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Teuer, nervig, unverständlich? ADC/IPRE/Nicht-IPRE – Klassifizierung nach CRR III

Die ADC-/IPRE-Klassifizierungen unter CRR III erhöhen durch ihre einhergehenden Risikogewichtungen die Kapitalkosten von Kreditinstituten und treiben Kosten (unnötig) in die Höhe. Wir sind der Meinung: Eine präzise Klassifikation, korrekte Risikogewichtsermittlung und ein darauf abgestimmtes Pricing sind entscheidende Stellschrauben für eine intelligente Gesamtbanksteuerung.

ADC-/IPRE-Klassifizierung nach CRR III

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Blitzlicht

CRR III erhöht den Druck auf Kapitalpuffer

Mehrere Kreditinstitute, insbesondere regional tätige Häuser mit hohem Anteil an Immobilienfinanzierungen, berichten neuerdings, dass der neue Kreditrisikostandardansatz (KSA) gemäß CRR III die Kapitalquoten abgesenkt hat1. Ein identifizierter Treiber ist ausgemacht: die neuen regulatorischen Vorgaben (ADC-/IPRE-Klassifizierung) bei eben jenen Immobilienfinanzierungen (ADC/IPRE).

Es stellt sich die Frage: Muss das so sein? Wir sind der Meinung: Nicht zwingend.

Wann liegen nach CRR III ADC-/-IPRE-Immobilienfinanzierungen vor?

Die Antwort liefert die CRR III selbst: sie schärft die Anforderungen an Immobilienfinanzierungen deutlich und stellt die Frage der Klassifikation in den Mittelpunkt. Ob ein Engagement als ADC (Acquisition, Development, Construction) oder als IPRE (Income Producing Real Estate) eingestuft wird, entscheidet unmittelbar über das anzuwendende Risikogewicht (RWA) – und damit über die erforderliche Höhe der Kapitalunterlegung.

Doch warum ist das so relevant? Die CRR III gibt vor, bei den ADC und IPRE mit hohen Basis-Risikogewichten zu starten. Deren Reduktion ist nur dann zulässig, wenn sämtliche, teils eng definierte, Kriterien erfüllt sind.

Damit wird die Klassifikation selbst zur entscheidenden Weiche: Schon kleine Unschärfen – etwa bei der Abgrenzung zwischen IPRE und Nicht-IPRE – führen zu höheren RWAs und damit zu einer spürbaren Belastung des Kapitalpuffers.

Welche konkreten Anforderungen CRR III an ADC, IPRE und Nicht-IPRE stellt, zeigen die Beiträge von Danner & Ndoj (2025), Helbig (2025) sowie Puckhaber (2024) auf.

Präzisere Klassifikation und Pricing schaffen Spielräume

Die höheren Risikogewichtungen, die mit ADC/IPRE klassifizierten Immobilienfinanzierungen verbunden sind, wirken zwar unmittelbar auf die Eigenkapitalquote, doch viele Institute schöpfen die vorhandenen Steuerungsmöglichkeiten noch nicht konsequent aus.

Eine präzisere Klassifikation, die korrekte Ermittlung der Risikogewichtung (IPRE bedeutet nicht gleich IPRE) und ein darauf abgestimmtes Pricing können die negativen Effekte deutlich abmildern.

Genau an dieser Stelle beginnt der betriebswirtschaftliche Gestaltungsspielraum, den die CRR III zwar enger fasst, aber keineswegs vollständig verschließt. Ein reines Zurückfahren des Neugeschäfts – wie es laut Kohlhaus et al. (2026) einige Institute in Erwägung ziehen – ist dagegen eine teure und wenig nachhaltige Reaktion.

Effektiver ist es, die vorhandenen Stellschrauben konsequent zu nutzen und damit Kapitalpuffer und Profitabilität aktiv zu steuern.

Vier konkrete Steuerungsmaßnahmen: Wie Institute ihre Kapitalpuffer aktiv schützen können

  1. Präzise Klassifikation. Wer Kreditengagements sauber in ADC/IPRE/Nicht‑IPRE abgrenzt, verhindert Fehlklassifikationen und unnötige RWAs. Das reduziert Nacharbeit in Marktfolge und Meldewesen und schafft eine belastbare Grundlage für Kapitalsteuerung und Pricing.
  2. Qualitativ hochwertige Dokumentation. Wer LTV (Loan-To-Value), DSCR (Debt Service Coverage Ratio), Cashflows und Sicherheiten klar begründet und nachvollziehbar dokumentiert, schafft Prüfsicherheit und ermöglicht die Nutzung von Reduktionskriterien. Dadurch sinken Rückfragen, und Risikogewichte werden verlässlicher und steuerbarer.
  3. Angepasstes Pricing. Wer Kapitalkosten – also RWA‑basierte Kosten – transparent in die Kondition integriert, erkennt früh, welche Margen erforderlich sind und wie sich unterschiedliche Szenarien (IPRE vs. Nicht‑IPRE) wirtschaftlich unterscheiden. Pricing wird so zum aktiven Instrument der Kapital- und Risikopuffersteuerung.
  4. Aktive Steuerung. Wer zentrale Parameter wie Beleihungsauslauf, Covenants, Tilgungsstrukturen und Sicherheiten gezielt gestaltet, kann Risikogewichte reduzieren und unnötige Kapitalbindung vermeiden. Kleine Anpassungen erzeugen so spürbare Effekte auf RWA, Eigenkapitalquote und Gesamtbanksteuerung.

Fazit und Einladung zum offenen Austausch

CRR III setzt zwar enge regulatorische Rahmenbedingungen, doch innerhalb dieser Grenzen bestehen klare und wirksame Gestaltungsmöglichkeiten.

Institute, die Klassifikation, Dokumentation, Parametersteuerung und Pricing konsequent miteinander verzahnen, müssen ihr Neugeschäft nicht zurückfahren. Vielmehr können sie ihre Risikogewichte aktiv steuern, Kapitalpuffer stabilisieren und gleichzeitig ihre Profitabilität sichern – durch Struktur, Klarheit und bewusste Entscheidungen.

Gerade deshalb lohnt der offene Austausch: Wie nutzen Institute diese Spielräume bereits heute? Welche Herausforderungen gibt es bei der Abgrenzung zwischen IPRE und Nicht‑IPRE? Welche Auswirkungen hat die Klassifikation auf Beratung, Meldewesen und Pricing – und welche Lösungen haben sich bewährt? Wir sind überzeugt: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Erfahrungen zu teilen und CRR III nicht nur zu erfüllen, sondern aktiv für eine bessere Steuerung zu nutzen.

Veranstaltungstipp

16. März 2026 | Offener Austausch – ADC/IPRE/Nicht-IPRE – Klassifizierung nach CRR III | Online-Veranstaltung

Quellen
Dr. Fabian Eska

Dr. Fabian Eska

konzipiert und verantwortet bei msg for banking Softwarelösungen für diverse Bankbereiche. Damit gestaltet er die nachhaltige Zukunftsfähigkeit von Banken mit. Der promovierte Wirtschaftswissenschaftler (Finance) hat bereits in wissenschaftlichen Fachzeitschriften, unter anderem zu aktuellen Themen aus dem Bereich FinTech, publiziert.

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