Digitales Aufsichtsbriefing der BaFin: Fokus auf Governance und Proportionalität
Unsere Analyse des digitalen Aufsichtsbriefings 2026 der BaFin beleuchtet die strategische Verschiebung hin zu mehr Proportionalität und einer prinzipienorientierten Aufsicht (9. MaRisk-Novelle). Im Fokus stehen die steigenden Anforderungen an die Governance-Professionalität von Vorständen sowie die Bewältigung systemischer Risiken durch Geopolitik, NPL-Anstiege und DORA. Gleichzeitig werden operative Erleichterungen für SNCI-Institute im Rahmen des Kleinbankenregimes und des LSI-Stresstests aufgezeigt. Der Beitrag dient als fundierter Leitfaden für Institute, um regulatorische Spielräume einzuordnen sowie die Sachkunde ihrer Gremien sicherzustellen.
- Geopolitische Spannungen und makroökonomische Risiken
- Kreditrisiken und das Anwachsen von NPL
- ESG-Risiken: Fokus liegt auf dem „E“
- Professionalität in der Governance als Schwerpunkt
- MaRisk-Novelle: Weg von der Checkliste
- Digitalisierung und IKT-Risiken (DORA)
- Fortschritte beim Kleinbankenregime
- Fazit und Ausblick
- Quelle
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Dieses Eingeständnis prägte das „digitale Aufsichtsbriefing“ der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin)1. Die Botschaft dahinter: Das eigentliche Risikomanagement soll wieder konsequent ins Zentrum rücken, während die rein administrative Erfüllung regulatorischer Vorgaben spürbar vereinfacht werden soll.
Geopolitische Spannungen und makroökonomische Risiken
Die Aufsicht betonte eingangs die massiven systemischen Herausforderungen. Geopolitische Spannungen wie der Ukraine-Krieg bilden einen volatilen Rahmen. Besonders im Fokus steht die erratische Zollpolitik der USA, die in Kombination mit einer möglichen Dollar-Schwäche die deutsche Exportstärke unter Druck setzen könnte. Diese externen Faktoren werden nach Ansicht der BaFin vom Markt derzeit noch nicht ausreichend eingepreist.
Kreditrisiken und das Anwachsen von NPL
Die Aufsicht sieht ein Anwachsen der Non-Performing Loans (NPL) sowie einen Anstieg der Insolvenzen um rund 10 %. Da der Immobilienzinsschock (insbesondere bei gewerblichen Immobilien und US-Exposures) noch nicht vollständig verarbeitet ist, fordert die Aufsicht hier höchste Achtsamkeit bei der Risikovorsorge.
Angesichts der beschriebenen Entwicklung überwacht die BaFin auch 2026 die Kreditrisiken unverändert intensiv. Werthaltigkeitsprüfungen/PAAR in Kombination mit Kreditprozessprüfungen werden damit weiterhin ein Prüfungsschwerpunkt bleiben.
ESG-Risiken: Fokus liegt auf dem „E“
Auch beim Thema Nachhaltigkeit konkretisiert die Aufsicht ihre Erwartungen und legt den Schwerpunkt derzeit ganz klar auf die ökologische Komponente. Die BaFin erwartet, dass Institute sich mit ihren physischen Risiken auseinandersetzen und auf jeden Fall nachweisen können, ob diese für sie relevant sind oder eben nicht.
Professionalität in der Governance als Schwerpunkt
Ein deutliches Signal sendete die Aufsicht in Richtung Gremien und Geschäftsleiter der Institute. Nach Einschätzung der BaFin ist der „Grad an Professionalität nicht so hoch, wie wir uns das vorstellen“. Kritisiert wurde, dass Governance-Mängel in der jüngeren Vergangenheit oft der Ausgangspunkt für schwerwiegende Probleme in Instituten waren.
Die Erwartungshaltung ist klar: Es geht nicht ausschließlich um die formale Qualifikation. Qualität muss auf einem angemessenen Niveau gelebt werden. Der Vorstand muss in der Lage sein, das Geschäft jederzeit so zu erklären, dass der Aufsichtsrat sowie Mitarbeiter des Instituts es vollumfänglich verstehen. Für Institute bedeutet dies, dass die kontinuierliche Weiterbildung der Gremien eine aufsichtliche Kernforderung ist.
MaRisk-Novelle: Weg von der Checkliste
Mit der für März 2026 angekündigten 9. MaRisk-Novelle soll die Proportionalität deutlich ausgeweitet werden. Künftig sollen rund 85 % der Institute (statt bisher 10 %) von Vereinfachungen profitieren können.
Die Aufsicht möchte weg von starren Checklisten und hin zur Aufsicht nach Prinzipien. Das bietet den Instituten mehr Spielräume, erfordert aber gleichzeitig ein intensiveres „Mitdenken“. In einem „loseren Korsett“ mit mehr Interpretationsspielraum muss jedes Haus seine individuellen Risiken präzise begründen können.
Digitalisierung und IKT-Risiken (DORA)
Im Bereich der Digitalisierung mahnt die Aufsicht zur Achtsamkeit bei Abhängigkeiten von US-Hyperscalern. Institute sind verpflichtet, ihre IKT-Risiken detailliert zu analysieren und tragfähige Exit-Strategien vorzuhalten. Das Management muss jederzeit wissen, wer genau welche Leistungen erbringt. Da Cyberrisiken als systemische Gefahr eingestuft werden, bleibt die intensive Beschäftigung mit DORA eine Daueraufgabe.
Fortschritte beim Kleinbankenregime
Positive Signale gab es zum Kleinbankenregime. Die gemeinsame Initiative von BaFin und Bundesbank zielt darauf ab, die Komplexität der Eigenkapitalunterlegung (Capital Stack Order) auf europäischer Ebene zu reduzieren. Erste Rückmeldungen aus der Industrie zeigen, dass die Institute von den vorgeschlagenen Entlastungen positiv überrascht sind. Auch mit dem kommenden LSI-Stresstest werden bereits Vereinfachungen eingeführt.
Fazit und Ausblick
Die Aufsicht plant für 2026 eine noch stärker risikoorientierte Prüfungspraxis. Schwerpunkte liegen hierbei auf dem Kreditrisiko, Immobilien-Exposures sowie der IT-Sicherheit. Institute sollten die angekündigten Spielräume nutzen, dabei aber die Angemessenheit ihrer Governance-Strukturen kritisch hinterfragen.
Schulungen für Vorstände und Aufsichtsräte
Nutzen Sie unsere gezielten Schulungsprogramme, um Ihre Gremien auf die steigenden Anforderungen an die Fachkunde und die neue Prinzipienorientierung der Aufsicht vorzubereiten.
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