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MaRisk 2026 – Ausblick auf die Neuausrichtung

Die 9. MaRisk-Novelle markiert einen der größten strukturellen Umbauten seit Jahren. Dabei werden zwei Hauptziele verfolgt: Komplexitätsabbau und Stärkung der Proportionalität. Zu diesem Zweck erfolgt eine Straffung der bestehenden Regelungen und ein stärker risikoorientiertes Vorgehen, das den beaufsichtigten Instituten zukünftig mehr Eigenverantwortung einräumt.

MaRisk

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9. MaRisk-Novelle: Überblick und Hintergrund

Mit der Aufsichtsmitteilung vom 26.11.2024 hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Auslegung des Proportionalitätsgedankens konkretisiert und den Weg geebnet für eine Risiko-orientiertere aufsichtliche Prüfungspraxis. Das Aufsichtshandeln soll stärker am Prinzip der Verhältnismäßigkeit ausgerichtet werden, indem Öffnungsklauseln für kleine Institute explizit benannt werden.

Im Digitalen Aufsichtsbriefing vom 05.02.2026 wurde die geplante Entlastung kleinerer Institute (LSI) durch die Ausweitung der Proportionalität und die Straffung aufsichtlicher Prozesse avisiert. Darüber hinaus strebt die BaFin ein stärkeres Prinzipien- und Risikoorientiertes Vorgehen an, das sich weniger als bisher an starren Checklisten orientiert.

9. MaRisk-Novelle

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Mit der 9. Novelle werden nun die Neuerungen der Aufsichtsmitteilung vom 26.11.2024 in die MaRisk integriert und der Anwendungsbereich nachgeschärft. Zukünftig sollen kleine und weniger komplexe Institute von administrativen Anforderungen entlastet werden, um den bürokratischen Aufwand zu verringern. Gleichzeitig soll die Neuregelung sicherstellen, dass die Intensität der aufsichtlichen Prüfung flexibel an das jeweilige Risikoprofil und die Größe des Instituts angepasst werden kann.

Darüber hinaus erfolgt mit der Neufassung eine Komplexitätsreduktion durch deutliche Verschlankung des Aufsichtstextes, einerseits durch Herausnahme von Redundanzen, andererseits auch durch eine weniger granulare und stärker prinzipienorientierte Formulierung. Dies soll kleinen und mittelgroßen Instituten zusätzliche Freiräume eröffnen, erfordert aber auch mehr Eigenverantwortung in der Auslegung der Vorschriften.

Verbunden mit dem neuen Ansatz, zusätzliche Erleichterungsregelungen aufzunehmen, werden bedeutende Institute (significant Institutions, SI) aus dem Anwendungsbereich der MaRisk herausgenommen. Für SIs gelten ohnehin die strengen Leitlinien der EBA, die von der EZB übernommen werden.

Neuerung im Entwurf der 9. MaRisk-Novelle (MaRisk 2026)

Fazit und Handlungsbedarf

Die BaFin vollzieht mit der neuen MaRisk-Novelle einen Paradigmenwechsel: den Instituten werden weniger detaillierte Vorgaben gemacht, so dass sich mehr Ermessensspielraum für die Auslegung des Regelwerks eröffnet. Die schlankere und prinzipienorientierte Formulierung der Regelungen geht mit einer Komplexitätsreduktion einher. Zudem ermöglicht die neue Institutsklassifizierung die Nutzung zahlreicher Öffnungsklauseln – spezielle für kleine und sehr kleine Institute – d.h. das Proportionalitätsprinzip wird gestärkt.

Gleichwohl bringt die MaRisk-Novelle auch Herausforderungen mit sich, da sowohl Entscheidungsträger in den Instituten als auch Prüfer tendenziell mehr Ermessensentscheidungen abverlangt wird.

Da es sich überwiegend um Erleichterungen handelt, wird erwartet, dass die MaRisk-Novelle mit Inkrafttreten unmittelbar und ohne Übergangsfristen wirksam wird.

Wir empfehlen allen BaFin-beaufsichtigten Instituten, sich mit den Neuregelungen zeitnah zu beschäftigen, da sich Anpassungsbedarfe und Potenziale zur Vereinfachung ergeben. Durch adäquate Nutzung der neuen Regelungen können Gestaltungsfreiräume geschaffen und Kosten gesenkt werden. Darüber hinaus ergeben sich punktuell auch Anpassungsbedarfe mit signifikantem Aufwand, beispielsweise bei der konsistenten Berücksichtigung von IKT-Risiken im OpRisk und der Erstellung eines Auslagerungsregisters.

Sehr gerne unterstützen wir Sie bei Ihrem Vorhaben.

Quellen
Dr. Jochen Krebs

Dr. Jochen Krebs

ist promovierter Mathematiker mit Diplomen in Mathematik und Betriebswirtschaft. Er ist Financial Risk Manager und verfügt über langjährige Berufserfahrung in verschiedenen Positionen in der Branche Banking. Sein Fokus liegt auf den Themen Risikomanagement, Gesamtbanksteuerung und Finanzmathematik. Er berät Banken zu diesen Themen und ist als Referent und Autor tätig.

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