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SEK, DKK, NOK: Wie ISO 20022 den nordischen Zahlungsverkehr ins ERP bringt

Skandinavien im ERP anbinden – mit ISO 20022 und strukturierten Zahlungsreferenzen. So funktioniert der nordische Zahlungsverkehr in der Praxis.

Interview with Christoph Prellwitz about the art of modern banking

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Ab dem 15. November 2026 dürfen in SEK- und SEPA-Zahlungen nur noch strukturierte oder hybride Adressformate übermittelt werden. Für Unternehmen mit Tochtergesellschaften oder Geschäftsbeziehungen in Schweden, Dänemark oder Norwegen ist das ein harter Termin – und gleichzeitig der Anlass, die eigene Zahlungsinfrastruktur grundlegend neu zu bewerten. Der „Nordische Block“ – Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland – ist trotz hochmoderner Bankenlandschaft nach wie vor stark länderspezifisch geprägt: Die Systeme unterscheiden sich deutlich in Aufbau, Clearing-Mechanismen und Nachrichtenlogik. Durch das Nordic Payments Council (NPC) werden Zahlungsstandards und -initiativen gezielt für die nordischen Länder entwickelt und harmonisiert. Das Jahr 2026 markiert einen Wendepunkt: die schwedischen Banken durchlaufen derzeit eine Migration auf eine neue Zahlungsinfrastruktur, die auf ISO 20022 sowie dem NPC Nordic Rulebook basiert.

In diesem Blogbeitrag beleuchten wir die Besonderheiten im Zahlungsverkehr der nordischen Länder – und auch die neuen Chancen, die die ISO-20022-Migration mit sich bringt. Firmenkunden, die bereits SEPA-Zahlungen über ihr ERP-System abwickeln, können mit überschaubarem Aufwand auch Schweden, Norwegen und Dänemark anbinden.

Was bedeutet das für Unternehmen, die ihre Geschäftsfelder nach Skandinavien erweitern möchten?

Viele deutsche Unternehmen betreiben Tochtergesellschaften, Produktionsstandorte oder Vertriebsniederlassungen in Skandinavien. Bis auf Finnland haben Schweden, Dänemark und Norwegen eigene Währungen. Da Finnland den Euro als Landeswährung nutzt, können Zahlungen dorthin ganz normal über SEPA abgewickelt werden. Für die übrigen skandinavischen Länder sieht das anders aus.

Das bedeutet, wer aus Deutschland in SEK, DKK oder NOK zahlen möchte, muss auf Cross-Border-Zahlungen zurückgreifen. Bei großen Zahlungsvolumen und langfristig kann das für Unternehmen kostspielig werden. Außerdem kann man in diese drei Länder die SEPA-Vorteile mit Echtzeitzahlungen und Verification of Payee nicht ausspielen.

Ein direkter Anschluss an die lokalen Zahlungsinfrastrukturen würde Zahlungen in nordischen Ländern ohne Umwege über SEPA oder Korrespondenzbanken ermöglichen. Unternehmen profitieren dadurch nicht nur von niedrigeren Bankgebühren und einer schnelleren Abwicklung, sondern auch davon, dass Zahlungen über ein einheitliches XML-Format harmonisiert werden können.

Nordischer Zahlungsverkehr im Überblick

Der zentrale Unterschied zu SEPA: strukturierte Zahlungsreferenzen

In jedem nordischen Land haben sich eigene Zahlungsverfahren für den B2B-Bereich etabliert. Was sie als Gemeinsamkeit haben, ist die Verwendung einer OCR-Referenznummer in den Rechnungsdaten, um die Zahlungen automatisch zu identifizieren. Dieses System wurde in den 1960er-Jahren in Finnland eingeführt und bildet die Basis, auf der alle anderen skandinavischen Systeme aufbauen. Egal ob in Kontoübertragung, Zahlungsscheinen oder lokalen Lastschriften, die Zahlungsreferenz gehört zum etablierten Marktstandard und bildet das zentrale Element der automatisierten Zahlungsabstimmung im Debitorenmanagement.

Das in Schweden am weitesten verbreitete Zahlungsverfahren ist Bankgiro, über das nahezu alle Überweisungen in SEK zwischen Unternehmen und ihren Kunden in Schweden abgewickelt werden. Es ermöglicht Unternehmen, Rechnungen über eine sogenannte Bankgiro-Nummer zu begleichen.

In Schweden fungiert die Bankgiro-Nummer als eine Art Alias für die Bankkontonummer – ein Unternehmen kann eine einzige Bankgiro-Nummer haben. Es ermöglicht einem Unternehmen, die Bank zu wechseln, ohne seine Zahlungsadresse zu ändern.

Auf der Rechnung ist eine OCR-Nummer angegeben, die als eindeutige Zahlungsreferenz dient. Diese Referenz ermöglicht eine automatische Zuordnung von Zahlungen zu offenen Rechnungen. Norwegen setzt auf ein ähnliches Modell mit der KID-Nummer („Kundeidentifikasjon“).

In Dänemark kommt das FIK-System zum Einsatz, das je nach Anwendungsfall in drei Varianten (Einzahlungsformular Typ-71, -73 und -75) vorliegt, abhängig davon, ob eine Freitextnachricht zu OCR-Zahlungsreferenz unterstützt wird. Bei FIK dient eine Kreditornummer (ähnlich wie Bankgiro-nummer) zur Identifizierung des Zahlungsempfängers.

FIK 71

→ OCR-basierte Zahlung

→ Fokus auf automatische Verbuchung (z. B. Rechnungszahlungen)

FIK 73

→ Freitext- Zahlung

→ wird genutzt, wenn Empfänger nicht bekannt ist oder zusätzliche Infos nötig sind.

FIK 75

→ Hybridlösung

→ Kombiniert OCR-Zahlungsreferenz + optionale Nachricht (typisch im B2B)

Finnland bietet als Ergänzung zu SEPA den AOS-Dienst Extended Remittance Information (ERI) der Auftraggebern ermöglicht, ein Referenznummer (viitenumero) zu verwenden, um Rechnungsinformationen mitzusenden.

Wenn wir nach Deutschland schauen, können Rechnungsnummern unstrukturiert im SEPA-Verwendungszweck angegeben werden. Der Verwendungszweck ist dabei auf 140 Zeichen begrenzt, sodass bei Sammelzahlungen häufig nicht alle Rechnungsreferenzen übertragen werden können. In solchen Fällen wird ein Zahlungsavis (Remittance Advice) verwendet, das eine detaillierte Aufstellung der beglichenen Rechnungen enthält.

Zahlungsavise werden im ERP-System wie SAP im Rahmen des Zahlungslaufs automatisch erzeugt und an den Zahlungsempfänger übermittelt, typischerweise per E-Mail oder auch in einem strukturierten Format (z. B. EDI). Im Kontoauszug wird bei einer Sammelzahlung in der Regel nur ein Gesamtbetrag angezeigt. Mithilfe des Zahlungsavises können die zugehörigen offenen Posten identifiziert und entsprechend zugeordnet werden.

Vergleich der nordischen Zahlungsreferenzsysteme

  Dänemark Schweden Norwegen Finnland
   FIK OCR-nummer  KID  Viitenumero
Empfänger Bankdaten Kreditornummer /Kontonummer Bankgiro-Nummer Kontonummer IBAN
Referenztypen 3 Typen (71, 73, 75) Einheitlich Einheitlich Einheitlich
Referenzlänge 15 Stellen + 1 Prüfziffer 2–25 Stellen 2–25 Stellen 3–20 Stellen
Algorithmus Modulus-10 Modulus-10 Mod-10 / Mod-11 Modulus-10
Alias-Layer Kreditornummer Bankgiro-Nummer Direkte Kontonummer Direkte IBAN

So funktioniert die automatische Zahlungsabstimmung mit Zahlungsreferenz

  • Der Gläubiger erstellt zunächst eine Rechnung. Dabei wird eine Zahlungsreferenz generiert und auf der Rechnung angegeben.
  • Der Schuldner überweist anschließend den fälligen Betrag mit der Zahlungsreferenz
  • Die Bank leitet diese Referenz automatisch zusammen mit der Zahlung weiter
  • Der Gläubiger erhält anschließend einen Kontoauszug (CAMT.053 Datei) in dem die Zahlungsreferenzen den jeweiligen Umsätzen zugeordnet sind.
  • Das ERP-System erkennt die OCR-Nummer und ordnet die Zahlung automatisch der entsprechenden offenen Rechnung zu.
  • Im Fall von Sammelbuchungen erfolgt die Aufschlüsselung der einzelnen Transaktionen mithilfe der OCR-Datei, die von der Bank zur Verfügung gestellt wird.
  • Dadurch erfolgt die Buchung und der Kontoausgleich vollständig automatisiert.

ISO 20022 – Zahlungsreferenz im strukturierten Verwendungszweck

In der pain.001 Nachricht sind die Zahlungsreferenzen im strukturierten Verwendungszweck anzugeben. In einer Zahlungsposition können mehrere Rechnungen und Zahlungsreferenzen angegeben werden. Eine Einzelzahlung in der XML könnte bis zu 999 Rechnungen enthalten.

Abbildung 1: Beispiel Strukturierte Verwendungszweck mit Zahlungsreferenz

Abbildung 1: Beispiel Strukturierte Verwendungszweck mit Zahlungsreferenz

Jeder strukturierte Verwendungszweck entspricht einer Rechnung und enthält folgende Elemente:

  • Betrag: abhängig von dem XML-Feld wird der Betrag als Negativ oder Positiv von der Bank interpretiert:
    • <RmtdAmt> – Rechnungsbetrag
    • <DuePyblAmt> – fälliger Betrag
    • <CdtNoteAmt> – Gutschrift
  • Referenznummer: <CdtrRefInf><Ref> – norwegische KID-Nummer, schwedische OCR, finnische viitenumero und auch dänische FIK-Nummer
  • Dokument-Indikator: der Wert „SCOR“ soll bei der Verwendung der Zahlungsreferenz gesetzt werden

Das nordische Bankensystem prüft bei jeder Zahlung, ob die Summe aus <RmtdAmt>, <DuePyblAmt> und <CdtNoteAmt> mit dem Überweisungsbetrag <InstructedAmount> übereinstimmt. Stimmen die Beträge nicht überein, wird die Zahlung abgelehnt.

Beispiel: Wir haben eine Überweisung mit dem Betrag 50.00 SEK.

Abbildung 2: Ausschnitt aus einer Bankgiro-Überweisung in pain.001 Format

Abbildung 2: Ausschnitt aus einer Bankgiro-Überweisung in pain.001 Format

Der Betrag von 50,00 SEK setzt sich aus folgenden Rechnungen zusammen: zwei Rechnungen, die zusammen 150,00 SEK ergeben, und eine Gutschrift über 100,00 SEK. Abzüglich der Gutschrift ergibt sich eine Summe von 50,00 SEK. Gutschriften werden mit dem Code CREN (Credit Note) und Forderungen mit CINV (Invoice) referenziert.

POSITION TYP <RefDocInf> BETRAG
Rechnung 1 Forderung (Invoice) CINV +100,00 SEK
Gutschrift Gutschrift (Credit Note) CREN -100,00 SEK
Rechnung 2 Forderung (Invoice) CINV +50,00 SEK
SUMME     +50,00 SEK
Abbildung 3: Beispiel Strukturierte Verwendungszweck mit Invoice und Credit Note

Abbildung 3: Beispiel Strukturierte Verwendungszweck mit Invoice und Credit Note

Technische Umsetzung im SAP-System

Um nordische Zahlungsreferenzen in das SAP-Zahlungsmodul (SAP S/4HANA oder ECC) zu integrieren, sind gezielte Konfigurationsschritte erforderlich. Die folgenden Hinweise richten sich an SAP-seitig verantwortliche Teams – Treasurer, Projektleiter und Berater mit Kenntnissen im SAP-Zahlungsmodul. Zur Umsetzung sollten länderspezifische OSS-Hinweise implementiert werden. Wichtige Begleitfunktionen – wie die Validierung von Zahlungsreferenzen (z. B. Modulo-10-/Modulo-11-Prüfung) sind teilweise ebenfalls über OSS-Hinweise oder über Standardfunktionen bzw. kundenspezifische Erweiterungen (BAdIs/User-Exits) verfügbar.

Zusätzlich müssen die Payment Medium Workbench (PMW) sowie entsprechende DMEE-Formatbäume eingerichtet werden, damit die Zahlungsreferenz korrekt in die vorgesehenen XML-Felder gemappt wird.

Wichtige Schritte in der Kontoauszugsverarbeitung (EBS) sind das Mapping der Referenzen in SAP-Felder und Einrichtung von Interpretationsalgorithmen (z. B. in OT83). Ziel ist es, Zahlungen anhand der Referenznummern automatisch offenen Posten zuzuordnen.

Als Quelle der Zahlungsreferenz werden im SAP-System typischerweise Beleg- bzw. Stammdatenfelder verwendet (z. B. XBLNR oder ZUONR).  Bei Dänemark und Norwegen wird häufig das Feld FEBEP-KIDNO genutzt, da es speziell für strukturierte Referenzen (KID/FIK) vorgesehen ist. In Schweden werden hingegen häufig die Felder XBLNR und ZUONR verwendet, da kein dediziertes KID-Feld zwingend erforderlich ist.

Fazit

ISO 20022 bringt den Zahlungsverkehr in Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland auf dieselbe technologische Ebene wie SEPA – nur granularer, strukturierter und mit deutlich höherem Automatisierungspotenzial.

Die Integration nordischer Länder in SAP erfordert gezielte Erweiterungen bestehender Zahlungsprozesse. Der größte Mehrwert liegt in der Nutzung strukturierter Zahlungsreferenzen, die eine nahezu vollständige Automatisierung der Zahlungseingangsverarbeitung ermöglichen.

Für Unternehmen bedeutet das: Wer sein ERP-System strukturiert vorbereitet, kann die Umsetzung effizient und risikoarm realisieren und erhält gleichzeitig Zugriff auf eine der effizientesten Zahlungsinfrastrukturen Europas.

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Quellen
Trang Nguyen - Consultant Corporate Payments

Thu Trang Nguyen

verfügt über langjährige Erfahrung im internationalen Zahlungsverkehr und berät bei msg for banking Banken und Corporates zu strategischen und operativen Fragestellungen im Bereich Corporate Payments. Ihre Schwerpunkte liegen insbesondere auf Zahlungsprozessen, regulatorischen Anforderungen sowie der Optimierung internationaler Payment-Strukturen.

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