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Instant Payments: Die neue Normalität beginnt jetzt!

Review auf das Online-Seminar des ibi Research Instituts vom 05.06.2024

Im Seminar "Instant Payments: Die neue Normalität beginnt jetzt!" mit dem ibi Research Institut standen die wichtigsten Themen der EU-Verordnung zu Instant Payments im Fokus. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben erfahren, welche Herausforderungen und Chancen sich hinter der Instant-Payments-Regulierung verbergen, was Verification of Payee (VoP) genau bedeutet und wie sie sich optimal auf die Stichtage im Januar und Oktober 2025 vorbereiten können.

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Instant Payments Echtzeitueberweisung

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Review Online-Seminar von ibi Research: „Instant Payments: Die neue Normalität beginnt jetzt!“

Die Echtzeitüberweisung wird zur Pflicht und das Thema ist heiß: Banken und Finanzdienstleister in der gesamten EU beschäftigen sich aktuell mit der Instant Payments Regulierung (IPR). Mit dieser Verordnung möchte die EU-Kommission den europäischen Zahlungsverkehr stärken und modernisieren.

Am 05.06.2024 fand ein aufschlussreiches Online-Seminar mit dem Titel „Instant Payments: Die neue Normalität beginnt jetzt!“ statt, organisiert vom ibi Research Institut. Die Veranstaltung bot tiefe Einblicke in die EU-Verordnung zu Instant Payments (IPR) und beleuchtete die damit verbundenen Herausforderungen und Chancen für Banken und Finanzdienstleister.

Nach einer Einführung von Dr. Stephan Weber, folgten Beiträge von Christoph Mittmann und Henrik Büttgen (beide msg for banking). Christoph Mittmann erläuterte die aktuelle Ausgangssituation und präsentierte mit einer detaillierten Analyse den aktuellen Stand im Bereich SEPA-Echtzeitüberweisungen. Er stellte fest, dass bislang 44 % der Banken in Deutschland SEPA-Echtzeitüberweisungen eingeführt haben. Diese Zahl verdeutlicht, dass es noch erheblichen Handlungsbedarf gibt, um die neuen Anforderungen der EU-Verordnung vollständig zu erfüllen.

Die Instant-Payments-Regulierung ist komplex und vielschichtig. Es müssen viele Einheiten einer Bank mit einbezogen werden. Darunter mindestens die Bereiche Zahlungsverkehr, Compliance, Liquiditätsmanagement und gegebenenfalls auch Legal. Es lohnt sich, die betroffenen internen Stakeholder früh an einen Tisch zu bringen und das Projekt gemeinsam anzugehen.

Christoph Mittmann Senior Business Analyst bei msg for banking

Herausforderungen durch die Instant-Payments-Regulierung

In seinem Vortrag verdeutlichte Christoph Mittmann die drängenden Herausforderungen, die sich aus der neuen Verordnung ergeben, denn Banken müssen bis Januar beziehungsweise Oktober 2025 umfassende Änderungen vornehmen:

  1. Senden und Empfangen von Echtzeitüberweisungen: Alle Institute, die ihren Kunden Überweisungen im SEPA-Zahlungsverkehr (SCT) anbieten, sind verpflichtet, diesen Echtzeitüberweisungen (SCT Inst) in allen Zugangskanälen anzubieten. Dies erfordert umfassende technische Anpassungen und Investitionen in die bestehende Infrastruktur.
  2. Screening: Banken müssen sicherstellen, dass auch bei Echtzeitüberweisungen die Anti-Geldwäsche-(AML) und Know-Your-Customer-(KYC)-Vorschriften eingehalten werden. Dies erfordert eine Umstellung im Prüfprozessmanagement, um Verzögerungen bei der Transaktionsabwicklung zu vermeiden.
  3. Gebühren und Reporting: Die Verordnung stellt neue Anforderungen an die Gebührenstrukturen und die Berichterstattung. Banken müssen transparente und faire Gebührenmodelle entwickeln und gleichzeitig detaillierte Berichte über die durchgeführten Echtzeittransaktionen erstellen. Dabei dürfen die Kosten für eine Echtzeitüberweisung die Gebühren einer herkömmlichen SEPA-Überweisung nicht überschreiten.
  4. Verification of Payee (VoP): Eine der bedeutendsten neuen Anforderungen ist die Einführung der Zahlungsempfängerbestätigung (VoP). Das heißt, Banken müssen einen Service zur Verfügung stellen, der die Überprüfung des Empfängernamens und der Empfänger-IBAN vor Ausführung einer Transaktion ermöglicht. Dieser Service soll Betrug sowie Fehlüberweisungen verhindern und damit die Sicherheit im Zahlungsverkehr erhöhen.

Chancen durch die EU-Verordnung

Neben den meist kosten- und aufwandsintensiven Anforderungen wurden im Webinar auch Chancen aufgezeigt, die sich durch diese Regulierung für den europäischen Markt ergeben:

  • Die Umsetzung der Instant-Payments-Regulierung bietet Banken die Möglichkeit, ihren Kundenservice erheblich zu verbessern. Schnellere und effizientere Zahlungsabwicklungen sind sowohl für Verbraucher als auch für Händler von großem Vorteil.
  • Weitere Marktinitiativen, die die Vorteile von Instant Payments nutzen, wie zum Beispiel Request-To-Pay als Instant-Nachfolger der Einzugsermächtigung und die European Payments Initiative (EPI), die ein einheitliches Zahlungssystem in der EU schaffen möchte, wobei Sofortzahlungen eine zentrale Rolle spielen, werden vorangetrieben.

Die Verordnung zielt somit darauf ab, den europäischen Zahlungsverkehr zu stärken und zu modernisieren, was den Wettbewerbsvorteil europäischer Banken im globalen Markt erhöhen kann.

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Verification of Payee

Im zweiten Teil des Seminars stellte Henrik Büttgen das Verfahren „Verification of Payee“ (VoP) vor. Dieser Ansatz ermöglicht es dem Zahler, den Namen des Zahlungsempfängers zu bestätigen, bevor eine Zahlung durchgeführt wird. Banken müssen sicherstellen, dass diese Funktion über alle Kunden-Bank-Schnittstellen hinweg verfügbar ist. Obwohl VoP im Rahmen der IPR erwähnt wird, ist sie für alle Überweisungen im SEPA-Raum verpflichtend, einschließlich herkömmlicher SEPA-Überweisungen. Ein Ausblick in die Zukunft deutet darauf hin, dass dieser Service im Rahmen zukünftiger Regulierungen wie PSD3/PSR möglicherweise auch über den SEPA-Raum hinaus zur Pflicht wird.

Technische Umsetzung von VoP

Bei der Vorstellung der VoP-Funktionalität und der beteiligten Parteien wurde die Komplexität des gesamten Verfahrens deutlich, ebenso wie die Herausforderungen bei der Umsetzung. Es wurden ausführliche Beispiele erläutert, und die zahlreichen Fragen zeigten, dass der aktuell diskutierte Regulierungsvorschlag noch Unklarheiten aufweist und detaillierte Arbeit erfordern wird.

Henrik Büttgen wies auch auf die Haftungsrisiken für die Zahlerbank hin, falls nachgewiesen werden kann, dass die VoP-Prüfung nicht ordnungsgemäß durchgeführt wurde. In einem solchen Fall wäre die Zahlerbank verpflichtet, dem Auftraggeber den gesamten überwiesenen Betrag als Schadensersatz zu erstatten. Dies erhöht den Druck auf Banken, die neuen Anforderungen rechtzeitig und korrekt umzusetzen, um finanzielle Verluste zu vermeiden.

Angesichts der Dringlichkeit und des Umfangs der regulatorischen Veränderungen müssen Banken jetzt handeln und können nicht abwarten, bis die finalen VoP-Regulierungen vorliegen. Die rechtzeitige Begutachtung und Anpassung ihrer Systemlandschaften ist entscheidend.

Henrik Büttgen Principal Business Consultant bei msg for banking

Praxistipps zur erfolgreichen Einführung von Instant Payments

Die Präsentation fand ihren Abschluss mit den praxisorientierten Empfehlungen für eine erfolgreiche Implementierung von Instant Payments von Christoph Mittmann. Darunter die folgenden Beispiele:

  • Management Buy-In sicherstellen: Es ist entscheidend, dass das Management die Bedeutung und Dringlichkeit der neuen Anforderungen erkennt und die notwendigen Ressourcen bereitstellt.
  • Rechtzeitige Planung: Banken sollten frühzeitig mit der Planung und Umsetzung der erforderlichen Anpassungen beginnen. Dies umfasst sowohl technische als auch organisatorische Maßnahmen.
  • Schulung und Training: Beschäftigte müssen umfassend geschult werden, um die neuen Systeme und Prozesse effektiv nutzen zu können.
  • Kundenkommunikation: Eine transparente Kommunikation mit den Kunden über die kommenden Veränderungen und Vorteile von Instant Payments ist unerlässlich.

Fazit

Die Inhalte des Seminars „Instant Payments: Die neue Normalität beginnt jetzt!“ boten wertvolle Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der neuen EU-Verordnung. Banken und Finanzdienstleister stehen vor der Aufgabe, umfangreiche technische und organisatorische Anpassungen vorzunehmen, um die neuen Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig die Effizienz und Sicherheit im Zahlungsverkehr zu erhöhen. Mit den vorgestellten Praxistipps können sie die notwendigen Schritte planen und umsetzen, um die Einführung von Instant Payments erfolgreich zu gestalten.

Unsere Zusammenarbeit mit dem ibi Research Institut war erneut äußerst professionell und erfolgreich. Die Durchführung des Online-Seminars war geprägt von einer hohen Reichweite und einem interessierten Auditorium. Mit über 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer war die Resonanz sehr groß, obwohl das Thema Instant Payments nicht neu ist.

Ein zentrales Interesse galt dem Thema Verification of Payee (VoP), das viele Fragen und angeregte Diskussionen auslöste. Dank der exzellenten Gesprächs- und Diskussionsleitung von Dr. Stephan Weber war die Beteiligung im Q&A-Teil sehr hoch. Der geplante 10- bis 15-minütige Fragenblock wurde aufgrund der vielen detaillierten Fachfragen um über 30 Minuten verlängert, wobei die meisten Anwesenden auch bis zum Schluss blieben.

Das Seminar war ein großer Erfolg, den wir nun weiter vertiefen werden. Weitere Veranstaltungen mit einem speziellen Fokus auf VoP und möglichen Lösungen sind bereits in Planung. Das ibi Research Institut hat schon Interesse bekundet, diese zukünftigen Events zu unterstützen und ihre Reichweite zu nutzen, um unsere Expertise weiter im Markt zu etablieren.

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Henrik Buettgen

Henrik Büttgen

ist Principal Business Consultant im Bereich Payments und berät Kreditinstitute und Zahlungsverkehrsdienstleister in den Themen Mass Payments und Instant Payments. Als Zahlungsverkehrsexperte mit mehr als 20-jähriger Erfahrung hat er auf Produkt- wie auch auf Beratungsseite Expertise sammeln können.

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