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PSD2 und Open Banking: Das neue Banking-Zeitalter verstehen und nutzen

Die Ära der Digitalisierung, der Markteintritt zahlreicher FinTechs und die PSD2-​Regulierung - vieles ist zwischen dem traditionellem Bankengeschäft und der Entwicklung von Open Banking APIs passiert. Schaffen es Banken im digitalen Alltag noch mit Kunden in Kontakt zu kommen, wie es früher über die Bankfiliale der Fall war? Oder übernehmen die jungen FinTechs die Schnittstelle zum Kunden?

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PSD2 und Open Banking: Das neue Banking-Zeitalter verstehen und nutzen

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Woher kommen die Treiber für diese Veränderungen? Wohin führen sie den Markt und was müssen Banken tun, um im Markt präsent zu bleiben? Ein Blick auf die Entwicklung der Finanzgeschäfte hilft uns die Tendenzen des Markts zu verstehen und zu wissen, was auf uns zukommen wird. Eines ist klar: Jetzt ist es Zeit für Banken aktiv zu werden!

Vom “traditionellen Bankgeschäft” über PSD2 bis hin zu digitalen Ökosysteme

Früher waren wir an ein reines offline Banking gewöhnt und mussten in der Bankfiliale Schlange stehen, um eine Überweisung zu tätigen oder mit dem Kundenberater sprechen zu können. Services im traditionellen Bankgeschäft fanden hauptsächlich in den Filialen der Banken statt und Finanzdienstleister boten zumeist nur hauseigene Produkte und Dienstleistungen an (siehe Abbildung 1).

PSD2 und Open Banking

Abbildung 1: Traditionelles Bankgeschäft

Es ist Zeit für Banken aktiv zu werden.

Durch die Einführung des e-Bankings, z.B. Online- oder Mobile-Banking können wir jederzeit unsere Bankgeschäfte bequem von zu Hause aus oder unterwegs erledigen. In der Digital-Banking Welt, sind die APIs die interne Schnittstelle zwischen den Bankprodukten und dem Kernsystem eines Finanzdienstleister (siehe Abbildung 2). Um die Kundenbedürfnisse zu decken, können Banken ihren Kunden jederzeit neue Produkte durch „API powered“ Kanäle anbieten. Das bedeutet jedoch, je mehr Produkte angeboten werden, desto mehr APIs müssen verwaltet werden. Um weiterhin die Qualität der vielfältigen APIs zu gewährleisten, empfiehlt sich ein API-Management-System, das die Verwaltung des gesamten Lebenszyklus unterstützt – von der Entwicklung, über die Absicherung der Schnittstellen bis hin zur Überwachung und Analyse.

PSD2 und Open Banking

Abbildung 2: Digital Banking (Interne APIs)

Seit einigen Jahren rücken Drittdiensteanbieter immer schneller in den Markt und verkaufen innovative Bankprodukte an den Kunden. Insbesondere durch die Umsetzung der PSD2 hat sich dieser Trend erheblich verstärkt. Wie in Abbildung 3 dargestellt, wird den Drittdiensteanbietern im Rahmen der PSD2 durch APIs Zugriff auf Kunden- und Transaktionsdaten gewährt und die Auslösung von Zahlungen mit dem Einverständnis des Kunden ermöglicht. Dadurch können neue Services oder Kombinationen von Dienstleistungen, Funktionen und Daten zwischen Banken und Drittdiensteanbietern entstehen, wie z.B. personalisierte Kreditangebote anhand der aus den Konteninformationen berechneten Risiken.

PSD2 und Open Banking

Abbildung 3: PSD2 Complicance Only (XS2A API)

Die zunehmenden Interaktionen zwischen Banken und FinTechs, die durch Kombination und Austausch von Services entstehen, bedeuten auch eine stark zunehmende Nutzung der externen APIs. Der Aufbau einer organisierten Open API-Plattform kann dabei helfen, den Zugriff mit standardisierten APIs zu erleichtern. Denn damit lassen sich passende APIs durch einen strukturierten API-Katalog finden und mit Hilfe verprobter Onboarding-Prozesse in verschiedenste Zielsysteme integrieren.

Wie in der Abbildung 4 dargestellt, können Banken mit einer eigenbetriebenen Plattform auf der einen Seite durch die API-Monetarisierung und Plattformnutzung profitieren, auf der anderen Seite ihren Kunden den Zugang zu den innovativen Services gewährleisten, ohne den Kundenkontakt zu verlieren. Dies führt zu einer noch stärkeren Kundenbindung. Die Drittdiensteanbieter können durch Plattformen ihre Kundenreichweite vergrößern und höhere Erlöse realisieren. Die Kunden können weiterhin bei ihrer vertrauten Bank bleiben und gleichzeitig attraktive Zusatzangebote von verschiedenen Anbietern unter dem Schutz der hohen Bankensicherheitsstandards genießen.

PSD2 und Open Banking

Abbildung 4: Open Banking Plattform

Die Plattform kann auch außerhalb der Banking Branche für weitere Akteure des Finanzsektors wie Versicherungen und InsurTechs oder auch für andere Industrien wie z.B. für Automobilunternehmen geöffnet werden. Wie in der Abbildung 5 dargestellt, entstehen im Markt viele verschiedene Plattformen. Jede Plattform ermöglicht den Austausch und Kombinationen von Services innerhalb einer Branche oder eines Bereichs. Gleichzeitig sind die Plattformen nicht isoliert, sondern durch Open APIs vernetzt – nicht nur innerhalb des Bankings, sondern auch im gesamten Finanzdienstleistungssektor und darüber hinaus. Open APIs bilden daher das Fundament für eine offene Datenökonomie. Die Integration verschiedener Plattformen und der damit einhergehende branchenübergreifende Datenfluss bilden zusammen ein Digitales Ökosystem.

PSD2 und Open Banking

Abbildung 5: Digitales Ökosystem

Die Finanzbranche ist in einem ständigen Wandel. Insbesondere durch die Öffnung der Bankservices für Drittdiensteanbieter geht der Weg weg von den Datenmonopolen der Banken hin zu kooperationsgetriebenen digitalen Finanzökosystemen, in denen Einzelkämpfer keine gute Chance haben. Die OpenAPI „lebt“ vom Zusammenspiel verschiedener Akteure mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Digitale Ökosysteme basieren auf dem Zusammenspiel zweier wesentlichen Rollen, nämlich der des Producers von Finanzdienstleistungen/-produkten und der des Plattformbetreibers. Die Entscheidung welche Rolle ein Marktteilnehmer einnimmt hängt von den eigenen Stärken und Strategien ab. Wenn die Stärke in der effizienten Generierung eigener Produkte liegt, kann man den Markt mit innovativen, spezialisierten Finanzservices im Sinne eines „Producers“ versorgen. Wenn außerhalb der eigenen Services noch ein großes Kunden- und Partnernetzwerk vorhanden ist, kann man darauf eine Plattform aufbauen, auf der sich diverse Produkte, Partner und Kunden treffen. Deshalb ist es für Banken, die heute bereits ein großes Angebot an API-basierten Financial Services und eine breite Kundenbasis besitzen, besonders vorteilhaft eine eigene Plattform aufzubauen. Das API-Programm von der Deutsche Bank ist ein gutes Beispiel für eine Möglichkeit die APIs zu monetarisieren und gleichzeitig ein API-Netzwerk aufzubauen.  Der breite Zugang zu Bank-APIs auf der einen Seite und der Wettbewerb mit anderen Producern und Plattformbetreibern auf der anderen Seite fördert Innovation und schafft völlig neue Möglichkeiten für die Interaktion zwischen Banken, Service-Anbietern und (End-) Kunden.

Die Zukunft der Finanzgeschäfte gehört den Ökosystemen.

Die erwähnten Rollen, Producer und Plattformbetreiber, sind zwei unterschiedliche Positionen im Markt, die sich jedoch nicht ausschließen müssen. Eine Kombination aus beiden Positionen kann je nach den vorhandenen Stärken ebenfalls sinnvoll sein. Wichtig ist, dass sich jeder seiner Stärken bewusst sein muss und eine dazu passende, klare Strategie definiert. Denn eine Positionierung, die im Einklang mit eigenen Stärken ist, ist eine starke Positionierung.

„Kann ich es dir paypalen?“ anstatt „Ich muss kurz zur Bank“. Von Offline-Bankgeschäften, für die jeder immer mal wieder zur Bank musste, bis hin zu Online-Finanzservices, die von verschiedenen Anbietern zu uns aufs Handy gebracht werden: Die Welt der Finanzdienstleistungen wandelt sich ständig. Nun gehört die Zukunft der Finanzgeschäfte den Ökosystemen mit ihren branchenoffenen Datenflüssen.

Blitz auf schwarz

Sind Sie bereit für das Banking der Zukunft?

Die Zukunft des Bankings hat bereits begonnen. Und der disruptive Wandel der Branche Banking schreitet weiter voran. Treiber sind vor allem der Einsatz Künstlicher Intelligenz, der Ausbau von Plattformökonomien und das Eindringen von FinTechs in klassische Bankdienstleistungen. Die Spielregeln einer gesamten Branche werden neu definiert. Wie müssen sich Banken JETZT aufstellen, um für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet zu sein? Diese Frage steht im Fokus unserer Serie Banking der Zukunft.

Ruijue Zhu

ist als Business Consultant im Bereich ITC Payments bei msg GillardonBSM tätig.

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