseren Partnern, den größten Teil der Bankenprozesse mit intelligenten Lösungen ab. Angefangen vom Marketing, der Anbahnung, Kanäle, Vertrieb, Services und Workforce-Management bis hin zu Core Banking, Commercial Banking, Capital Markets, alles im Bereich CFO und innovativer Technologien und Plattformen.

In einer Keynote im Kontext der ‘Bank der Zukunft’ im Jahr 2022, hat Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Vorstand der Deutschen Bundesbank, ausgeführt, dass das gesamte Finanzsystem modularer werden könnte. Diese Modularität war immer in der DNA unserer Bankenlösungen enthalten und wird es auch bleiben. Die Lösungen liefern somit sowohl für sich als auch verbunden durch die SAP Business Technology Platform in Prozessen genau den Mehrwert für unsere Kunden, wie sie ihn benötigen.

Ivan Monahov: Banken haben unter anderem im Rahmen der MaRisk und BAIT erhöhte Anforderungen an das Auslagerungsmanagement. Wie unterstützt SAP die Banken hierbei und gibt es eventuell sogar eine Freigabe der BaFin?

Peter Mortensen: Eine Vielzahl von Banken nutzen cloudbasierte SAP-Lösungen für kritische Prozesse – sowohl in einer Private als auch in einer Public Cloud. Aufgrund der Kritikalität der genutzten Lösungen werden diese Institute auch regelmäßig von deutschen und europäischen Aufsichten (BaFin/Bundesbank, EBA/EZB) geprüft und konnten diese auch von der Sicherheit und Konformität überzeugen.

Mit diesem gestärkten Vertrauen in die Compliance der SAP-Produkte sehen wir einen starken Trend in eine breitere Nutzung unserer Lösungen, sowie auch eine vereinfachte Argumentation (intern sowie extern in Richtung Aufsicht), weshalb Cloud-Lösungen adäquat On-Premise-Installationen ablösen können.

Ivan Monahov: Früher war es immer schwierig, SAP-Systeme in die gesamte IT-Architektur einzubinden. Hat sich da im Zuge der Umstellung in die Cloud etwas getan?

Heiko Benisch: Mit der Konzentration und der Umsetzung der SAP-Strategie „Keep the Core Clean“ und der Verlagerung von Ergänzung und Erweiterungen auf die BTP, ist es zwingend notwendig, wenn nicht sogar existenziell notwendig, marktübliche Standards zu unterstützen und diese aktiv mitzugestalten. SAP nutzt in diesem Zusammenhang REST-APIs und für den Datenaustausch OData. Der fachliche Rahmen wird dabei mit dem semantischen Layer „Core Data Services“ bereitgestellt und mündet übergreifend in einem „One-Domain-Model“, um Geschäftsprozesse vom Anfang bis zum Ende abbilden zu können. Das alles gibt SAP und ihren Partnern Orientierung und vor allem Investitionssicherheit.

Jens Heilmann: One-Domain-Model und OData hört sich spannend an. Das höre ich zum ersten Mal. Was ist das genau?

Heiko Benisch: Es ist immer eine enorme Herausforderung, aus unterschiedlichen Geschäftsbereichen in einem Unternehmen mit scheinbar gleichen Daten zu arbeiten. Besonders schwierig kann das werden, wenn die Daten aus unterschiedlichen Systemen, von unterschiedlichen Herstellern kommen. Genau dafür soll das „One-Domain-Model“ die Brücke bilden:

  • Übergreifende Definition von Masterdaten
  • Einfache Nutzung über definierte, offene Schnittstellen und damit zukunftssichere Nutzung für Erweiterung und Ergänzung
  • Zugriff auf genau ein Geschäftsobjekt, mit definierten Attributen, dem richtigen Zeitstempel mit allen notwendigen Facetten und Abhängigkeiten
  • Die Basis für analytische Anwendungen und die Nutzung für Anwendungsfälle mit künstlicher Intelligenz

Das spart enorme Aufwendungen bei der Integration und macht die Nutzung in Szenarien mit Echtzeitanforderungen erst möglich.

Jens Heilmann: Ein Onboarding innerhalb weniger Wochen ist schon eine tolle Zwischenbilanz. Was glauben Sie, was 2030 technisch machbar sein wird?

Peter Mortensen: Unsere Vision für die Banken der Zukunft sind flexible, agile und kundenorientierte Organisationen mit einem effizienten Daten- und Prozessmanagement in der Cloud. Dabei wird sich das Gesamtbild stark weiterentwickeln und Technologie wird hier der entscheidende Katalysator für weitere Innovationen sein.

Banken der Zukunft sind flexible, agile und kundenorientierte Organisationen mit einem effizienten Daten- und Prozessmanagement in der Cloud.

Peter Mortensen Head of Customer Advisory for Financial Services Industry, SAP Deutschland

Das Angebot und die Nachfrage von und nach weiteren Cloud-Services wird weiter zunehmen. Wir befinden uns hier noch am Anfang. Banken werden Bereiche, in denen sie sich von ihrem Wettbewerb nicht differenzieren, zunehmend standardisieren und hierzu auf Cloud-Angebote zurückgreifen. Indem sie Themen wie Sicherheit, Nachhaltigkeit sowie erforderliche Expertise in Form von eigenen Fachkräften, Stichwort Fachkräftemangel, adressieren, werden Banken zunehmend resilienter. Zudem schafft es den Banken Raum, sich auf die eigentliche Kundeninteraktion und die Beratung zu fokussieren. Hier können sich Banken weiter von ihrem Wettbewerb abheben.

Die Standardisierung und die kurzfristige Verfügbarkeit und Konsumierbarkeit von Services wird 2030 deutlich weiter fortgeschritten sein. Das kurzfristige Bereitstellen von kompletten, vollumfänglichen Lösungen zum Abbilden aller Geschäftssparten einer Universalbank wird hingegen weiter eine Herausforderung sein. Insbesondere wenn eine gewisse Kundenindividualisierung erforderlich ist. Die Bereitstellung von Lösungen für einzelne Sparten out of the box in Form von standardisierten Cloud-Services wird aber sicherlich weiter zunehmen und zunehmend vereinfacht konsumierbar sein.

Jens Heilmann: Vielen Dank für das offene Gespräch und die spannenden Einblicke. Wir freuen uns darauf, als Partner von SAP gemeinsam die Zukunft des Bankings zu gestalten.

msg for banking und SAP for Banking: Gemeinsam schaffen wir effiziente Geschäftsprozesse für Ihren Erfolg

Die IT-​Architekturen im Umfeld der Gesamtbanksteuerung werden immer komplexer. Hohe Anforderungen an Accounting, Risikomanagement, Regulatory Reporting und Treasury stehen veralteten Legacy-​Anwendungen auf überholter Technologie gegenüber. Die Betriebskosten für Banken steigen dadurch unaufhaltsam an.

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Jens Heilmann

Jens Heilmann

leitet bei msg for banking den Bereich für Process Excellence und berät zum Thema Prozessdigitalisierung in der Finanzbranche.

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