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Sustainability-adjusted Pricing – Nachholbedarf in der Kreditpraxis

Beim Pricing von Krediten wird die Einbeziehung von ESG-Faktoren immer wichtiger. Dies ist aus ökonomischer Sicht unverzichtbar und überdies macht die Aufsicht immer präzisere Vorgaben. Im Kreditgeschäft wird die im Bond-Markt bereits fortgeschrittene Koppelung der Verzinsung an Nachhaltigkeitsfaktoren (Sustainability linked bonds) nachvollzogen (Sustainability linked loans).

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Nicht nur aufgrund aufsichtsrechtlicher Vorgaben sind ökologische Ausschlusskriterien bei der Kreditvergabe einzuarbeiten. Sofern keines vorliegt und der Kredit gewährt wird, ist der erwartete Verlust zu ermitteln. Er ergibt sich anhand der Einflussfaktoren Ausfallwahrscheinlichkeit (PD, Probability of Default) und Verlustquote (LGD, Loss given Default).

Werden die ESG-Faktoren beim Pricing berücksichtigt, spricht man auch vom Sustainability-adjusted Pricing (vgl. Abbildung 1).

Sustainability-Adjusted Pricing

Abbildung 1: Kreditprozess und Nachhaltigkeit

Letztlich methodisch geklärt, ist die Berücksichtigung der ESG-Faktoren bei der LGD, indem man zum Beispiel die Erkenntnisse aus einer gegebenenfalls vereinfachten Ökobilanz nutzt. Näheres hierzu können Sie im Fachbeitrag „Nachhaltige Bewertung von Investitionsobjekten“ nachlesen.

ESG-Faktoren in das Kreditrating einbinden – aber wie?

Herausfordernd ist indessen die Integration der ESG-Faktoren in das Kreditrating, wie dies auch die aktuelle MaRisk-Novelle fordert. Interne Ratings verwenden bekanntlich quantitative sowie harte und weiche qualitative Faktoren. Weiter kann die Ratingnote in Folge von Warnsignalen überschrieben werden. Nachhaltigkeitsrisiken machen perspektivisch methodische Anpassungen in den Kreditratings erforderlich. So könnten bei den quantitativen Kriterien die Ergebnisse einer Ökobilanz, zum Beispiel die CO2-Emissionen, einfließen. Bei den qualitativen Kriterien könnten beispielsweise die Produktpalette und/oder die Wettbewerbssituation unter ökologischen Kriterien Berücksichtigung finden.

Einbindung zu Vertragsbeginn – Ratingnote

Zunächst ist aber zu klären, ob so der erwartete Effekt aus den ökologischen Kennzahlen zu Vertragsbeginn analog zur Ermittlung des Expected Losses („Risk-Adjusted Pricing“) eingepreist werden soll. In diesem Fall müssten die Auswirkungen der ESG-Faktoren auf die Ratingnote abgeschätzt werden. Methodisch sind hier noch Fragen offen und auch empirische Daten stehen derzeit nur bedingt zur Verfügung.

Einbindung während der Zinsbindungsdauer – Financial Covenants

Alternativ kommt die Zinsanpassung während der Zinsbindungsdauer in Betracht, indem so genannte Financial Covenants verwendet werden. Es müssen dann objektiv messbare Größen, wie ein externes ESG-Rating, das zum Beispiel die Positionierung in Bezug auf Nachhaltigkeit innerhalb der betroffenen Branche angibt, ein ökologisches Kriterium wie der Energieverbrauch oder die CO2-Emissionen in die Financial Covenants aufzunehmen. Bei Einhalten oder Verfehlen der vereinbarten Ziele kommt es zu vereinbarten Zu-/Abschlägen beim ansonsten fest vereinbarten Kreditzins während der Vertragslaufzeit.

Für die Financial Covenants kommen neben den bereits genannten Einflussfaktoren Energieverbrauch und CO2-Emissionen beispielsweise folgende Faktoren in Betracht:

  • Ein ESG-Branchenscore, der extern erstellt wird. Wird dieser von der Bank selbst ermittelt, so müsste dem Kreditnehmer das Scoringverfahren offengelegt werden, da eine entsprechende Zinsanpassung ansonsten intransparent wäre und juristisch nicht zum Nachteil des Kreditnehmers durchsetzbar wäre.
  • Kennzahlen aus der Nachhaltigkeitsberichterstattung der Firmenkunden. Gemäß Art. 8 Abs. 2 der EU-Taxonomieverordnung (EU 2020/852) müssen berichterstattungspflichtige Nicht-Finanzunternehmen angeben: a) den Anteil ihrer Umsatzerlöse, der mit Produkten oder Dienstleistungen, erzielt wird, die mit Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind, die als ökologisch nachhaltig einzustufen sind; b) den Anteil ihrer Investitionsausgaben („CapEx“) und der Betriebsausgaben („OpEx“) im Zusammenhang mit Vermögensgegenständen oder Prozessen, die mit ökologisch nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten verbunden sind.

Problematisch ist neben der juristischen Ausformulierung der Anpassungsklausel die Bestimmung der Höhe der Zu-/Abschläge beim Kreditzins. Auch hier bedarf es letztlich einer Abschätzung der erwarteten Verluste. ESG-Branchenscores, die die Bank selbst erstellt, können hier hilfreich sein. In diesem Fall ist der konkrete Firmenkunde relativ zur Branche zu beurteilen und damit kann auch eine Preisdifferenzierung verbunden sein.

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Update der Studie Sustainable Banking

Weitere interessante Ergebnisse zum Thema Nachhaltigkeit im Banking entnehmen Sie der aktuellen Studie Sustainable Banking.

Aktueller Umsetzungsstand in der Bankpraxis

Zweifelsfrei wenden sich immer mehr Institute der Umsetzung des Sustainability-adjusted Pricings zu. Dies bestätigt auch die aktuelle Studie von msg for banking. Der aktuelle Umsetzungsstand in den Banken stellt sich wie folgt dar: etwa ein Viertel der Banken ist noch damit beschäftigt, die Negativliste mit Ausschlusskriterien bei der Kreditvergabe zu erarbeiten. In jedem fünften Institut liegt diese Checkliste bereits vor. Knapp jedes zweite Institut will ESG-Faktoren in das Kreditrating einbauen und bei der Kreditvergabeentscheidung berücksichtigen. Die Erweiterung des risk-adjusted Pricings um ESG-Faktoren ist nahezu schon mehrheitsfähig. Infolge der aufsichtlichen Anforderungen dürfte die Zahl der Befürworter künftig weiter steigen.

Sustainable Banking, ESG-Risiken, Nachhaltigkeit

Sustainable Banking

Nachhaltigkeit ist aus der Branche Banking nicht mehr wegzudenken. Treiber sind zum einen die Initiativen von Gesetzgebern und Regulatoren. Aber auch Kunden stellen vermehrt nachhaltige, umweltfreundliche und klimaschonende Aspekte in den Mittelpunkt ihrer Finanzentscheidungen. Um den langfristigen ökonomischen Erfolg zu sichern sowie die regulatorischen Hürden zu meistern, müssen Banken frühzeitig ihre Geschäftstätigkeit auf Nachhaltigkeitsziele ausrichten und fit sein für den Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken.

Wie sieht die optimale Vorbereitung auf eine nachhaltige Zukunft in der Branche Banking aus? Dieser Frage gehen wir in unserer Serie Sustainable Banking auf den Grund. Mehr Informationen zu diesem Zukunftsthema finden Sie auf unserer Webseite.

Prof. Dr. Konrad Wimmer

ist promovierter Diplom-Kaufmann und bei msg for banking für die strategische Themenentwicklung verantwortlich. Sein Fokus liegt auf den Themen Sustainable Finance, Bankcontrolling, Finanzmathematik, Geschäftsfeldsteuerung, wertorientierte Vertriebssteuerung und Risikomanagement. Er berät Banken zu diesen Themen und ist erfahrener Referent und Autor.

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