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Der digitale Euro im Zahlungsalltag

Der Erfolg des digitalen Euro wird nicht allein durch seine technische Architektur bestimmt, sondern vor allem dadurch, wie selbstverständlich er sich in alltägliche Zahlungssituationen integrieren lässt. Für Banken ergibt sich daraus eine zentrale strategische Fragestellung: Welche Zahlungsszenarien sollten priorisiert werden und wie kann der digitale Euro so integriert werden, dass er bestehendes Nutzerverhalten sinnvoll ergänzt?

Der digitale Euro, drei Use Cases

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Der Erfolg des digitalen Euro wird nicht allein durch seine technische Architektur bestimmt, sondern vor allem dadurch, wie selbstverständlich er sich in alltägliche Zahlungssituationen integrieren lässt.

Ob im Onlinehandel, am Point of Sale oder bei Peer-to-Peer-Transaktionen – Nutzerinnen und Nutzer erwarten Zahlungsprozesse, die schnell, vertraut und möglichst reibungslos funktionieren. Gleichzeitig folgt jeder Zahlungskontext seiner eigenen Logik. Diese ist geprägt von lang etablierten Gewohnheiten, bestehenden Infrastrukturen sowie unterschiedlichen Erwartungen an Komfort, Vertrauen und Verfügbarkeit.

Der digitale Euro steht daher nicht für ein einzelnes Zahlungserlebnis, sondern für ein Bündel an Zahlungsoptionen, die sich an unterschiedliche Nutzungsszenarien anpassen müssen.

Für Banken ergibt sich daraus eine zentrale strategische Fragestellung: Welche Zahlungsszenarien sollten priorisiert werden und wie kann der digitale Euro so integriert werden, dass er bestehendes Nutzerverhalten sinnvoll ergänzt?

Die folgenden Abschnitte betrachten den digitalen Euro in drei zentralen Zahlungskontexten: E-Commerce, Point of Sale und Peer-to-Peer-Zahlungen. Im Fokus stehen jeweils konkrete Zahlungsoptionen, ihre Anschlussfähigkeit an bestehende Gewohnheiten sowie ihre Relevanz aus Sicht von Banken und Endnutzerinnen und Endnutzern.

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dienstleistern und Marktteilnehmern einen kompakten
Überblick über mögliche Auswirkungen und
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Der digitale Euro im E-Commerce

Im E-Commerce ist der Checkout der entscheidende Moment der Wahrheit. Nutzer erwarten Geschwindigkeit, Vertrautheit und maximale Einfachheit – Abweichungen führen unmittelbar zu Kaufabbrüchen. Gleichzeitig dominieren im deutschen Onlinehandel weiterhin wenige Zahlungsarten: PayPal (27,7 %), Kauf auf Rechnung (26,7 %) und Lastschrift (16,7 %) vereinen den Großteil des Umsatzes auf sich.1

Vor diesem Hintergrund stellt sich für den digitalen Euro eine zentrale Frage: Welche Zahlungsformen sind im E-Commerce realistisch und welche davon würden Banken tatsächlich anbieten?

Der digitale Euro ist dabei nicht „eine neue Zahlungsart“, sondern eine neue Zahlungsinfrastruktur, die unterschiedliche Checkout-Formen ermöglicht. Die Abbildung zeigt vier zentrale Ausprägungen, die sich klar an bestehenden Nutzergewohnheiten orientieren.#

Zahlungsform Nutzerlogik
In-App-Payment/Merchant-Integration „Pay with …“ direkt im Checkout
Pay-by-Link (Checkout-Link) Zahlung per Klick aus E-Mail/App
QR-Code-basierter Checkout Scan & Pay

In-App-Payment/Merchant-Integration

Die nahtloseste Variante ist die direkte Integration in die Händler-App oder den Checkout-Prozess. Kundinnen und Kunden wählen im Bezahlvorgang „Mit digitalem Euro zahlen“, initiieren die Zahlung aus ihrer Wallet und die Transaktion wird in Echtzeit abgewickelt, beispielsweise über einen Alias oder eine Digital-Euro-Kontonummer.

Aus Nutzersicht entspricht dies einem vertrauten und intuitiven Ablauf, vergleichbar mit etablierten Wallet-Lösungen wie PayPal. Für Banken ist dieses Modell strategisch besonders relevant, da es die Wallet als zentrale Kundenschnittstelle positioniert und den digitalen Euro direkt in alltägliche digitale Zahlungsprozesse integriert.

Pay-by-Link (Checkout-Link)

Eine weitere Möglichkeit ist Pay-by-Link. Dabei erzeugt der Händler einen Zahlungslink, der alle relevanten Transaktionsdaten wie Betrag und Verwendungszweck bereits enthält. Der Kunde erhält diesen Link per E-Mail, Messenger oder im Rahmen einer Rechnung. Nach dem Anklicken wird er in seine Banking-App oder digitale-Euro-Wallet weitergeleitet, wo die Zahlungsmaske mit dem vorausgefüllten Betrag geöffnet wird. Nach Prüfung der Angaben bestätigt der Kunde die Zahlung per biometrischer Authentifizierung oder einem anderen starken Authentifizierungsverfahren, woraufhin die Transaktion in Echtzeit im digitalen-Euro-System abgewickelt wird.

Dieses Modell eignet sich insbesondere für Dienstleistungen, Rechnungszahlungen oder Fernabsatzszenarien. Im klassischen Onlinehandel dürfte es jedoch nicht dominieren, kann aber dort eine flexible und nutzerfreundliche Ergänzung darstellen, wo keine direkte Checkout-Integration möglich ist.

QR-Code-basierter Checkout

Ein dritter Ansatz ist der QR-Code basierte Checkout. Dabei scannt der Kunde im Online-Bezahlprozess einen angezeigten QR-Code und bestätigt die Zahlung auf seinem mobilen Endgerät.

Technisch ist diese Lösung einfach umzusetzen und kann als Übergangslösung dienen. Da jedoch ein zusätzlicher Interaktionsschritt gegenüber einer eingebetteten Checkout-Lösung erforderlich ist, dürfte ihre langfristige strategische Relevanz im europäischen E-Commerce begrenzt bleiben.

Der digitale Euro am Point of Sale

Am Point of Sale (POS), also beim Bezahlen im stationären Einzelhandel, in der Gastronomie oder an Automaten, ist der Moment der Wahrheit physisch. Während im E-Commerce digitale Verfahren dominieren, ist der POS noch stark vom Bargeld geprägt, auch wenn die Dynamik abnimmt. Laut der SPACE-Studie 2024 der EZB nutzen Verbraucher im Euroraum für 52 % ihrer Käufe am POS Bargeld. Wertmäßig hat die Karte mit 45 % das Bargeld (39 %) jedoch bereits überholt. Mobile Zahlungen per Smartphone sind mit 6 % der Transaktionen noch in der Nische, haben ihr Volumen seit 2022 aber verdoppelt.2

Vor diesem Hintergrund stellt sich für den digitalen Euro eine zentrale Frage: Wie kann er sich in etablierte Bezahlgewohnheiten am Point of Sale integrieren und welche Zahlungsoptionen sind aus Sicht von Banken und Endnutzerinnen und Endnutzern besonders relevant?

Die folgende Abbildung zeigt vier zentrale Zahlungsoptionen am Point of Sale, die das heutige Zahlungsverhalten aufgreifen und zugleich um spezifische Funktionen des digitalen Euro erweitern.

Zahlungsform Nutzerlogik
Kontaktloses Bezahlen (NFC) Smartphone oder Karte an das Terminal halten
QR-Code-basierte Zahlung Scan & Pay am Display oder Beleg
Offline-Zahlung Bezahlen ohne Internetverbindung (Smartphone)
Physische Bezahlkarte Klassische Kartenzahlung mit Zentralbankgeld

Kontaktloses Bezahlen mit Smartphone (NFC)

Am Point of Sale kann der digitale Euro auf unterschiedliche Weise eingesetzt werden, die jeweils verschiedene Auswirkungen auf Nutzerakzeptanz und strategische Positionierung haben. Die wichtigste Option ist das kontaktlose Bezahlen über NFC. In diesem Szenario wird der digitale Euro direkt über die NFC Schnittstelle am POS Terminal verarbeitet, aus der Wallet des Nutzers heraus initiiert und unmittelbar autorisiert.

Aus Kundensicht entspricht dies dem gewohnten Tap-and-Pay-Erlebnis, wodurch Verhaltensänderungen minimiert und Eintrittsbarrieren gesenkt werden. Für Banken ist NFC strategisch besonders relevant, da sie im alltäglichen Zahlungskontext sichtbar und präsent bleiben, insbesondere in Situationen mit hoher Kundeninteraktion.

QR-Code-basierte Zahlung

Eine alternative Möglichkeit ist die QR-Code-basierte Zahlung. Hier scannt der Kunde einen vom Händler angezeigten oder auf einem Beleg abgedruckten QR-Code und bestätigt die Transaktion in seiner App.

Auch wenn dieses Modell technisch einfach umzusetzen ist und in bestimmten Kontexten sinnvoll sein kann, bietet es in der Regel ein weniger nahtloses Nutzererlebnis als NFC. Aus Bankensicht ist die QR-Zahlung daher eher als ergänzende oder situative Lösung zu betrachten, etwa an temporären Verkaufsstellen, jedoch nicht als skalierbares und strategisch zentrales POS-Modell.

Offline-Zahlung

Die Offline-Zahlung stellt eine eigenständige funktionale Ebene dar. Sie ermöglicht die direkte Übertragung von Wert zwischen Geräten ohne aktive Internetverbindung, wobei Guthaben ähnlich wie physisches Bargeld ausgetauscht wird. Dies erhöht die Resilienz des Zahlungssystems und stellt sicher, dass Zahlungen auch bei Netzwerkausfällen möglich bleiben.

Strategisch kommt die Offline-Funktionalität der Logik von Bargeld am nächsten und kann als zentrales Vertrauensargument dienen, insbesondere für Kundengruppen, die weiterhin stark auf Bargeld setzen und einen hohen Wert auf Privatsphäre legen.

Physische Bezahlkarte

Schließlich kann der digitale Euro auch über eine physische Zahlungskarte genutzt werden, vergleichbar mit einer Debitkarte am POS. Diese Option ist aus Sicht der finanziellen Inklusion von zentraler Bedeutung, da sie auch Personen ohne Smartphone die Teilnahme ermöglicht.

Durch ein vertrautes Formfaktor Konzept unterstützt sie die universelle Nutzbarkeit des digitalen Euro über verschiedene Bevölkerungsgruppen hinweg und stärkt seine Rolle als breit zugängliches Zahlungsmittel.

Der digitale Euro bei Peer-to-Peer-(P2P)Zahlungen

P2P-Zahlungen bezeichnen private Zahlungen zwischen Einzelpersonen, beispielsweise das Zurückzahlen geliehenen Geldes oder das Auszahlen von Taschengeld. Trotz der zunehmenden Verfügbarkeit digitaler Zahlungslösungen bleibt Bargeld im Euroraum das dominierende Zahlungsmittel im P2P-Bereich.

Laut der SPACE Studie 2024 der Europäischen Zentralbank entfielen 41 % aller P2P-Transaktionen gemessen an der Anzahl auf Bargeld, gefolgt von Kartenzahlungen und mobilen Apps mit 36 %. Echtzeitzahlungen spielen bislang nur eine untergeordnete Rolle und machen lediglich 6 % der P2P-Transaktionen aus. Dies könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass die Regulierung zu Instant Payments erst kürzlich vorgeschrieben hat, dass diese preislich mindestens auf dem Niveau einer SEPA-Überweisung oder darunter liegen müssen. Betrachtet man nicht die Anzahl, sondern den Transaktionswert, bleibt Bargeld insbesondere bei höheren Beträgen besonders relevant.3

Vor diesem Hintergrund stellt sich für den digitalen Euro eine zentrale Frage: Welche P2P Zahlungsszenarien lassen sich realistisch durch den digitalen Euro adressieren und wo entsteht ein klarer Mehrwert sowohl aus Sicht der Banken als auch aus Sicht der Endnutzerinnen und Endnutzer?

Nachfolgend vier zentrale P2P-Zahlungsoptionen, die eng an bestehende Peer-to-Peer Gewohnheiten anknüpfen und diese in einen digitalen Euro Kontext übertragen.

Zahlungsform Nutzerlogik
Aliasbasierte Überweisung (Alias oder DEAN) Geld senden über Alias oder DEAN
Request-to-pay Zahlung wird durch eine Anfrage initiiert und vom Empfänger bestätigt
QR-Code basierte Zahlung QR Code scannen, um eine P2P Zahlung zu starten
Mobile Zahlung (NFC oder offline) Geräte aneinanderhalten, um digitalen Euro direkt zu übertragen

Aliasbasierte Überweisung

Im Peer-to-Peer-Kontext bietet der digitale Euro mehrere Interaktionsmodelle mit unterschiedlichem Grad an Persistenz und Skalierbarkeit. Die intuitivste Variante ist die aliasbasierte Überweisung, bei der Nutzer Geld über vertraute Identifikatoren wie eine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse senden. Die Zahlung wird in der Wallet bestätigt und in Echtzeit abgewickelt.

Dieses Modell entspricht stark den bestehenden P2P Gewohnheiten und stellt daher die am besten skalierbare Lösung dar. Für Banken sind aliasbasierte Überweisungen strategisch zentral, sofern Interoperabilität zwischen den Instituten gewährleistet ist und dadurch starke Netzwerkeffekte entstehen.

Request-to-Pay

Request to Pay ergänzt das Spektrum um eine zusätzliche Komfortfunktion. Dabei sendet eine Person eine Zahlungsanforderung, die vom Empfänger in seiner digitalen Euro Wallet bestätigt wird.

Dieses Modell eignet sich besonders für Alltagssituationen wie das Aufteilen einer Rechnung oder die Erstattung von Auslagen. Auch wenn es die Nutzererfahrung und Interaktion verbessert, dürfte es allein kein maßgeblicher Volumentreiber sein und ist daher als ergänzende Funktion zu verstehen.

QR-Code-basierte Überweisung

QR-Code-basierte Transfers sind eher situativ. Der Empfänger stellt einen QR-Code bereit, den der Sender scannt, um die Zahlung zu initiieren.

Dieses Modell ist besonders nützlich für spontane Situationen, in denen kein dauerhaftes Identifikationsmerkmal verfügbar ist, beispielsweise auf einem Flohmarkt.

Mobile Zahlung über NFC oder offline

Mobile P2P-Zahlungen über NFC führen ein bargeldähnliches Interaktionsmodell ein. Zwei Nutzer halten ihre Geräte aneinander, um die Transaktion auszulösen, die online oder in bestimmten Konfigurationen auch offline verarbeitet werden kann. Dadurch wird eine direkte Wertübertragung zwischen Geräten ermöglicht, ohne auf eine durchgängige Internetverbindung angewiesen zu sein.

Dieses Modell kommt der funktionalen Logik von Bargeld am nächsten und ist insbesondere für spontane, persönliche Zahlungen sowie für Szenarien mit eingeschränkter Konnektivität relevant. Strategisch stellt es eine ergänzende Erweiterung digitaler P2P-Interaktionen dar.

Fazit

Die analysierten Anwendungsfälle verdeutlichen, dass der digitale Euro nicht eine einzelne Zahlungsform in den Mittelpunkt stellen sollte, sondern die Fähigkeit haben muss, unterschiedliche Fälle nutzerzentriert zu unterstützen.

Für Banken entsteht daraus die Chance, ihre Rolle im Zahlungsverkehr zu stärken, indem sie den digitalen Euro gezielt in relevante Alltagssituationen integrieren. Dafür sollten sie bestehende Zahlungsgewohnheiten aufgreifen und auf vertrauten Interaktionen aufbauen.

Letztlich wird sich der Erfolg des digitalen Euros daran messen, wie gut er gewohnte Abläufe replizieren kann und gleichzeitig neue, spürbare Mehrwerte schafft.

Quellen
Lena Grale

Lena Grale

berät als Business Consultant bei msg for banking Kreditinstitute und Zahlungsdienstleister im Bereich Payments. Ihr Schwerpunkt liegt auf dem Thema digitales Geld und den Auswirkungen neuer Technologien auf das Finanzsystem. Sie verfügt über praktische Erfahrung in Projekten rund um digitale Zentralbankwährungen, Stablecoins und Zahlungsverkehr.

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