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Sieben Gründe, warum Process Mining die Zukunft der Banken signifikant beeinflussen wird

Wird Process Mining die Zukunft der Banken signifikant beeinflussen? Unser Experte Mathis Manz ist davon überzeugt und liefert sieben Gründe, die seine These dabei unterstützen. Welche Konsequenzen sollten Banken daraus schließen? Unser Blogbeitrag liefert die Antworten.

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Process Mining

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Ein Blogbeitrag aus unserer Serie „Banking der Zukunft“

Process Mining? Haben Sie schon mal davon gehört? Wenn ja, Glückwunsch. Dann zählen Sie auf jeden Fall zu den First Followern oder sogar zu den Early Adoptern. Wenn nicht: Keine Sorge, es ist zunächst einmal ganz einfach. Process Mining „kartografiert“ und visualisiert Ihre gelebten Geschäftsprozesse auf Basis der digitalen Fußspuren (dazu unten mehr). Denken Sie zum Beispiel an ein Röntgengerät. Wie gut, dass der Arzt die Operation nicht auf Basis dessen durchführen muss, was er in einem Workshop „erarbeitet“ oder „ertastet“ hat oder sogar nur „annimmt“, nicht wahr? Sondern dass er auf Basis eines tatsächlichen, millimetergenauen Abbildes Ihres Körpers, arbeiten kann. Genau das ist Process Mining.

1. Process Mining ist vermutlich bereits in Ihrer Bank – ohne, dass Sie es wissen

Der Process-​Mining-Markt wächst: Laut Gartner umfasst er 2022 weltweit bereits mehr als 1 Mrd. $, mit 40 bis 50 % Wachstum pro Jahr bis 2025. Und das nur bezogen auf die eigentliche Software. Beratungs-​ und Implementierungsleistungen kommen noch on top. Auch die Bewertungen schießen durch die Decke: Der Marktführt Celonis erlangte 2021 eine Bewertung von 11 Mrd. $ und ist damit das erste deutsche „Dekakorn“.

Der Process-​Mining-Markt konsolidiert sich: Sowohl Anbieter komplementärer Technologien wie RPA, aber auch etablierte Banking-​Software-Anbieter drängen in den Markt, meist durch Zukäufe von Startups. Die Liste ist lang: UiPath, das mit RPA groß wurde, kaufte 2019 die Firma Process Gold, um künftig RPA und Process Mining aus einer Hand anbieten zu können. Die Schwergewichte SAP und IBM verstärkten sich ebenfalls durch Zukäufe: Beide erwarben 2021 Process-​Mining-Startups (myInvenio zu IBM, Signavio zu SAP), der letztere Zukauf war SAP sogar angeblich 1 Mrd. $ wert. Ende März 2022 gab Celonis die Akquisition des Konkurrenten PAFnow für 100 Mio $ bekannt und Microsoft übernahm minit. Es wird sicherlich nicht der letzte Deal bleiben.

Für Sie als Entscheiderin oder Entscheider: Es ist gut möglich, dass Sie bereits einen Process-​Mining-Anbieter in Ihrer Bank einsetzen, ohne dass Sie es bislang wissen. Sie setzen damit auf eine Technologie, in die viel Geld investiert wird und die fortlaufend neue Features zur Verfügung stellt.

2. Process Mining ist neu und trotzdem marktreif

Die Anfänge von Process Mining gehen auf die 2000er Jahre zurück, wo die Technologie jedoch vor allem im akademischen Kontext diskutiert wurde. Wirklich marktreif ist Process Mining, wie andere stark datenbasierte Technologien auch, aber erst seit knapp zehn Jahren. Ein Beispiel: Im Jahr 2011 umfasste die erste Process-​Mining-Analyse des heutigen Marktführers Celonis rund ein paar hundert Datensätze. Heute gibt es Installationen, die mehrere Millionen Datensätze analysieren – und das höchst performant.

Im DACH-​Banking ist Process Mining noch bei den „First Followern“, geht aber gerade in die „Early Majority“ über. Nutzer sind die Tier-1-Banken, einzelne Sparkassen oder kleinere Banken. Doch das Interesse wächst, nicht zuletzt, da nun zunehmend auch die Voraussetzungen im Banking vorliegen (siehe Grund 3). Zudem stehen die Sparkassen-​Verbünde in Deutschland und Österreich vor der Tool-​Auswahl beziehungsweise der Einführung.

Für Sie als Entscheiderin oder Entscheider: Mit Process Mining können Sie noch deutliche Wettbewerbsvorteile erzielen. Sie sind aber kein „Versuchskaninchen“ mehr, sondern können bereits von ersten Erfahrungen der Branche profitieren.

3. Standard-​Software und modernisierte IT hinterlassen „Digitale Fußspuren“

Auch wenn es die Anbieter von Process-​Mining-Tools gerne anders verkaufen: Ein Mining von alten, gerne auch selbstentwickelten Legacy-​Anwendungen ist meist nur mit aufwendigem Nachrüsten möglich. Denn die wichtigste Voraussetzung für den Einsatz von Process Mining heißt: Die digitale Fußspur. Diese Prozess-​Fußspur setzt sich aus drei Elementen zusammen: Einer ID (z. B. ein spezifischer Kreditantrag), eine Aktivität (z. B. Bonitätsprüfung) und einem Zeitstempel. Auf Basis dieser Elemente wird der Prozess digital rekonstruiert und das eigentliche „Mining“ überhaupt erst möglich. Diese Voraussetzung war und ist der wesentliche Grund, weshalb die Adoptionsrate im Banking bislang wesentlich geringer ausfiel als beispielsweise in der Industrie. Digitale Fußspuren waren in aller Regel keine Anforderungen an Banking-​Software.

Doch die Voraussetzungen ändern sich: Durch die zunehmende Modernisierung der IT und dem Umstieg auf Standardsoftware (deren Anbieter dann gerne auch bereits über eine eigene Process-​Mining-Lösungen verfügen, siehe oben) liegen immer mehr digitale Fußspuren vor und entstehen immer mehr Standard-​Konnektoren, mit denen erste Ergebnisse mitunter in weniger als einer Woche erzielt werden.

Für Sie als Entscheiderin oder Entscheider: Nehmen Sie digitale Fußspuren und die Frage nach Standard-​Process-Mining-Konnektoren auf Ihren Entscheidungskatalog bei der Entwicklung oder dem Kauf neuer Software.

4. Die Banken-​Konsolidierung schreitet immer weiter voran und erzeugt „Datenfutter“

Die Ursprünge von Process Mining konzentrierten sich auf die reine „Process Discovery“: Das Aufzeigen des IST-​Prozesses und die detaillierte Prozess-​Analyse. Moderne Tools gehen aber alle einen Schritt weiter. Sie ermöglichen es, mithilfe von Machine Learning und KI-​Komponenten und auf Basis der analysierten Daten, Voraussagen über „bessere“ Prozess-​Pfade zu treffen. Die Deutsche Telekom lässt sich beispielsweise mit diesem Satz zitieren: „Unser Ziel ist es, dass künftig unsere Mitarbeiter nur noch in den Prozess eingreifen, wenn Process Mining es ihnen empfiehlt.“

So sorgt nicht nur die Modernisierung der IT für eine steigende Adoptionschance, sondern auch die Konsolidierung der Bankenwelt an sich. Denn: Immer weniger Banken bedeutet immer größere Institute und immer höhere „Schlagzahl“ in den Prozessen. Damit immer mehr „Datenfutter“ und die Möglichkeit, belastbare statistische Aussagen zu treffen und Machine Learning Algorithmen einzusetzen.

Für Sie als Entscheiderin oder Entscheider: Konzentrieren Sie sich auf Prozesse mit ausreichend hoher Schlagzahl und/oder hoher Komplexität.

5. Niedrige Rentabilität erfordert immense Effizienz-​Steigerungen

Banken kämpfen um ihr Überleben. Laut BaFin (12/2020) befindet sich die Rentabilität auf einem „Rekordtief“1 . Die Lösungsformel – weniger FTE und/oder mehr Geschäftsvolumen – ist simpel, ihre Umsetzung jedoch eine Mammutaufgabe. Eine essenzielle Aufgabe dabei ist es, Verschwendung, das heißt nicht wertschöpfende Prozessschritte, zu reduzieren. Process Mining leistet hier den wichtigen Beitrag, als „Röntgengerät“ Transparenz in die Prozesse zu bringen und Verschwendung zu erkennen.

Aber nicht nur das: Häufig ist es für Entscheiderinnen und Entscheider eine große Herausforderung, ihre beschränkten (Personal-​)Ressourcen optimal einzusetzen. Dank der datenbasierten Analysen zeigt Process Mining genau, welchen Impact eine Optimierungsmaßnahme voraussichtlich haben wird.

Für Sie als Entscheiderin oder Entscheider: Process Mining zeigt Ihnen faktenbasiert Verschwendung auf und hilft Ihnen, Ihre beschränkten Ressourcen optimal einzusetzen.

6. Compliance gewinnt immer stärkere Bedeutung

Weltweit geben Banken jährlich zweistellige Milliardenbeträge für Compliance aus – sei es, um die Compliance aufrecht zu erhalten, sei es für Strafzahlungen, weil die Compliance nicht ausreichend war (PWC 2022)2 . Die Prozess-​Transparenz durch Process Mining erlaubt es nicht nur, Effizienzen zu steigern (siehe Grund 5), sondern auch Strafzahlungen zu vermeiden – durch präventives, systemübergreifendes Monitoring und Alerting. Wurden die Prozessreihenfolgen eingehalten? Wurden alle notwendigen Checks durchlaufen? In der erforderlichen Zeit und Regelmäßigkeit?

Für Sie als Entscheiderin oder Entscheider: Mit Process Mining können Sie SOLL-​IST-Prozessabgleiche präventiv und jederzeit per Knopfdruck vornehmen – und somit Abweichungen erkennen, bevor es die Aufsicht tut.

7. Kunden und Mitarbeitende erwarten von Banken Prozesse auf „Google Maps“ Niveau

Als Google anfing, mit seinen kleinen Autos und den aufgepflanzten Kameras durch die Straßen zu fahren, sorgte es bei den einen für Belustigung, bei den anderen für Empörung (Datenschutz!). Heute ist Google Maps die Benchmark für jedes Navigationssystem und hat zahlreiche Anbieter aus dem Markt gedrängt.

Die Disruption in der „Customer Experience“ umfasst auch die Banking Branche. Die Schlagworte: Geschwindigkeit und Komfort. Dauert ein Onboarding-​Prozess oder die Kreditentscheidung zu lange oder sind die Formulare und Masken zu kompliziert, steht die Konkurrenz schon mit offenen Armen bereit, um die Neukundin, den Neukunden aufzunehmen. Einen ähnlichen Anspruch entwickeln auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: Sind die internen Prozesse zu mühsam und kompliziert, wirkt sich das negativ auf die Zufriedenheit und Mitarbeiterbindung aus.

Für Sie als Entscheiderin oder Entscheider: Entwickeln Sie ein „Google Maps für Banking-​Prozesse“. Kartografieren Sie Ihre Prozesslandschaft. Gewinnen Sie so ein tatsächliches Bild über die vorhandenen Schnell-​ und Nebenstraßen. Lassen Sie sich in Echtzeit über „Staus“ oder „Baustellen“ informieren. Und entwickeln Sie darauf aufbauend Algorithmen, die jederzeit den optimalen Weg vorschlagen. Für Banking-​Prozesse, die Ihre Kundinnen und Kunden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lieben.

Fazit

Die sieben oben geschilderten Gründe zeigen deutlich: Process Mining wird auch die Zukunft der Banken signifikant beeinflussen. Die Gründe reichen von Kosteneinsparungen durch transparente und effiziente Prozesse über aufsichtsrechtliche Sicherheit bis hin zu einer gesteigerten Customer Experience.

Es gilt, idealerweise als First Follower, die Vorteile dieser neuen und dennoch marktreifen Technik zu nutzen. Ein „Röntgengerät“, das reibungsfreie, vorhersagbare Prozesse mit optimalem Kosten-/Nutzen-​Verhältnis ermöglicht.

Für weitere Informationen zum Thema „Process Mining“ besuchen Sie unsere Webseite oder nehmen Sie direkt Kontakt mit unserem Experten und Autor Mathis Manz auf.

Quellen
Blitz auf schwarz

Sind Sie bereit für das Banking der Zukunft?

Die Spielregeln einer gesamten Branche werden neu definiert. Wie müssen sich Banken JETZT aufstellen, um für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet zu sein? Diese Frage steht im Fokus unserer Serie Banking der Zukunft.

Mathis Manz

Mathis Manz

hat einen Master in Wirtschaftsinformatik an der TU München. Als Abteilungsleiter treibt er bei msg GillardonBSM die Themen Prozess-Exzellenz und Business Driven ALM (Application Lifecycle Management) voran. Seine Schwerpunkte sind Process Mining, RPA, BPM Systeme und Input Management Lösungen, insbesondere im Umfeld von Vertriebs-, Einkaufs- und ITSM-Prozessen.

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