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FinTechs gestalten den Wandel im Auslandszahlungsverkehr

Globalisierung, digitale Transformation und neue Technologien sorgen auch im Auslandszahlungsverkehr (AZV) für Veränderungen. Aufkommende alternative Lösungen und Marktteilnehmer verändern einige Grundlagen in der Branche, denn sie bieten optimierte Lösungsansätze, die den Anforderungen der Kunden besser entsprechen. FinTechs haben sich in den letzten Jahren im Markt positioniert und vermehrt Marktanteile, vor allem im Bereich der Retail-Kunden, übernommen.

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Wandel im Auslandszahlungsverkehr, AZV, FinTech

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Die Zukunft des Auslandszahlungsverkehrs

Bereits in unserem Einführungsartikel zu unserer Blogreihe Die Zukunft des Auslandszahlungsverkehrs sind wir auf aktuelle Entwicklungen und Trends im Auslandszahlungsverkehr (AZV) eingegangen und haben die größten Herausforderungen, die es im AZV zu meistern gibt, geschildert. Fortschritte in der Zahlungsverkehrstechnologie waren in den letzten Jahren eher auf den Euro-Raum beschränkt mit Entwicklungen wie zum Beispiel Instant Payments oder im SEPA-Währungsraum.

Der Fremdwährungszahlungsverkehr hingegen hat sich in den letzten 50 Jahren kaum verändert. Der Großteil aller AZV-Zahlungen wird immer noch über das SWIFT-Korrespondenzbankennetz abgewickelt. Trotz dieser Vormarktstellung haben sich außerhalb der traditionellen Bankenwelt bedeutende Entwicklungen durch FinTechs und E-Geld-Institute ergeben.

Innovative FinTech Unternehmen wie Wise, PayPal Xoom oder Revolut bieten bereits jetzt funktionierende Lösungen an, um AZV-Zahlungen abzuwickeln. Zur Visualisierung wurde hier beispielhaft der Zahlungsfluss über Wise dargestellt.

Auslandszahlungsverkehr, (AZV) Zahlungsfluss über Wise

Abbildung 1: Zahlungsfluss über Wise (exemplarische Darstellung)

Wise (früher Transferwise) wird von der FCA (UK) reguliert und betreibt Bankkonten in all den Ländern, wohin es Zahlungen tätigt. Anstatt einer AZV-Zahlung gibt es bei einer Wise-Überweisung zwei inländische Transaktionen.

Im Herkunftsland: eine Überweisung von dem Auftraggeber an ein Wise Konto.
Im Zielland: eine Überweisung von einem Wise Konto an das Empfängerkonto.

Die Bilanz von Wise ist grenzüberschreitend, während das Geld den jeweiligen Währungsraum nicht verlässt. Ein ähnliches Setup einer globalen Bilanz wird auch von Revolut benützt, um weltweite Echtzeit Zahlungen zwischen seinen Kunden zu ermöglichen.

Was ist der Zielmarkt?

Diese FinTech-Unternehmen fokussieren sich hauptsächlich auf den Retail Bereich. Ihr Kerngeschäft ist es, Zahlungen von Privatpersonen zu verarbeiten. Kunden von Wise haben beispielsweise die Möglichkeit, Zahlungen in Höhe von bis zu 1,2 Million Euro in über 60 verschiedene Länder zu überweisen. Gleichzeitig bieten Wise sowie Revolut auch eine grenzüberschreitende Debitkarte an, worauf man unterschiedliche Währungen gleichzeitig halten kann. Mit dieser Debitkarte kann man sekundenschnell zum echten Wechselkurs zwischen allen verfügbaren Währungen wechseln.

FinTech-Unternehmen revolutionieren die Finanzbrache, indem sie nicht nur den Retail-Markt im Visier haben, sondern auch anstreben, ihren Service für Geschäftskunden zugänglich zu machen. Der Wise-Business-Account erlaubt es Unternehmen beispielsweise, Zahlungen in zwölf verschiedenen Währungen zu empfangen. Auf demselben Konto kann man bis zu 50 verschiedene Währungen halten und Geld in bis zu 80 verschiedenen Ländern schicken. Gleichzeitig wird eine Bulk-Verarbeitung von bis zu 1000 Zahlungen auf einmal unterstützt. Ein integrierter App-Marketplace ermöglicht es, externe Applikation wie zum Beispiel Buchführungsprogramme mit ein paar wenigen Schritten anzubinden.

Darüber hinaus streben einige FinTechs danach, sich in der Bankenwelt zu integrieren. Flexible und kundenindividuelle API-Schnittstellen ermöglichen eine leichte Integration zwischen einem Kernbankensystem einer Bank oder dem IT-System eines Unternehmens und der Softwarelösung des jeweiligen FinTechs. Die API-Schnittstellen ermöglichen eine automatische Weiterleitung aller Zahlungsinformationen an das Unternehmen, das diese Überweisungen im Auftrag der Kunden im Rahmen eines Outsourcings oder Software-as-a-Service- (SaaS-)Modell verarbeitet. Zum Beispiel werden die AZV-Zahlungen der Neobank N26 bereits von Wise abgewickelt.

Wo liegen die Herausforderungen?

Obwohl diese FinTech-Unternehmen funktionierende Lösungen haben, müssen einige Herausforderungen bewältigt werden, um einen langfristigen und dauerhaften Erfolg zu erzielen. Die größte Herausforderung ist die Skalierbarkeit. Diese Schemas skaliieren nicht linear, da nicht jede Transaktion eine entsprechende gegenläufige Transaktion hat. Dadurch können Zahlungsungleichgewichte zwischen den unterschiedlichen Konten entstehen. Die Lösungsanbieter sind folglich dazu gezwungen, mittels konventioneller Überweisungen die defizitären Konten wieder zu befüllen, was hinsichtlich hoher Volumina vermehrt geschehen muss. Daher sind selbst die FinTechs auf das bestehende Korrespondenzbankennetz angewiesen.

Angesichts der internationalen Aktivitäten der FinTech-Unternehmen stehen sie darüber hinaus vor der Herausforderung, sich mit unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen in verschiedenen Ländern auseinanderzusetzen. Die Vielfalt dieser Vorschriften erfordert zusätzliche Anpassungen und Ressourcen, um den jeweiligen rechtlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen vollständig gerecht zu werden. Diese Aufwendungen können die Expansionsbemühungen erschweren.

Was sind die Vorteile für Kunden?

Eine Stärke der FinTech-Lösungen liegt in ihrer grenzüberschreitenden Zahlungsinfrastruktur, die es ihnen ermöglicht, AZV-Zahlungen der Kunden abzuwickeln, ohne auf das Korrespondenzbankennetz angewiesen zu sein. Da sie die Kommissionen innerhalb des Korrespondenzbankennetz umgehen, können sie kostengünstige Zahlungen anbieten. Kunden profitieren von klaren, im Voraus festgelegten Gebühren sowie einem Wechselkurs, der sich stets am Aktuellen Devisenkurs (FX) orientiert. Wise garantiert zum Beispiel einen festen Preis und Wechselkurs für einen bestimmten Zeitraum nach der Eingabe aller Zahlungsinformationen.

Wie schnell die Überweisung erfolgt, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich, hängt jedoch maßgeblich von den jeweiligen Zahlungssystemen im Herkunfts- und Zielland ab. Wenn beide Systeme beispielsweise Instant Payments unterstützen, kann eine Zahlung innerhalb weniger Minuten abgewickelt werden. Diese schnelle Abwicklungsdauer stellt einen klaren Vorteil für Kunden dar und ist dementsprechend auch zu einem wichtigen neuen Kundenanspruch geworden.

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Einfluss von FinTechs auf die Finanzbranche

Mit den AZV-Lösungen haben die FinTechs eine neue Benchmark hinsichtlich der Transparenz, dem Preis einer Überweisung und der Benutzerfreundlichkeit ihrer Applikation gesetzt.

Banken stehen somit vor der Herausforderung, den neuen Erwartungen der Verbraucher nach schnellen und transparenten internationalen Zahlungen gerecht zu werden. In dieser Hinsicht bieten sich Banken verschiedene Möglichkeiten. Zum einen, dass Banken innerhalb ihres Online-Bankings die User Experience für ihre Kunden anpassen. Dadurch können sie AZV Zahlungen übersichtlicher machen und ihre Wettbewerbsfähigkeit aufrechterhalten. Die Infrastruktur dahinter muss jedoch auf Basis neuer Zahlungsverkehrsstandards modernisiert werden (beispielsweise SWIFT Go). Dies erfordert möglicherweise beträchtliche Ressourcen und Investitionen seitens der Bank, um eine robuste und effiziente Zahlungsinfrastruktur aufzubauen.

Eine andere Option besteht darin, eine FinTech-Lösung in ihr eigenes Online-Banking-System zu integrieren, wie das zum Beispiel N26 gemacht hat.

Welche der beiden Optionen die Bessere ist, hängt letztendlich von Faktoren wie Auftragsvolumina, verfügbare Ressourcen und bestehende Korrespondenzbankbeziehungen ab. Für Banken könnte die Integration von FinTech-Lösungen eine vielversprechende Alternative sein, da sie von der bereits funktionierenden Infrastruktur und einer leichten API-Integration profitieren.

Erhöhter Wettbewerbsdruck durch FinTechs

FinTech-Unternehmen, wie Wise, Revolut und PayPal Xoom, sind wichtige neue Akteure im Auslandzahlungsverkehr geworden, die sich vorgenommen haben, internationale Zahlungen zu revolutionieren und übersichtlicher zu gestalten. Verbraucher erwarten nun von ihrer Bank dasselbe Maß an Bequemlichkeit und Preistransparenz.

Dies hat zu einem erhöhten Wettbewerb und der Notwendigkeit für Banken geführt, ihre alten Legacy AZV-Systeme zu erneuern. Die FinTech-Unternehmen profitieren von einer zunehmenden Akzeptanz im Retail Bereich. Allerdings ist eine weitreichende Implementierung ihrer Dienstleistung bei großen Finanzinstituten ohne eine konkrete Lösung des Skalierbarkeitsproblems unwahrscheinlich. Nichtsdestotrotz kann eine enge Zusammenarbeit zwischen FinTechs und der traditionellen Finanzbranche in dieser Hinsicht einen vielversprechenden Weg darstellen, um gemeinsam diese Herausforderung zu bewältigen.

Felicia Singer

Felicia Singer

ist Wirtschaftswissenschaftlerin und bei msg for banking im Bereich Payments tätig.

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