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Welche Auswirkung hat die Entwicklung von Creditspreads auf das Asset und Treasury Management?

Vor dem Hintergrund der veränderten Zinssituation werfen wir einen Blick auf die Entwicklung von Creditspreadrisiken und die Auswirkungen in der Gesamtbankallokation. Wir stellen fest, ob die Creditspreadrisiken allein aus der aufsichtsrechtlichen Perspektive heraus relevant für die Gesamtbanksteuerung sind.

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Auswirkung der Entwicklung der Creditspreads auf Treasury Management

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Creditspreads im Fokus – CSRBB

Mit Veröffentlichung der 8. MaRisk-Novelle am 29.05.20241 sowie den neuen CSRBB-Leitlinien2 rücken die Creditspreadrisiken im Anlagenbuch (CSRBB) besonders in den Fokus der Institute. Im Beitrag „8. MaRisk-Novelle veröffentlicht – Erweiterte Anforderungen an die Messung von Kreditspreadrisiken (CSRBB)“ können Sie sich über die neuesten Entwicklungen in der deutschen Bankenaufsicht informieren.

Gleichzeitig gab es in den letzten Monaten deutliche makroökonomische Veränderungen, mit welchen das seit 2022 gestiegene Zinsniveau in Europa und den USA verbunden ist. Mit dem jüngsten Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) zur ersten Senkung des Leitzinses verändert sich das Zinsumfeld für die Institute nunmehr erneut.

Relevant ist das allgemeine Zinsumfeld insbesondere für die Marktwerte der Anleihen, die die Institute im Eigengeschäft bevorzugt halten.3 Inwiefern in diesem Zusammenhang die Entwicklung der Creditspreads für die Gesamtbanksteuerung der Institute relevant ist und welche Rolle die derzeitige Marktsituation dabei spielt, wird in diesem Blogbeitrag näher beleuchtet.

Creditspreads in der Asset Allocation und im Treasury Management

Auch im Rahmen der strategischen und taktischen Asset Allocation spielen die Creditspreads für die Bewertung einer Anleihe eine wichtige Rolle. Doch wie ergibt sich dieser Zusammenhang?

Das Creditspreadrisiko beschreibt das Risiko einer Marktpreisänderung für das Kreditrisiko, d. h. es handelt sich bei dem Creditspread um einen marktinduzierten Bonitätsspread. Außerdem werden auch die Auswirkungen auf die Liquiditätsrisikosituation durch das Creditspreadrisiko erfasst. Die Messung der Bonitätsveränderung erfolgt dabei immer innerhalb einer bestimmten Bonitätseinstufung.

Vgl. European Banking Authority, EBA/GL/2022/14

Steigt nun der Creditspread, sinken im Umkehrschluss die Kurse der Wertpapiere. Vice versa steigen die Wertpapierkurse bei sinkenden Creditspreads. Dieser Zusammenhang zeigt sich ausgeprägt in Phasen wirtschaftlicher Rezession. Da in Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit auch das Ausfallrisiko der Emittenten steigt, ist eine Ausweitung der Creditspreads in diesen Marktphasen zu beobachten. Ob dieser Zusammenhang in jeder Marktphase besteht, wird beispielhaft im weiteren Verlauf betrachtet.

Im Sinne der Asset Allocation gilt es daher, die Entwicklung der Creditspreads auch mikro- bzw. makroökonomisch zu bewerten und bei der Investitionsentscheidung zu berücksichtigen. Gleichsam ist es wichtig, die Creditspread-Entwicklung auch in das laufende Portfoliomanagement einzubeziehen. Die Berücksichtigung von Creditspreads sowie deren Risiken im Treasury Management gliedert sich dabei in die komplexe Prozesslandschaft der Gesamtbanksteuerung ein. Im Beitrag „Quick-Check für das Treasury Management“ haben wir darüber informiert, wie wir bei der Optimierung von Prozessen und Strategie die ganzheitliche Weiterentwicklung der Gesamtbanksteuerung und des Treasury Managements unterstützen.

Entwicklung der Creditspreads durch die veränderte Marktsituation

Mit Blick auf die aktuellen makroökonomischen Entwicklungen zeigt sich mit dem letzten Zinsentscheid der EZB ein erneut verändertes Zinsumfeld seit dem jüngsten Zinsanstieg. Am 06.06.2024 verkündete die EZB eine Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte. Nachdem die Leitzinsen seit 2022 sowohl durch die Fed (Federal Reserve Bank) in den USA als auch durch die EZB im Euroraum als Reaktion auf die hohen Inflationsraten stark erhöht wurden, erfolgte nun eine erste Senkung des Zinsniveaus. Die Entwicklung der Leitzinsen seit dem Jahr 2000 haben wir in der nachfolgenden Grafik für einzelne Wirtschaftsräume dargestellt.

Entwicklung der Leitzinssätze von EZB und FED

Abbildung 1: Entwicklung der Leitzinssätze (Datenquelle: https://www.finanzen.net/zinsen/leitzins)

Zwar wirkt sich bereits die Zinsentwicklung auf die Gesamtbanksteuerung der Institute aus, jedoch können auch bei den Creditspreads Veränderungen durch die rezessive Wirtschaftssituation und das Leitzinsumfeld beobachtet werden. Für einen indikativen Vergleich haben wir hierfür eine deutsche Staatsanleihe4 als risikolose Zinskurve mit einer Unternehmensanleihe einer deutschen Emittentin5 mit vergleichbarer Fälligkeit im ersten Quartal 2030 ausgewählt.

Auf Basis der Rendite bis zur Fälligkeit wurde mit diesen beiden Wertpapieren ein indikativer Creditspread für den Zeitraum vom 01/2020 bis 05/2024 ermittelt. Außerdem wird die Entwicklung der Renditen 10-jähriger Bundesanleihen als Referenz für das Zinsumfeld gegenübergestellt.6

Die Ergebnisse mit den entsprechenden Kursverläufen des Deutschen Aktienindex sind in der nachfolgenden Übersicht dargestellt.

Spreads vs. DAX

Abbildung 2: Spreads vs. DAX (Datenquelle: SIX)

Im Ergebnis kann beobachtet werden, dass sich parallel zum starken Anstieg der Leitzinsen im Euroraum auch der Creditspread in unserem Beispiel in der Spitze auf bis zu 400 Basispunkte ausweitete. Inzwischen war der Creditspread zuletzt weiter rückläufig bis zu einem Niveau von etwa 200 Basispunkten. Zu beobachten ist besonders zu Beginn der Corona-Krise Anfang 2020 eine deutliche Ausweitung der Spreads im Vergleich zur Zinsstrukturkurve zehnjähriger Bundesanleihen.

Die erhöhten Leitzinsen haben bei den Unternehmen hinsichtlich der Finanzierungskosten zu einer erheblichen Steigerung geführt, was auch die Ausfallwahrscheinlichkeit erhöhte. Dies wirkte sich direkt auf den Creditspread aus.

Bereits zu Beginn unseres Artikels haben wir beleuchtet, inwiefern das Zinsumfeld die Entwicklung der Creditspreads beeinflusst. In unserem Beispiel zur Entwicklung des Creditspreads und dem Vergleich mit einer 10-jährigen Bundesanleihe wird deutlich, dass zwischen der Spreadentwicklung grundsätzlich ein Zusammenhang besteht. In besonders unsicheren Marktphasen jedoch, wie beispielsweise zu Beginn der Corona-Krise Anfang 2020, lässt sich eine deutliche Spreadausweitung erkennen. Das Zinsumfeld hingegen blieb nahezu unverändert. Auch mit Blick auf die zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels zu beobachtende Entwicklung wird deutlich, dass nicht in jeder Marktphase von dem Zinsumfeld auf die Entwicklung des Creditspreads geschlossen werden kann.

So steigen die Renditen 10-jähriger Bundesanleihen zuletzt wieder an, während die Creditspreads weiter rückläufig sind. Es zeigt sich, dass die Spreadentwicklung somit individuell bewertet und betrachtet werden sollte, um die Auswirkungen für das Treasury Management abzuleiten.

Auswirkungen auf Asset Allocation und Treasury Management

In Phasen wirtschaftlicher Unsicherheit können derartige Entwicklungen, wie wir sie in unserem Beispiel aufgezeigt haben, wiederholt beobachtet werden. Das Creditspreadrisiko erfordert daher vor allem in diesen Marktphasen passende und effiziente Prozesse und Strategien zum Risikomanagement.

So kann es strategisch sinnvoll sein, ein Hedging der Creditspreadrisiken mittels Credit Default Swaps vorzunehmen. Zumindest aber sollten potenzielle Creditspreadrisiken bereits im Rahmen der Strategischen Asset Allocation als Einflussfaktor berücksichtigt werden.

Damit gliedern sich auch die Creditspreadrisiken in die Vielzahl an Einflussfaktoren auf die Strategische Asset Allocation ein. So sind die Creditspreadrisiken als Determinanten des Risikomanagements ebenso zu berücksichtigen wie weitere Risikoarten (weitere Marktpreisrisiken, Liquiditätsrisiken). Zunehmende Bedeutung gewinnen auch ESG-Kriterien zur Berücksichtigung der Nachhaltigkeit von Investments.

Es gilt dabei grundsätzlich, dass eine pauschale Bewertung zur Relevanz der einzelnen Determinanten für die Strategischen Asset Allocation und zur Herangehensweise bei der Entwicklung dieser nicht getroffen werden kann. Stattdessen ist hierfür eine institutsspezifische Betrachtung notwendig.

Es ist außerdem aus der Betrachtung der Rendite 10-jähriger Bundesanleihen und des Creditspreads ersichtlich, dass eine Berücksichtigung von Creditspreadrisiken nicht allein aus regulatorischer Sicht sinnvoll und wichtig ist. Auch für die Strategische Asset Allocation und das Treasury Management der Institute stellen die Creditspreads einen weiteren Einflussfaktor für Investitionsentscheidungen und die Gesamtbanksteuerung dar.

Quellen
Max Winkler Profilbild

Max Winkler

ist Betriebswirt und bei msg for banking in der Beratung von Kreditinstituten in Projekten zu den Themen der Bank- und Risikosteuerung tätig. Er verfügt über Erfahrungen im Sparkassensektor mit dem Fokus auf Treasury und regulatorischen Themenstellungen. Darüber hinaus beschäftigt er sich auch mit Fragestellungen aus dem Bereich Sustainable Finance.

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